Sprücheklopfer: Eva Eiselt schlüpft in die Rolle eines viel beschäftigten Small-Art Directors. - © Alexandra Wilke
Sprücheklopfer: Eva Eiselt schlüpft in die Rolle eines viel beschäftigten Small-Art Directors. | © Alexandra Wilke

Spenge Kabarett statt Karneval: Alternativprogramm mit Eva Eiselt

Programm der Stadt Spenge sorgt für ausverkauftes Haus mit 250 Zuschauern

Spenge. Bereits zum sechsten Mal lud die Stadt Spenge am Karnevalsfreitag in die Aula der Grundschule Spenge ein. Dem Ruf zu Kabarett statt Karneval folgten 250 Zuschauer, die gespannt auf die diesjährige Künstlerin warteten: Eva Eiselt. Eine schlagfertige und wortgewandte Frau mit vielen Gesichtern, die jedes gesellschaftlich noch so heikle Thema gekonnt auf die Schippe nimmt. Mit ihrer unverwechselbaren Mischung aus Humor, Ironie, Sarkasmus und einer gewissen Prise Ernsthaftigkeit drehte sie die Welt für einen Abend auf links und animierte ihre Zuschauer dazu, auch mal über sich selbst zu lachen. Vielleicht wird – ihrem Programmtitel entsprechend – mit einem Lachen ja wirklich „alles vielleichter". „Wir haben sie in Osnabrück gesehen und waren von ihr begeistert", erklärte Stadtbücherei-Leiterin Regina Schlüter-Ruff. Nach Matthias Ningel im letzten Jahr sollte diesmal wieder eine Frau auf die Bühne. Und Eiselt, so die Büchereileiterin, passe einfach mit ihrer offenen Art gut nach Spenge. Eiselt suchte den Dialog mit dem Publikum Tatsächlich suchte Eiselt von Anfang an den Dialog mit dem Spenger Publikum, vorneweg mit dem Engeraner Jörg Wöhrmann aus der ersten Reihe. Schlüpfte Eva Eiselt in die Rolle des Sprüche klopfenden Small-Art Directors, der sich um das Lachmanagement und die Applausfrequenz zu kümmern hatte, durfte Wöhrmann vormachen, was sein Team – das Spenger Publikum – sogleich ausprobierte. Geschult im Basic-Lachen, dem politisch inkorrekten Lachen, dem Schenkelklopfer und der Königsdisziplin, dem hysterischen Frauenlachen, war Spenge bereit für die vielen Facetten der Eva Eiselt. So brachte sie ihr Publikum als Sauna-Fachkraft mit politischem Wortwitz, „ein bisschen Verstand, ein bisschen Systemkritik, ein bisschen German Angst aus einer angelaufenen Petrischale und etwas Koalitionsbeschleuniger" in ein „merkelwürdiges ganzheitliches Schwanken". Als Udo Fröhliche, der den Nachmittag lediglich mit seinem Enkel und einer Schaufel auf dem Spielplatz verbringen wollte, nahm sie Mütter aufs Korn, die ihre Kinder „wie scharf gestellte Bewegungsmelder" auf dem „pädagogischen Todesstreifen" überwachen. Und mit Brille und Blazer ausgestattet stellte sie ihre beste Freundin Siri mit „Handygrationshintergrund" vor, bei der – anders als bei ihrem Mann – alles Einstellungssache sei. Es wäre doch so schön, wenn man auch bei Hans-Georg die Helligkeit (im Kopf) ändern und die Sprachsteuerung aktivieren könnte, damit er überhaupt einmal redet. In diesen und vielen weiteren Rollen sprach Eva Eiselt über Ansprüche, Anforderungen und Wünsche in der heutigen Zeit, machte aber auch vor Themen wie Rassismus nicht halt. Am Ende des Freitagabends trumpfte sie sogar mit einer Idee zur Rettung der Welt auf. So machte sie mit ihrem imaginären Riesenstaubsauger „alles vielleichter". Der Thermomix, die Staubfänger, der Textil-Discounter Primark, WhatsApp, Facebook und Rassismus – alles wurde einfach „auf links gestaubsaugt", bis schließlich eine neue Weltordnung in der Spenger Grundschul-Aula entstand. Eiselt widmet sich seit gut vierzehn Jahren der Kleinkunst und legt vor allem Wert darauf, dass sich während ihrer Auftritte der Zustand des Publikums verändert. „Es muss nicht immer der schnelle Lacher sein. Es kann auch ruhige Momente geben. Das Wichtigste ist für mich, dass ich mein Publikum in irgendeiner Form berühre." Und das dürfe sich bei dem einen oder anderen Witz durchaus ertappt fühlen. „Natürlich muss in Wunden gestochert werden, aber bitte vor allem bei sich selbst. Ich mache Witze auf meine Kosten und auf die Kosten der Beteiligten im Raum. Es ist einfach wichtig, dass man sich nicht zu ernst nimmt."

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