Fester Kreis: Petra Czernitzki (vorn, v. l.), Nicolas Bröggelwirth, Artur Rosenstern, Michael Helm (hi. v. l.), Norbert Sahrhage und Ralf Burnicki vor Beginn ihrer Lesung. Helm liest auch Texte von Christine Zeides, die verhindert war. - © Ralf Bittner
Fester Kreis: Petra Czernitzki (vorn, v. l.), Nicolas Bröggelwirth, Artur Rosenstern, Michael Helm (hi. v. l.), Norbert Sahrhage und Ralf Burnicki vor Beginn ihrer Lesung. Helm liest auch Texte von Christine Zeides, die verhindert war. | © Ralf Bittner

Bünde Sieben Texte auf einen Streich

Premiere: Erste Lesung der Herforder Autorengruppe mit Prosa und Lyrik aller sieben Gruppenmitglieder

Bünde. "Jeden Tag ein Lächeln, keine Ahnung, wie er das gemacht hat", so endet Nicolas Bröggelwirths anrührende Kurzgeschichte "Das Lächeln" um Günther, der eigentlich Klaus hieß. Bröggelwirth ist einer der sieben Autoren, die sich im Januar 2017 zur Herforder Autorengruppe zusammenschlossen und sich jetzt mit einer Lesung im "Wirtschaftswunder" erstmals der Öffentlichkeit vorstellten. Bröggelwirth, in Herford geboren, lebt heute in Bünde und hat wie alle Mitglieder der Gruppe einen biografischen Bezug zum Kreis Herford. Die erste Lesung diente der Selbstdarstellung der Autoren, die Auszüge aus ihren Werken lasen: Erzählungen, Gedichte, Auszüge aus Romanen. Zukünftige Lesungen sollen unter gemeinsamen Themen stehen. Bröggelwirth wurde von einer realen Begegnung um einen offensichtlich geistig Behinderten inspiriert, der sein Leben mit naiver Aufgeschlossenheit und einem Lächeln führt, und schildert ganz nebenbei, welches Unbehagen der Umgang damit dem Ich-Erzähler bereitet. Ebenfalls von der Realität, allerdings einer historischen, inspiriert ist Norbert Sahrhages Roman "Der Mordfall Franziska Spiegel" aus dem er das Kapitel "Am Ende eines Weges" las. Darin schildert er die Gedanken Spiegels auf dem zu ihrer Ermordung durch SS-Männer im Hückerholz. Aber der Historiker kann auch anders. In "Ich bin ein Bücherdieb" schildert er augenzwinkernd , wie am Anfang seiner Vorliebe für Krimis ein Bücherdiebstahl stand. "Der Mann, der Sherlock Holmes war" hatte es dem Teenager angetan. Ralf Burnicki führte durch den Nachmittag und las aus seinem Poem "Der Sound von OWL". Michael Helm, vielerorts im Kreis seit mehr als 15 Jahren als Gestalter von Lesungen bekannt, hatte seine Geschichte "78-67" mitgebracht, die die Zuhörer in sich stetig steigerndem (Lese)Tempo mitnahm in den Wahnsinn einer großstädtischen Einkaufsexkursion an einem Samstagmorgen: wirre Durchsagen von Bahnbeamten und Kassenpersonal im Elektronikmarkt, fast spürbares Geschubse und Kontrollverlust inklusive. Helm las auch Gedichte der in Bünde aufgewachsenen, jetzt in Berlin studierenden Christine Zeides, so dass tatsächlich Texte aller sieben Autoren zu hören waren. Ihre Gedichte hatte sie Helm per eingesprochener Leseanweisung geschickt. Sie sind oft ernst, oder nehmen wie "Z(w)eitzeugin" ernste Themen in den Blick. Hier treffen eine alte Frau, die den Terror der Nationalsozialisten Ende der 1930er Jahre erlebte, und ein Teenager aufeinander, der sich inspiriert von den gängigen TV-Dokus in eine neue deutschen Heldenzukunft träumt. So poetisch wie in einem anderen Gedicht wanderte man wohl noch nie über "Scherbenblumen aus Glashalmen gemacht" durch die nächtliche Großstadt. Auch Petra Czernitzki und der in Herford lebende Artur Rosenstern hatten Auszüge ihrer lyrischen Arbeiten mitgebracht. Czernitzki, Mitautorin des Romans "Dating ist kein Zuckerschlecken", nahm sich auch hier der Themen Frauen und Beziehungen an: "Die Hexen der Neuzeit brannten zuhauf - heute brennen Frauen darauf zu heiraten. Warum ist das so?" "Alle Worte, die nicht gesagt wurden, sind wahr" rezitiert Rosenstern eines seiner Gedichte. Weitere sind im Gedichtband "Schmerz-Wort-Tropfen" erschienen. Premiere gelungen, man darf auf weitere Auftritte gespannt sein. Kontakt zur Gruppe über herfordergruppe@gmail.com, Infos auf www.autorenwelt.de/users/herforder-autorinnen-gruppe

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