Revell in Bünde wurde vor sechs Jahren von dem amerikanischen Konzern Hobbico übernommen. Der hat jetzt Insolvenzantrag gestellt. - © GERALD DUNKEL
Revell in Bünde wurde vor sechs Jahren von dem amerikanischen Konzern Hobbico übernommen. Der hat jetzt Insolvenzantrag gestellt. | © GERALD DUNKEL

Bünde Revell: Mutterkonzern in den USA stellt Insolvenzantrag

Insolvenz in Eigenverwaltung: Hobbico im US-Bundesstaat Illinois hatte in den vergangenen Jahren mit starkem Wettbewerb zu kämpfen. 2012 wurde Revell in Bünde an den US-Konzern verkauft

Gerald Dunkel

Bünde. Vor sechs Jahren übernahm der US-amerikanische Konzern Hobbico den Bünder Spezialisten für Modellbau Revell. Damals galt das als Glücksfall für die Bünder Firma, die sich durch die Übernahme "weitere strategische Möglichkeiten" erhofften, wie der damalige geschäftsführende Gesellschafter Hans-Ulrich Remfert im Februar 2012 mitteilte. Vor zwei Tagen meldete Hobbico in den USA Insolvenz an. "Chapter 11" in den USA bedeutet "Insolvenz in Eigenverwaltung" in Deutschland Das sogenannte "Chapter 11" ist die Art und Weise, nach der Hobbico die drohende Zahlungsunfähigkeit angezeigt hat. Wie Revell-Marketingdirektor Andreas Bittlinger gegenüber der Neuen Westfälischen gestern auf Nachfrage erklärte, entspricht das der "Insolvenz in Eigenverwaltung" in Deutschland. Dabei bleibt die Geschäftsführung des Unternehmens weiterhin in der Verantwortung. Bei einem herkömmlichen Verfahren wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt, der alle weiteren Vorgänge steuert. Bei der Eigenverwaltung hingegen wird der Geschäftsführung ein gerichtlich bestellter Sachwalter zur Seite gestellt, der die Unternehmensleitung lediglich überwacht. Dieses 2012 eingeführte Verfahren kann beantragt werden, wenn ein Unternehmen zahlungsunfähig zu werden droht und die Sanierung eine gute Prognose hat. Für Revell in Bünde soll das Verfahren des Mutterkonzerns Hobbico im US-Bundesstaat Illinois laut Andreas Bittlinger keine negativen Auswirkungen haben. "Wir selbst sind zwar eine Tochter des Konzerns, aber von dem Verfahren nicht betroffen. Das Einzige, was sich für uns ändern kann ist, dass wir einen neuen Mutterkonzern bekommen, sobald sich ein Investor gefunden hat." Ansonsten sei Revell eigenständig. Wettbewerb war in den vergangenen Jahren stark Hobbico gründete sich 1985 aus den seit 1971 beziehungsweise 1973 aktiven Firmen Tower Hobbies und Great Planes und ist eigenen Veröffentlichungen zufolge einer der größten Hersteller und Anbieter von Hobbyprodukten aller Art und Modellen mit Fernsteuerung wie Drohnen, Flugzeuge oder Schiffe weltweit. Wie aus einer Pressemitteilung der Konzernspitze hervorgeht, sei vorrangig ein sehr intensiver Wettbewerb in den vergangenen Jahren Grund für die momentane Situation. Markt mit funkgesteuerten Modellen ist stark für Revell Revell in Bünde war nach mehreren Besitzerwechseln 2006 wieder auf dem Weg zu Erfolg. Der Umsatz stieg 2011 nach Jahren der Umstrukturierung um damals 9 Prozent auf fast 40 Millionen Euro. 2012 dann der Verkauf an Hobbico. Das sei laut Geschäftsführung damals kein Widerspruch, ein Unternehmen auf dem Weg des Erfolgs zu verkaufen. Damals hieß es, dass das für die Amerikaner ein "logischer Schritt" sei, weil man mit einem "starken Partner in Europa Fuß fassen" wollte. Nach der Übernahme sank aber zunächst der Umsatz von Revell nach zwei erfolgreichen Jahren wieder um 3,7 Prozent. Seitdem legte Revell aber wieder besonders im Produkt-Segment der funkgesteuerten Modelle zu.

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