Im Dialog mit der Stadt: August Oetker für die Stifterfamilie. - © Oliver Krato
Im Dialog mit der Stadt: August Oetker für die Stifterfamilie. | © Oliver Krato

Bielefeld Oetker zum Streit um Kunsthallen-Chef: „Provinzposse“

Oberbürgermeister kündigt Vorlage für die Ratsgremien in der nächsten Woche an. Mit der Sanierung ist nicht vor 2021 zu rechnen, Leiter Friedrich Meschede könnte da schon im Ruhestand sein

Joachim Uthmann

Bielefeld. Selten hat eine Nachricht eine solche Solidarisierungswelle ausgelöst. Die Mitteilung von SPD, CDU und Grünen an Kunsthallenleiter Friedrich Meschede, seinen 2019 endenden Vertrag nicht verlängern zu wollen, löste eine Flut an Leserbriefen aus. Viele sorgen sich um die Zukunft der Kunsthalle. Eingeschaltet hat sich auch die Stifterfamilie. "Wir sind im aktiven Dialog mit der Stadt", ließ der Beiratsvorsitzende August Oetker über Sprecher Jörg Schillinger mitteilen. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Die Familie verfolge die Diskussion "sehr genau mit großem Interesse". Sie teile die Einschätzung, "dass es einer Provinzposse gleichkommt, wie mit Meschede umgegangen wird." Die Kritik an seiner Arbeit sei nicht gerecht: "Die Kunsthalle muss die ihr zugedachte Rolle mit überregionaler Bedeutung spielen. Das hat der Leiter als Kenner der Szene unter den begrenzten Bedingungen geschafft." Ein Wechsel kurz vor der anstehenden Sanierung komme zu "einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt", so Schillinger: "Für die Renovierung ist keiner besser geeignet als Meschede als guter Kenner des Hauses mit seiner Kompetenz". Wichtig sei, das "Niveau" zu halten. Die Idee des Leserbriefschreibers Jürgen Stockmeier, die Stadt solle die Kunsthalle der Stifterfamilie zurückgeben, kommentierte Schillinger nicht. Ein solcher Vorschlag dürfte auch in der Politik keine Chance haben. "Wir müssen uns als Stadt unserer Verantwortung für das Geschenk stellen, sind aber für jede Unterstützung dankbar", sagt etwa CDU-Ratsfraktionschef Ralf Nettelstroth. Er verteidigt auch wie SPD-Fraktionsgeschäftsführer Björn Klaus die Einigung der drei großen Parteien, Meschedes Vertrag auslaufen zu lassen: "Das ist keine Bestrafung oder Herabwürdigung seiner künstlerischen Arbeit. Aber es geht um eine Zukunftslösung, die Kunsthalle nach außen optimal dazustellen, mit der dringend nötigen Sanierung des Hauses." Und dabei setzen SPD, CDU und Grüne auf einen Neuanfang mit einem Nachfolger, der schon darauf Einfluss nimmt. Die Zeitschiene ist auf jeden Fall unglücklich. Denn mit der Sanierung, deren Kosten zuletzt auf zehn Millionen Euro geschätzt wurden, ist nicht vor 2021 zu rechnen, mit der Fertigstellung frühestens 2023. Meschede wäre 2020 aber schon 65 und würde wohl in den Ruhestand gehen, auch wenn der Vertrag verlängert würde. Trotzdem halten es seine Unterstützer wie Axel Brandi, der für die Kulturstiftung Pro Bielefeld in Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat der Kunsthalle sitzt, für sinnvoll, dass Meschede "für den Übergang weitermacht. Er ist in besonderem Maße geeignet, kennt das Gebäude, hat es zum Park hin geöffnet." Einen Nachfolger zu finden, wäre angesichts einer zu erwartenden zweijährigen Schließung für den Umbau zudem äußerst schwierig. Maßgeblich ist aber das Votum der Stadt (neben der Sparkasse dritter Gesellschafter). Die wird durch Ratsherr Detlef Werner (CDU) vertreten, für den der Beschluss des Rates bindend ist. Und der dürfte gegen Meschede ausfallen. Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) kündigte für nächste Woche eine Vorlage für die Ratsausschüsse an.

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