Erleichtert beim Schulfest: Schulpflegschaftsvorsitzende Daniela Schmidt-Müller (links) und Schulleiterin Andrea Prochnau arbeiten nach der hart erkämpften Schulrettung nun an einem neuen Image für die Bosseschule. - © Sarah Jonek
Erleichtert beim Schulfest: Schulpflegschaftsvorsitzende Daniela Schmidt-Müller (links) und Schulleiterin Andrea Prochnau arbeiten nach der hart erkämpften Schulrettung nun an einem neuen Image für die Bosseschule. | © Sarah Jonek

Mitte Bosseschule feiert ihre Rettung

Rauschendes Fest: Lehrer und Eltern haben lange um den Erhalt gezittert - jetzt arbeiten sie an einem neuen Image

Alexandra Buck

Mitte. Das war Rettung in letzter Minute: Erst vor zwei Wochen haben Schüler, Eltern und Lehrer erfahren, dass ihre Bosseschule erhalten bleibt. Das feierten sie am Wochenende mit einem rauschenden Schulfest. Vor allem die Eltern hatten sich mit einem enormen Kraftakt gegen die Schließung der Realschule gestellt. Und sind nun "überglücklich", wie die Schulpflegschaftsvorsitzende Daniela Schmidt-Müller sagt. Doch trotz aller Erleichterung - die Arbeit geht jetzt erst richtig los. Die Bosseschule braucht ein neues Image. Schon vor der Diskussion um die Schließung genoss die "Bosse" offenbar nicht den besten Ruf. Das zeigte unter anderem das Anmeldeverhalten vieler Eltern. Während andere Bielefelder Realschulen so gefragt sind, dass sie Schüler ablehnen müssen, galt die Bosse-Realschule eher als Notnagel. Die Stadt beschloss, die Bosseschule zu schließen. Zumal in Bielefeld zwei Sekundarschulen geplant sind, die die Realschule - so die Auffassung der Stadt - überflüssig machen würden. Nun ist der Erhalt der Schule zwar gesichert - am Ruf wird aber noch zu feilen sein. Und zwar flott, schließlich beginnt im Februar das Anmeldeverfahren für das neue Schuljahr. "Wir tun alles, damit unsere Schule wieder als eine der Bielefelder Realschulen wahrgenommen wird", sagt Schulleiterin Andrea Prochnau. Die Homepage sei überarbeitet worden und es gibt einen neuen Flyer. Auch inhaltlich werde es Verbesserungen und Veränderungen geben. Die Themen Medienerziehung und kulturelle Bildung sollen intensiver behandelt und der Bereich "Förderung der sozialen Kompetenzen" ausgebaut werden. Im achten Schuljahr leisten die Schüler ehrenamtliche Arbeit etwa in Altenheimen, lesen außerdem Flüchtlingskindern vor und bieten Hausaufgabenhilfe im offenen Ganztag. Außerdem stellt Prochnau die Überschaubarkeit ihrer Schule heraus. "Wir haben nur 460 Schüler." Jeder Lehrer kenne jeden Schüler beim Namen. "Die Jungen und Mädchen sind hier sehr behütet." Leicht werde die Image-Korrektur trotz aller Bemühungen nicht, mutmaßt Daniela Schmidt-Müller. "Schließlich hat die Politik uns ziemlich kaputtgeredet." Wie praktisch, dass "die Politik" beim Schulfest zugegen und offen für Gespräche war. "Die Gemengelage ist schwierig", erklärte etwa Bernd Schatschneider von den Bielefelder Linken. "Wir haben über 100 Schulen und 50.000 Schüler in der Stadt und zu wenig Geld, um allen gerecht zu werden." Frank Elbracht aus dem Sprecherrat der Bielefelder Realschulen: "Gerade die Realschulen als der Lernort für die Mittelschicht sollten mehr vom Kuchen abbekommen." Es könne nicht angehen, dass "diese so wichtige Mitte zu Gunsten der ganz Starken und Schwächeren aus dem Fokus gerät".

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