Die Bielefelder Kunsthalle, aufgenommen vom NW-Copter. - © Jens Reddeker
Die Bielefelder Kunsthalle, aufgenommen vom NW-Copter. | © Jens Reddeker

Kultur „Die Kunsthalle Bielefeld braucht einen Neubau“

Interview mit Günter Küppers

Bielefeld. Im Interview mit Stefan Brams spricht der Vorsitzende des Förderkreises, Günter Küppers, über die Zukunft der Kunsthalle, die Notwendigkeit einer Erweiterung, die Suche nach weiteren Gesellschaftern und den 50-jährigen Geburtstag des Hauses. Herr Küppers, die Kunsthalle wird im nächsten Jahr 50 Jahre alt. Was wünschen Sie sich für das Haus? Günter Küppers: Zuallererst braucht die Kunsthalle eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung. Und dann wünsche ich mir, dass die drei Gesellschafter eine gute Hand bei der personellen Neuaufstellung des Hauses haben, denn im Herbst 2020 wird Jutta Hülsewig-Johnen und ein Jahr später auch Friedrich Meschede aufhören, und auch ich als Förderkreisvorsitzender werde mein Amt abgeben. Da steht personell also eine große Umbruchphase an, die gut gemanagt sein will, damit das Haus weiterhin erfolgreich agieren kann. Sie haben in einem Leserbrief mangelnde Unterstützung seitens der Stadt für die Kunsthalle beklagt. Was fordern sie von Bielefeld als einem der Gesellschafter der Kunsthalle? Küppers: Die Stadt bezahlt im Wesentlichen den Unterhalt des Gebäudes und das Personal. Aber für den Ankauf von Bildern, für die Museumspädagogik und die Ausstellungen fließen keine städtischen Mittel. In diesem Bereich sollte sich die Stadt wieder stärker einbringen. Aber ich wünsche mir auch, dass sich Privatpersonen und Unternehmer deutlich stärker für die Kunsthalle engagieren. Was stellen Sie sich vor? Küppers: Meines Erachtens braucht die Kunsthalle eine breitere Basis, um sie zukunftsfähig zu machen. Daher wäre es begrüßenswert, wenn neue Gesellschafter der gemeinnützigen Betriebsgesellschaft der Kunsthalle beitreten würden, die sich so langfristig und institutionell für das Haus engagieren. Das ist gerade auch deshalb notwendig, weil die Kunsthalle nach 50 Jahren baulich und technisch in keiner guten Verfassung ist und ein großer Renovierungsstau herrscht. Wen wünschen Sie sich denn als weiteren Gesellschafter in der Betriebsgesellschaft? Küppers: Ich möchte keine einzelnen Namen nennen, aber wir setzen natürlich auf die vielen potenten heimischen Unternehmen. Vielleicht wäre das ja auch was für die Neue Westfälische? Mit dem Unternehmer Ortwin Goldbeck als Großsponsor war ein Erweiterungsbau der Kunsthalle zum Greifen nah. Dann ist er im vergangenen Jahr abgesprungen. Warum? Küppers: Seine Ausstiegsentscheidung hat mich sehr getroffen. Schuld daran war letztendlich die Stadtspitze, die ein klares Bekenntnis zum Neubau, das Herr Goldbeck sich ja gewünscht hatte, nicht abgegeben hat. Daraufhin hat er sich anders orientiert und sein Geld für das Stenner-Museum zur Verfügung gestellt. Hand aufs Herz, sehen Sie noch eine realistische Chance für einen Neubau? Küppers: Herr Goldbeck hat ja nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sich nicht doch auch für die Kunsthalle zu engagieren, zudem gibt es neue Kontakte, die immer mal wieder Hoffnung machen, aber konkret haben wir nichts in der Hand. Aber eines sollten alle Beteiligten bedenken, da die Kunsthalle renoviert werden muss, sollte das Thema Neubau immer gleich mitgedacht werden, damit das alles kein Stückwerk wird. Wir bleiben als Förderkreis auf jeden Fall an dem Thema dran, denn ein Erweiterungsbau ist weiterhin dringend notwendig. Warum? Küppers: Nur mit einem neuen Gebäude können wir mehrere Ausstellungen nebeneinander realisieren und damit ein größeres Publikum ansprechen. Zudem wäre es dann möglich, im Johnson-Bau mit der eigenen Sammlung viel stärker zu arbeiten und im Neubau große Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst zu zeigen. So könnten wir die Attraktivität der Kunsthalle steigern, ihre Ausstrahlung über die Region hinaus erhöhen und sie für den Wettbewerb mit anderen Häusern fit machen. Sie sind seit 2010 Vorsitzender des Förderkreises, der in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiert. Welche Akzente wollen Sie in nächster Zeit setzen? Küppers: Wir wollen die Kunsthalle noch mehr zu einem Ort der kulturellen Debatte machen, sie noch weiter zur Uni hin öffnen und mit dieser noch stärker verzahnen. Das soll sich im Vorstand und im Kuratorium des Förderkreises auch personell widerspiegeln. Zudem wollen wir die jungen Freunde der Kunsthalle wieder stärker, mit einem eigenen Programm aktivieren, um mehr junge Menschen für die Kunsthalle zu begeistern. Sie ermöglichen der Kunsthalle den Ankauf von Kunstwerken. Bleibt das der Schwerpunkt Ihrer Arbeit. Küppers: Bereits 1996 hat die Stadt ja den Ankaufsetat gestrichen. Insofern sind wir die einzige Institution, die es der Kunsthalle mit jährlich 100.000 Euro ermöglicht, Werke für die eigene Sammlung zu erwerben. Bisher haben wir 43 Arbeiten angekauft. Das ist wichtig für das Haus, denn nur mit einer attraktiven Sammlung kann die Kunsthalle im Leihverkehr der Museen Werke zur Verfügung stellen und Werke aus anderen Museen leihen. Daher wird das eine unserer zentralen Aktivitäten bleiben neben der Unterstützung für die Museumspädagogik. Wie viele Mitglieder haben Sie derzeit? Küppers: Ohne Junge Freunde rund 1.000, aber trotz einer stabilen Entwicklung müssen wir uns daran machen, neue, jüngere Mitglieder zu gewinnen, denn auch bei uns steht ein Generationswechsel an, den wir nur bewältigen können, indem wir wachsen. Viele Besucher empfinden die Ausstellungen, die Herr Meschede zeigt, als spröde. Wie sehen Sie das Programm der Kunsthalle? Küppers: Friedrich Meschede ist ein sehr guter Direktor. Er ist sehr nah dran an der zeitgenössischen Kunst und hat unglaublich viele Kontakte zu aktuellen Künstlern, die derzeit maßgeblich die künstlerische Entwicklung mit beeinflussen. Das schlägt sich natürlich auch in seinem Programm nieder, das entsprechend modern, intellektuell und anspruchsvoll ist. Für mich ist das nicht spröde, sondern hoch reizvoll, weil die Besucher hier in Bielefeld ganz neue Tendenzen der Kunst entdecken können. Zudem bekommen sie mit den Ausstellungen, die Jutta Hülsewig-Johnen verantwortet, Kunst zu sehen, die stärker auf das Herz abzielt. Ich nenne das ein ideales Ausstellungsprogramm. Ende 2017 wird das neue Stenner-Museum direkt gegenüber der Kunsthalle eröffnen. Ein Konkurrent für die Kunsthalle? Küppers: Nein, das wird kein Konkurrent, das ist eine Erweiterung der Bielefelder Kunstlandschaft, die wir ja von Anfang an begrüßt haben. Wir sind auch weiterhin zur Kooperation bereit. Warum Herr Bunte als Sammlungsgeber damit aber solche Schwierigkeiten hat, das müssen Sie ihn fragen. Eins möchte ich noch anmerken, auf Dauer werden sie dort nicht nur Stenner zeigen können, sie sollten das Haus auch für aktuelle Bielefelder Künstler öffnen. Die Aktion Kunstwerkskammer hat ja gezeigt, dass es einen großen Bedarf dafür gibt. Was schenkt der Förderkreis der Kunsthalle denn zum 50. Jubiläum? Küppers: Wir wollten der Kunsthalle den Erweiterungsbau schenken. Fast hätte es ja geklappt. Über das neue Geschenk möchte ich noch nichts sagen. Kunst ist Günter Küppers (76) eine Herzensangelegenheit. Und so engagiert sich der Physiker und Hobbykoch bereits seit 2001 im Förderkreis der Kunsthalle.Im April 2010 wurde er als Nachfolger von Sigurd Prinz, der damals aus Altersgründen ausschied, zum Vorsitzenden gewählt. Der Verein hat 1.000 Mitglieder. In diesem Jahr wird der Förderkreis 35 Jahre alt. Eine seiner wichtigsten Aufgaben ist der Ankauf von Werken für die Sammlung der Kunsthalle. 43 sind es seit seiner Gründung. Auf dem Jahresempfang der Kunsthalle am Montag stellt Küppers die Aktivitäten des Vereins vor.

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