Jana Liekam (Paula Beer) ist die Hauptdarstellerin in "Bad Banks" - © ZDF und Sammy Hart
Jana Liekam (Paula Beer) ist die Hauptdarstellerin in "Bad Banks" | © ZDF und Sammy Hart

Fernsehen "Bad Banks" ist eine grandiose Serie - trotz der vielen Banker

Die Produktion von ZDF und ARTE ist online weiter verfügbar

Angela Wiese

Das Wort Finanztransaktion dürfte zu den Begriffen gehören, die beim Zuhörer eher den Prozess des Gähnens auslösen, statt Spannung zu erzeugen. Dass ZDF und ARTE mit "Bad Banks" gleich eine ganze Serie zum Thema produziert haben, darf deshalb als mutig bezeichnet werden. Wer sich dennoch traut einzuschalten, wird überrascht werden - und belohnt. Nach ihrer TV-Ausstrahlung ist die viel diskutierte Serie "Bad Banks" noch bis zum 8. März in der ARTE- und bis Ende August 2018 in der ZDF-Mediathek zu sehen. Zeit genug also, um sich der Serie frei von den Grenzen des linearen Fernsehens zu widmen. In 6 mal 50 Minuten erzählt das Team um Regisseur Christian Schwochow und Autor Oliver Kienle die Geschichte der jungen Investmentbankerin Jana Liekam (Paula Beer), die sich von ihrer Ex-Chefin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) wie ein Schäfchen in eine Intrige um Chefposten und gefälschte Bilanzen treiben lässt. Gestört und ehrgeizig "Bad Banks" ist gerade deshalb so gut, weil die globale Finanzwelt nicht nur als bloße Kulisse fungiert. Sie ist wesentlicher Bestandteil der Story. Den Machern gelingt es aber, dem Zuschauer die oft befremdlichen Abläufe in dieser Welt über Antriebe und Abgründe der Protagonisten verständlich zu machen. "Bad Banks" ist keine trockene Wirtschaftsserie. Der Sechsteiler spielt in einer Welt, in der Ehrgeiz, Aggressivität und Gewissenlosigkeit wesentliche Karrierefaktoren sind und Menschen ihr Geld unter anderem damit verdienen, aufs Wetter zu spekulieren. Jana Liekam ist eine dieser Protagonisten. Sie ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Die von Angstattacken heimgesuchte, talentierte 25-Jährige wirkt zuweilen zerbrechlich, hat einen schweren Lebensweg hinter sich und kämpft nun um höhere Posten in der Investmentbanker-Welt. Liekam hat aber auch eine kleine Familie und erweckt deshalb den Einruck, bestimmt auch ein Gewissen zu haben. Die Feststellung, dass das möglicherweise gar nicht so ist, die Entwicklung ihrer Figur vom sympathischen Emporkömmling zu jemandem, der dann doch irgendwie perfekt in die Masse der rücksichtslosen Egozentriker passt, ist ein spannender Strang in "Bad Banks". Nichts für das Gemeinwohl Eine solche Entwicklung machen auch die anderen Charaktere durch, die Folge um Folge wichtiger werden. Alle haben einen Fixpunkt im Leben, etwas, das sie antreibt. Dieser Fixpunkt ist stets weit entfernt vom Gemeinwohl. Alle scheitern, nicht jeder bekommt seine verdiente Strafe. Als alles zusammenbricht, gibt es eigentlich nur einen, mit dem der Zuschauer sogar Mitleid empfinden kann. Es ist ausgerechnet der Mann, der zu Beginn als Prototyp des unsympathischen, haargegelten Investmentbankers eingeführt wird. Da kann die Konkurrenz an Mitleidserregern nicht groß sein. Wie es nach dem großen Zusammenbruch weitergeht, wird eine zweite Staffel zeigen, die das ZDF gerade plant. Wir sind gespannt.

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