Kommissar Kopper (Andreas Hoppe) hilft als Traumerscheinung seiner Kollegin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) bei der Lösung des Falls. - © SWR/Martin Furch
Kommissar Kopper (Andreas Hoppe) hilft als Traumerscheinung seiner Kollegin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) bei der Lösung des Falls. | © SWR/Martin Furch

TV & Film Tatort: Ein desaströses Experiment in Ludwigshafen

Woran das Ludwigshafener Ermittlerteam und die Laienspielgruppe im experimentellen SWR-Tatort scheitern

Marc Schröder

Bielefeld. Es war als großes Experiment gedacht und ist gescheitert. So könnte die Kurzversion dessen lauten, was sich der SWR für den Tatort „Babbeldasch" aus Ludwigshafen hat zusammenschustern lassen. Die Einfallslosigkeit des deutschen Fernsehens wird oft genug kritisiert, doch wenn die Umsetzung eines Krimis an allem krankt, wünscht man sich solides Krimi-Handwerk zurück. In Erinnerung bleiben wird der Fall „Babbeldasch" entweder dadurch, dass man ihn schnell ausgeschaltet hat oder sich durchgequält hat. Dabei liegt es nicht zwingend am Fall selbst, in dem die Hauptdarstellerin und Chefin der pfälzischen Mundart-Theatergruppe „Babbeldasch" durch einen allergischen Schock stirbt. Ausgelöst durch ein Mohn-Croissant und tödlich deshalb, weil das Allergiker-Notfallset verschwunden ist. Es liegt auch nicht so sehr an der zunächst hohen Zahl an möglichen Verdächtigen, jedes Ensemblemitglied könnte es gewesen sein. Auch die angespannte Situation zwischen den Ermittlern Odenthal, Kopper und Stern hat keinen konkreten Einfluss auf das Scheitern. Von diesem Tatort bleibt nicht viel Dieser Tatort scheitert an den großen Ideen von Regisseur Axel Ranisch und Autor Sönke Andresen: handlungschronologisches Drehen, kein Drehbuch, keine Dialogvorgabe. Einzig die Figuren wurden zuvor mit den Schauspielern entworfen. Das Ziel: die große Improvisation. An einer solchen Idee sind schon Filmprojekte mit hochkarätiger Besetzung gescheitert. Ranisch und Andresen versuchen zu allem Überfluss auch noch, die Laiendarsteller in diesem Tatort groß aufspielen zu lassen. Was im kleinen Rahmen einer Heimatbühne charmant sein kann, wirkt im TV hölzern, unbeholfen und so amateurhaft wie es in „Babbeldasch" zusammenläuft. Selbst den Profi-Mimen der Besetzung fehlt die Präsenz für ein solches Projekt. Die darstellerische Gesamtleistung rangiert so irgendwo im Postleitzahlenbereich des RTL-II-Vorabendprogramms. Die ARD zitiert Kopper-Darsteller Andreas Hoppe zu dieser Episode übrigens wie folgt: „Mir hat sich am meisten die Vorbereitung zum sizilianischen Kochen mit Axel und Riccardo am Vorabend des Drehs eingeprägt, bei feinem Grillo – ein sizilianischer Weißwein, schön kühl und würzig, leckerem Essen und der Musik von Velvet Underground, Pale Blue Eyes." Damit ist fast alles gesagt zu einem Sonntagsfilm, bei dem wenigstens die Laiendarsteller ihr Bestes geben. Das Koppers Präsenz im Fall „Babbeldasch" übersichtlich bleibt, könnte immerhin dazu führen, dass die inhaltliche Gestaltung dieses Tatorts künftig überdacht wird. Veränderungen in Ludwigshafen absehbar Die wenigen Szene Koppers bieten zumindest etwas Entwicklung für den Handlungsrahmen der Ludwigshafener Truppe. Zeichneten sich in den letzten Episoden bereits immer stärkere Brüche zwischen den Ermittlern ab, so wird der Abgang des knurrigen Kommissars immer wahrscheinlicher. Zwar wird der Rahmen eines großen gemeinsamen Essens gesprengt und Kopper stiehlt sich davon, ohne seine große Neuigkeit zu verkünden. Doch die Schlussszene, in der er der Kommissarin als Gruß eine Rose auf die Bühne wirft, lässt seinen baldigen Abschied erahnen. Die Schlussszene, erneut eine Odenthal-Traumsequenz, ist zudem als Einzige wirklich gelungen. Neben dem Kopper-Cliffhanger, liegt das am Abschiedsgruß des traumspukenden Mordopfers an die Kommissarin: „Lena, du hast den Fall gelöst. Du bist frei!" So wie die Zuschauer, die bis zum Ende durchgehalten haben. Wie Ihnen dieser Tatort gefallen? Machen Sie mit bei der Umfrage und diskutieren Sie in unserem NW-Leserforum:

realisiert durch evolver group