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Windkraftpionier Benik verhaftet

Verdacht auf Steuerhinterziehung in Millionenhöhe

VON HUBERTUS GÄRTNER
22.06.2011 | Stand 24.06.2011, 11:52 Uhr
Windkraftpionier Günter Benik (57) ist vorläufig festgenommen worden. - © FOTOMONTAGE: TOBIAS BECKER
Windkraftpionier Günter Benik (57) ist vorläufig festgenommen worden. | © FOTOMONTAGE: TOBIAS BECKER

Paderborn. Windkraftpionier Günter Benik (57) ist vorläufig festgenommen worden. Dies bestätigte am Mittwoch der Bielefelder Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann. Derzeit wird er dem Haftrichter vorgeführt.

Staatsanwälte und Steuerfahnder hatten am Dienstag 17 Wohnungen und Geschäftsräume der weltweit tätigen Unternehmensgruppe "Energieteam" durchsucht. Gegen drei Beschuldigte bestehe der Verdacht der Steuerhinterziehung, sagte der Bielefelder Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann auf Anfrage. Nach der Durchsuchung habe sich der Verdacht erhärtet. Es handele sich in diesem Fall möglicherweise um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe.

Weitere Einzelheiten wollte Pollmann unter Hinweis auf das Steuergeheimnis und die laufenden Ermittlungen nicht nennen. Es gehe um Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der Planung, Errichtung und Veräußerung von Windparks, sagte er lediglich.

Hauptbeschuldigter in dem Verfahren ist nach Informationen der NW der Windkraftpionier Benik. Das von ihm gegründete "Energieteam" ist Namensgeber der Arena des Fußball-Zweitligisten SC Paderborn. Weil Benik seinen Zahlungsverpflichtungen als Hauptsponsor "nicht nachgekommen" sei, habe man mit ihm bereits "einen Auflösungsvertrag geschlossen", bestätigte Josef Ellebracht, Sprecher der Paderborner Stadiongesellschaft. Man sei nun auf der Suche nach einem anderen Namensgeber für die Fußball-Arena. Finanzielle Probleme für den Verein SC Paderborn, dessen Jahresetat rund zehn Millionen Euro umfasst, seien durch den Ausfall aber nicht zu befürchten.

Geschäftliche Aktivitäten in Osteuropa

Weder Benik noch sein Anwalt waren am Dienstag für eine Stellungnahme zu erreichen. "Energieteam" besteht aus zahlreichen Unternehmen, die alle im Bereich der alternativen Energietechnik tätig sind. Die gesamte Gruppe, deren Holding in Zug (Schweiz) ihren Sitz hat, habe etwa 30 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet, ließ Benik vor einiger Zeit verlauten. Nach eigenen Angaben aus 2010 ist er selbst an 35 bis 40 Gesellschaften beteiligt.

"Energieteam" habe "den Weg für die Nutzung der Windenergie in Europa gebahnt" und "an der Entwicklung von über 1.740 Megawatt installierter Leistungskapazität in Windparks in Deutschland und Frankreich mit einem Wert von über 1,7 Milliarden Euro mitgewirkt", heißt es aktuell auf der Homepage des "Energieteams". Die Rede ist dort auch von geschäftlichen Aktivitäten in "Russland, Rumänien und Estland".

Bei seinem Engagement in Deutschland ist Benik bereits einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Das Landgericht Paderborn verurteilte den Windpionier im Juli letzten Jahres zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe wegen Untreue. Nach dem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, soll Benik unbefugt Einspeiseerlöse eines Windparks in Keppeln (Niederrhein) auf ein Geschäftskonto seiner Firma EWO Energietechnologie GmbH in Lichtenau umgeleitet haben, die inzwischen pleite ist.   

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