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Jubelszenen auf dem Rasen: SCP-Stürmer Babacar Gueye fasst sich an den Kopf und kann es kaum glauben. - © Andreas Zobe
Jubelszenen auf dem Rasen: SCP-Stürmer Babacar Gueye fasst sich an den Kopf und kann es kaum glauben. | © Andreas Zobe

Aufstieg in die 1. Bundesliga SC Paderborn feiert die schönste Niederlage aller Zeiten

Das Baumgart-Team schafft trotz der finalen 1:3-Pleite in Dresden dank Bochumer Schützenhilfe den Durchmarsch in die 1. Bundesliga

Frank Beineke
19.05.2019 | Stand 19.05.2019, 20:58 Uhr |

Dresden. Eigentlich passte dieses letzte Saisonspiel so gar nicht zu der fulminanten Saison des SC Paderborn. Der Zweitliga-Aufsteiger präsentierte sich am Sonntag im Gastspiel bei Dynamo Dresden ungewöhnlich passiv, zweikampfschwach und verlor vor 30.575 Zuschauern im Rudolf-Harbig-Stadion völlig verdient mit 1:3 (1:2). Doch das alles war sowas von egal. Es sollte vielmehr die schönste Niederlage der Vereinsgeschichte werden. Denn da Union Berlin zeitgleich nur 2:2 beim VfL Bochum spielte, feierten die Paderborner am Ende mit den 2.500 mitgereisten Fans den Aufstieg in die erste Liga. Das Märchen vom Drittliga-Absteiger, der in nur zwei Jahren den Sprung ins Fußball-Oberhaus schaffte, war perfekt. In den letzten Minuten dieses Zweitliga-Saisonfinales waren Spieler, Verantwortliche und Fans des SCP jedoch tausend Tode gestorben. So hatte Union in der 83. Minute noch mit 0:2 in Bochum zurückgelegen, um dann zum 2:2 auszugleichen. Als die Partie in Dresden abgepfiffen wurde, waren noch gut 90 Sekunden in Bochum zu spielen. Ein weiteres Tor für Union – und der SC Paderborn hätte in die Relegation gemusst. Trainer legt noch einmal einen gewagten Spurt hin Die SCP-Spieler eilten in die Mixed-Zone, um Infos einzuholen. Bis auf Philipp Klement. Paderborns Regisseur gab noch Schiedsrichter Sven Jablonski die Hand und erfuhr von diesem, dass Union mit 3:2 gewonnen habe. Doch als plötzlich riesiger Jubel im SCP-Fanblock aufbrandete und seine Teamkollegen wie von der Tarantel gestochen aus den Katakomben des Stadions gestürmt kamen, war Klement klar, dass der Referee eine Falschinformation geliefert hatte. Der SCP war aufgestiegen. Und es brachen alle Dämme. Auch Cheftrainer Steffen Baumgart, der nach dem Schlusspfiff sogar in die Kabine geflohen war, spurtete Richtung Fankurve. „Das war der längste Sprint seit langer Zeit. Jetzt zieht es überall", scherzte der Aufstiegscoach, der in der Pressekonferenz noch sichtlich seine Gedanken sortieren musste. „Sorry, dass ich ein wenig wirr rede. Das liegt nicht daran, dass ich getrunken habe, sondern daran, dass ich das alles noch nicht realisiert habe", sagte Baumgart. Seine Spieler machten unterdessen in der Kabine bereits richtig Bambule. Und das Wort „Wahnsinn" hatte Hochkonjunktur. „Es wird dauern, bis wir das alle begreifen. Es liegen turbulente Jahre hinter uns", erklärte Kapitän Christian Strohdiek und erinnerte an den Regionalliga-Abstieg vor zwei Jahren. „Da waren wir tot. Aber Totgesagte leben länger", so Strohdiek. „Dieser Erstliga-Aufstieg ist noch viel höher einzuschätzen als der im Jahr 2014", urteilte Markus Krösche nicht nur angesichts dieser Hintergrundgeschichte. Der SCP-Sport-Geschäftsführer verwies vielmehr auch auf die vielen jungen Spieler aus unteren Ligen, die diesen Triumph ermöglicht hätten. Dass die unerfahrene Truppe am letzten Spieltag Nerven zeigte, sei daher nur allzu menschlich gewesen. Zwar ging der SCP durch Philipp Klements 16. Saisontor nach zehn Minuten mit 1:0 in Führung. Doch dann lief gegen bärenstarke Hausherren fast gar nichts mehr. Baris Atik schoss Dynamo mit einem Dreierpack (18./37./63.) zum Heimsieg. „Mit dem 1:1 ist bei uns der Stecker gezogen worden. Da ist der Druck in die Beine gegangen", sagte Krösche und fügte an: „Aber der Fußball gibt dir meist das zurück, was du investiert hast. Und dieses Glück war heute der Lohn für die gesamte Saison. Die ganze Stadt kann sich jetzt auf die Bundesliga freuen." „Da werden wir 34 Endspiele haben", erklärte Steffen Baumgart mit Blick auf die kommende Spielzeit. „Und wir sind sicher schon jetzt für alle Experten der erste Absteiger. Doch dagegen werden wir uns mit aller Macht wehren", ergänzte Paderborns Trainer. Zuvor aber wird gefeiert. Auf dem Paderborner Rathausplatz steigt am Montag ab 17 Uhr die große Aufstiegsparty. „Ich bin kein Feierbiest. Aber die Jungs gehen jetzt richtig ab", sagte Baumgart, der sich auf der Rückreise jedoch erst einmal eine stattliche Siegerzigarre gönnte. „Die hat mir ein Unioner geschenkt", verriet der SCP-Coach, der den Berlinern nun in der Relegation die Daumen drücken wird. Denn auch Union hätte sich nun ein wenig Glück verdient. Das Spiel gegen Dynamo Dresden im Ticker zum Nachlesen:

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