So war’s vor fünf Jahren: Vor dem Zweitliga-Saisonfinale gegen Aalen wurde SCP-Kapitän Markus Krösche (r.) am 11. Mai 2014 als aktiver Spieler vom Sportlichen Leiter Michael Born verabschiedet. An diesem Sonntag gibt’s ein Wiedersehen in Dresden. - © Marc Köppelmann
So war’s vor fünf Jahren: Vor dem Zweitliga-Saisonfinale gegen Aalen wurde SCP-Kapitän Markus Krösche (r.) am 11. Mai 2014 als aktiver Spieler vom Sportlichen Leiter Michael Born verabschiedet. An diesem Sonntag gibt’s ein Wiedersehen in Dresden. | © Marc Köppelmann

SC Paderborn Wiedersehen mit Paderborns ehemaligen "Schnäppchen-Jäger" Michael Born

Interview: Dresdens Geschäftsführer Michael Born über das Duell gegen seinen Ex-Klub und die Entwicklung des SCP

Paderborn. Als „Schnäppchen-Born" war Michael Born vor fünf Jahren einer der Protagonisten des ersten Paderborner Erstliga-Aufstiegs. Der langjährige Sportliche Leiter des SC Paderborn hatte das Kunststück vollbracht, aus minimalen Mitteln den maximalen Erfolg zu generieren. Diese Kunst beherrscht auch SCP-Sport-Geschäftsführer Markus Krösche in Perfektion. Dieser war am 11. Mai 2014 beim entscheidenden Zweitliga-Saisonfinale gegen den VfR Aalen als aktiver Spieler von Born verabschiedet worden. Nun gibt’s ein Wiedersehen bei einem weiteren Saisonfinale. Denn Michael Born ist seit drei Jahren Geschäftsführer der SG Dynamo Dresden, bei der die Paderborner an diesem Sonntag, 19. Mai, um 15.30 Uhr gastieren. Vor diesem Duell sprach nw.de mit Dynamo-Geschäftsführer Michael Born. Herr Born, vor zwei Jahren war der SC Paderborn sportlich in die vierte Liga abgestiegen. Nun steht er vor dem Erstliga-Aufstieg. Hätten Sie so eine Entwicklung für möglich gehalten? Michael Born: Was da passiert ist, ist natürlich außergewöhnlich. Davor kann man nur den Hut ziehen. Markus Krösche und Trainer Steffen Baumgart machen einen fantastischen Job. Es gibt einen klaren Plan. Und ich habe schon nach unserer 0:3-Hinspielniederlage in Paderborn gesagt, dass der SCP ganz oben mitspielt. Was sind denn aus Ihrer Sicht die wichtigsten Zutaten fürs Paderborner Erfolgsrezept? Born: Sie laufen früh an und spielen ein hohes Pressing. Der SCP hat in der 2. Liga sicherlich die meisten Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte. Viele Spieler verfügen über eine extrem hohe Geschwindigkeit. Neben der mannschaftlichen Geschlossenheit gibt’s eine hohe individuelle Qualität. Paderborn spielt einfach einen super Fußball. Welcher SCP-Spieler überrascht Sie am meisten? Born: Die Entwicklung von Sebastian Schonlau ist einfach fantastisch. Basti hat sich gegen Uwe Hünemeier und Christian Strohdiek durchgesetzt und ist mittlerweile einer der besten Innenverteidiger in der 2. Liga. Gerade seine Stärken im Spielaufbau sind beachtlich. Wie fällt denn der Vergleich zur SCP-Aufstiegsmannschaft aus der Zweitliga-Saison 2013/2014 aus? Born: Jeder Trainer hat einen anderen Spielstil, aber in der Grundkonzeption sind viele Dinge ähnlich. Auch damals hatten wir eine klare Strategie und einen guten Plan. Die Mannschaft war ebenfalls eine eingeschworene Truppe. Das heutige SCP-Team hat sicher noch mehr Tempo. Das Spiel wird halt immer schneller. 2014 stand der SCP im letzten Saisonspiel gegen den VfR Aalen vor einer ähnlichen Situation wie jetzt. Es fehlte nur noch ein Sieg zum Erstliga-Aufstieg. Wie groß war damals der Druck? Born: Der war enorm. Ich erinnere mich noch daran, dass mich am Abend vor dem Spiel ein Sky-Reporter angerufen und darauf hingewiesen hat, dass wir gegen Aalen auf keinen Fall in Rückstand geraten dürfen. Denn nach einer Führung habe Aalen noch nie verloren. Und dann liegen wir nach neun Minuten 0:1 hinten. Aber die Jungs haben sich auch davon nicht beirren lassen, ihr Ding durchgezogen und 2:1 gewonnen. Und was erwartet den SCP am Sonntag bei Dynamo Dresden? Born: Das wird bestimmt nicht einfacher. Die Hütte ist komplett ausverkauft. Unsere Fans werden ohne Ende Stimmung machen. Und wir haben ja gezeigt, dass wir zuhause Spitzenteams wie Köln schlagen können. Also gibt es keine Geschenke für Ihren Ex-Klub? Born: Ganz sicher nicht. Wir wollen unseren Fans noch einmal etwas bieten und in der Tabelle möglichst noch einen Platz nach oben klettern. Es geht für uns schließlich auch noch um TV-Gelder. Aber ich hoffe, dass Union nicht in Bochum gewinnt. Dann wäre Paderborn ja auch bei einer Niederlage aufgestiegen. Das wäre mir am liebsten. Wir würden nächste Saison nur ungern auf das Ostderby gegen Union Berlin verzichten. Sie hegen demnach keinen Groll gegen ihren Ex-Verein, bei dem Sie im März 2016 gehen mussten? Born: Überhaupt nicht. Das ist alles Schnee von gestern. Ich habe weiterhin Kontakte nach Paderborn. Ich habe heute morgen noch mit Markus Krösche telefoniert. Beneiden Sie den SC Paderborn manchmal um das ruhige Umfeld? Born: Bei Traditionsvereinen wie Dynamo Dresden gibt es sicher mehr Einflüsse von Außen. Da kann eine solche Ruhe wie in Paderborn schon von Vorteil sein. Aber auch in Vereinen wie Dresden kann erfolgreich gearbeitet werden. In dieser Saison blieb der sportliche Erfolg allerdings aus. Born: Wenn du in einer Saison zwei Trainerwechsel hast, ist klar, dass wenig nach Wunsch gelaufen ist. Wir haben unser Minimalziel Klassenerhalt erreicht. Aber wir können sicherlich nicht zufrieden sein. Finanziell steht Dynamo Dresden im Gegensatz zu vielen anderen Ostvereinen dagegen prima da. Seit neun Jahren schreibt der Verein schwarze Zahlen. Born: Die Perspektiven sind richtig gut. Wir haben 22.000 Mitglieder. Unser Zuschauerschnitt liegt bei 28.000. Wir konnten die Sponsoring-Einnahmen von sieben auf zehn Millionen Euro steigern. Wir sind beim Eigenkapital gut aufgestellt. Und wir bauen gerade ein schmuckes neues Trainingszentrum. Wann erfolgt also der Angriff auf die 1. Bundesliga? Born: Wir sprechen nicht über die 1. Liga. Es geht erst einmal darum, dass wir uns nachhaltig entwickeln. In Paderborn hat so mancher die Befürchtung, dass ein Erstliga-Aufstieg dem Verein nicht gut tun könnte. Schließlich ist der SCP in dieser Hinsicht ein gebranntes Kind. Born: Das ist doch Blödsinn. Natürlich wäre es sehr schwer, bei den finanziellen Rahmenbedingungen in der ersten Liga zu bestehen. Aber der Aufstieg würde schon allein zur Entschuldung des Vereins beitragen. Zudem ist der SCP nun viel besser aufgestellt, was die Infrastruktur betrifft. Wir hatten damals in der 1. Liga die Paderkampfbahn. Jetzt gibt es ein erstklassiges Trainingszentrum. Falls der SCP am Sonntag den Aufstieg verpasst. Welche Chancen räumen Sie ihrem Ex-Klub in einer Relegation gegen Stuttgart ein? Born: Der VfB ist zwar ein gestandener Erstligist. Doch Paderborn wäre ganz sicher nicht chancenlos. Denn mit dieser Offensive ist alles möglich.

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