Zaungast: Paderborns Ex-Stürmer Sercan Güvenisik schaute genau hin, was sein Schützling auf dem Trainingsplatz so anstellte. - © W. Hiegemann
Zaungast: Paderborns Ex-Stürmer Sercan Güvenisik schaute genau hin, was sein Schützling auf dem Trainingsplatz so anstellte. | © W. Hiegemann

SC Paderborn Paderborns Ex-Torjäger ist jetzt Spielerberater

Sercan Güvenisik schoss den SCP vor zehn Jahren mit 17 Toren in die 2. Liga. Nun berät er Neuzugang Mohammed Kamara

Paderborn. Unter den rund 100 Trainingskiebitzen, die am Samstag beim Start des SC Paderborn in die Wintervorbereitung dabei waren, befand sich auch ein ehemaliger Stürmer des Fußball-Zweitligisten. Sercan Güvenisik harrte auf dem Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum im Nieselregen aus. Sein Interesse galt vor allem einem Neuzugang: Mohammed Kamara. Der SCP-Novize zählt zu Güvenisiks Klienten, denn der 38-jährige Ex-Profi ist inzwischen als Spielerberater tätig. „European Soccer Connection“ heißt die Agentur, die Sercan Güvensik gegründet hat und leitet. Und der ehemalige SCP-Stürmer, der in der Saison 2008/09 stolze 17 Treffer zum Paderborner Zweitliga-Aufstieg beigesteuert hatte, ist glücklich, dass Kamara zu seinem Portfolio zählt. „Mo ist einer der talentiertesten Spieler der USA“, urteilt Güvenisik über den aus Liberia stammenden 21-Jährigen. Der Spielerberater ist ein Kenner des US-Fußballs. Güvenisik spielte 2012 für die San José Earthquakes in der Major League Soccer, beendete dort seine Profi-Karriere und hat seit zwei Jahren einen Wohnsitz in Miami. „Ich pendel derzeit zwischen Deutschland und den USA“, erklärt der 38-Jährige. Der Tipp kam von Stefan Emmerling Mohammed Kamara hatte unterdessen vor vier Jahren seine Heimat Monrovia verlassen, um in den Vereinigten Staaten zu studieren. Dort kickte er zunächst fürs Tyler Junior College in Texas. Die Geschichte, wie Sercan Güvenisik auf Mohammed Kamara aufmerksam wurde, beweist, wie klein die Fußball-Welt doch ist. Denn am Tyler Junior College spielte auch ein gewisser John Emmerling. Dieser ist der Sohn von Paderborns Ex-Coach Stefan Emmerling. Letztgenannter ist wiederum ein ehemaliger Teamkollege und Kumpel von Sercan Güvenisik. „Und bei einem Besuch in Miami hat mir Stefan den Tipp gegeben, dass ich mir mal einen Stürmer vom College seines Sohnes anschauen solle“, berichtet „Güve“. Es sollte sich als glänzender Ratschlag erweisen, denn Kamara sorgte im College-Fußball für Furore. Am Tyler Junior College brach er diverse Torrekorde, ehe er nach Los Angeles an die renommierte University of California wechselte. Dort studierte der junge Liberianer Wirtschaftswissenschaften, um zugleich auf dem Fußballplatz zu brillieren. Vor der Major-League-Soccer-Saison 2019 wäre Kamara im Draft an Position eins gesetzt worden. „Doch Mo wollte jetzt unbedingt den Schritt nach Deutschland wagen“, erklärt Güvenisik. Auch der Spielerberater weiß aber nur allzu gut, dass der Sprung vom College-Fußball in Deutschlands 2. Bundesliga enorm groß ist. Das Wetter ist gewöhnungsbedürftig „Man muss ihm daher sicher die nötige Zeit geben, um hier erstmal anzukommen. Aber wenn wir nicht der Meinung wären, dass er das nötige Potenzial hat, dann wäre dieser Deal erst gar nicht zustande gekommen“, betont Güvenisik und nennt die Stärken seines Schützlings: „Mohammed ist ein sehr schneller Spieler, der vor dem Tor ziemlich cool ist. Er ist technisch sehr beschlagen und beidfüßig.“ Dass er einen explosiven Antritt hat, zeigte Kamara schon im ersten Training. Allerdings haperte es auf dem nassen Rasen noch an Standfestigkeit. „Das Wetter ist schon gewöhnungsbedürftig“, sagte der 21-Jährige nach seiner ersten SCP-Übungseinheit mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Schließlich kann das verregnete Paderborn zumindest im Winter nicht mit der Sonne Kaliforniens mithalten. Der erste Eindruck von seiner neuen Heimat ist dennoch positiv, wie Kamara beteuert. „Der Coach, die Spieler und der gesamte Mitarbeiter-Stab sind hier alle mit viel Leidenschaft am Werk. Ich wurde hier aufgenommen wie in einer Familie“, schwärmt der SCP-Novize. Und wenn es mit der Fußballer-Karriere an der Pader doch nicht wie gewünscht hinhauen sollte, könnte Mohammed Kamara vielleicht noch bei den Uni Baskets Paderborn sein Glück versuchen. Denn angeblich ist der 1,84 Meter große Modellathlet auch ein ziemlich begabter Pointguard.

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