Die Rückkehr eines Führungsspielers: Innenverteidiger Uwe Hünemeier möchte dem noch ziemlich jungen SCP-Team vor allem mit seiner großen Erfahrung helfen. - © picture alliance / Guido Kirchner
Die Rückkehr eines Führungsspielers: Innenverteidiger Uwe Hünemeier möchte dem noch ziemlich jungen SCP-Team vor allem mit seiner großen Erfahrung helfen. | © picture alliance / Guido Kirchner

SC Paderborn Rückkehrer Uwe Hünemeier: „Auf unsere Spielphilosophie habe ich großen Bock“

Frank Beineke

Paderborn. Der Abwehrspieler schwärmt vom Angriffsfußball beim SC Paderborn, der von ihm eine Umstellung erfordert. Denn sein letztes Team in England setzte auf die Devise „Safety first". Zudem urteilt der 32-Jährige über seine Rolle im Team, die Qualität des Kaders und die Vorzüge des Trainers Herr Hünemeier, nach drei Jahren in Brighton sind Sie zum SC Paderborn zurückgekehrt. Wie ist denn ihr Eindruck vom neuen SCP-Team? Uwe Hünemeier: Der ist durchweg positiv. Aber ich habe auch nichts anderes erwartet, denn ich habe den Werdegang der Mannschaft in England stets verfolgt. Das ist ein sehr junges Team, das genau weiß, was es will. Die Jungs sind hungrig, zielstrebig und brennen auf die neue Saison. Wie fällt ihr Urteil aus, wenn Sie die aktuelle Mannschaft mit dem Erstliga-Aufstiegsteam von 2014 vergleichen? HÜNEMEIER: Das Aufstiegsteam von damals hatte sicher mehr Erfahrung. Aus dem aktuellen Kader hat kaum jemand schon mal in der 2. Liga gespielt. Aber die Stimmung ist hervorragend. Das ist hier ein eingeschworener Haufen, der in der vergangenen Saison erlebt hat, was es ausmacht, wenn man zusammen harmoniert. Auch die Neuzugänge haben sich prima eingefügt. Nun muss die Mannschaft ihr Niveau aber auf ein noch höheres Level heben. Und wie würden Sie Cheftrainer Steffen Baumgart charakterisieren? Hünemeier: Als Mann, der sehr viel Wert auf Disziplin und Harmonie legt. Aber mit Disziplin hatte ich noch nie meine Probleme. Auf dem Trainingsplatz tanzt alles nach seiner Pfeife. Ich mag seine Herangehensweise. Der Trainer hat eine kontrollierende Hand, aber auch immer einen lockeren Spruch auf Lager. Er verlangt viel, gibt aber auch unheimlich viel zurück. Mussten Sie beim Wechsel zum SCP lange überlegen? Hünemeier: Nein, die Vertragsgespräche waren extrem kurz. Das hatte ich in dieser Form noch nicht erlebt. Aber ich weiß, was ich am SCP habe. Und die Verantwortlichen um Markus Krösche wissen, was Sie an mir haben. So kam es schnell zu einer Einigung. Was hat Sie zur Rückkehr nach Deutschland bewogen? Hünemeier: Im Laufe der vergangenen Saison sind immer mehr Überlegungen aufgekommen, was ich im nächsten Sommer mache. Ich hatte in Brighton wenige Einsätze. Ich wollte unbedingt wieder Spielpraxis sammeln. Dann passten beim SC Paderborn plötzlich alle Komponenten. Hier ist meine Heimat. Der Club ist mir ans Herz gewachsen. Und dann hat der SCP noch einen erfahrenen Spieler gesucht. Es ist ein großes Glück und nicht selbstverständlich, dass ich wieder in Paderborn spielen kann – und dann auch noch in der 2. Liga. Wie sehen Sie denn ihre Rolle im Team? Und was sind ihre persönlichen Ziele? Hünemeier: Mein persönliches Ziel ist natürlich, ab dem ersten Spieltag auch in der Startelf zu stehen und dort zu bleiben. Die Konkurrenz ist auch auf meiner Position stark. Aber ich weiß, was ich kann. Und ich möchte der jungen Mannschaft vor allem mit meiner Erfahrung helfen. Wie schwer beziehungsweise leicht fällt denn die Umstellung vom englischen auf den deutschen Fußball? Hünemeier: Sie ist nicht einfach, denn Brighton und der SCP setzen auf komplett verschiedene Spielsysteme. In Brighton haben wir gerade in der Premier League ziemlich defensiv agiert und kompakt gestanden. Oft ging es erst einmal darum, den Ball vom eigenen Tor wegzubekommen. Hier in Paderborn wird dagegen versucht, hoch zu stehen und möglichst früh zu attackieren. Wir wollen von hinten heraus kombinieren und einen attraktiven Angriffsfußball zu spielen. Auf exakt diese Spielphilosophie habe ich auch großen Bock. Wir werden Rückschläge erleiden. Aber allein die DFB-Pokalspiele der vergangenen Saison haben gezeigt, dass dieser Fußball auch eine Liga höher erfolgreich sein kann. Und wenn es Rückschläge gibt, will ich den Jungs mit meiner Erfahrung helfen. In England sammelten Sie nicht nur positive Erfahrungen. Zum einen gab es lange Verletzungspausen. Zum anderen wurde Ihnen in der Premier-League-Saison fast nur in den Pokalwettbewerben Spielpraxis gewährt. Fans und Verantwortlichen reagierten dennoch auf ihren Wechsel nach Paderborn, als habe sich ein langjähriger Leistungsträger verabschiedet. Haben Sie dafür eine Erklärung? Hünemeier: Wenn ich gespielt habe, habe ich immer abgeliefert. Gerade in der Endphase der Aufstiegssaison. Ich habe mich stets zum Verein bekannt, mich nie hängen lassen, den Teamgedanken gelebt und im Training Vollgas gegeben. Es ist schön, dass dies von den Fans so honoriert wird. Aber die Premier League ist halt keine Kirmes-Liga. Die Konkurrenz war riesengroß. Wir hatten zwei Stamm-Innenverteidiger, die fast nie verletzt waren und an denen ich nicht vorbeigekommen bin. Den Wechsel nach Brighton haben Sie dennoch nicht bereut? Hünemeier: Nein, niemals. Ich hatte dort eine sehr erfolgreiche Zeit und war ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Ich habe in einer tollen Stadt gelebt. Bei schönem Wetter fühlst du dich da wie im Urlaub. Mein Englisch ist natürlich viel besser geworden. Und ich habe die Chance erhalten, andere Herangehens- und Denkweisen mitzunehmen. Zudem habe ich ein wenig Kochen gelernt. Ist das englische Essen denn tatsächlich so schlecht? Hünemeier: Ich konnte mich nie beschweren. Im Gegenteil, im Trainingszentrum wurde uns immer ein Top-Frühstück und Mittagessen kredenzt. Überhaupt fehlte es uns da an gar nichts. Das ist ein unglaublicher Standard, der aber auch sehr viel Geld kostet. Aber das TNLZ in Paderborn ist ebenfalls extrem gut. Wenn ich da an alte Paderkampfbahn-Zeiten denke. Das ist ein Unterschied wie zwischen Himmel und Hölle. Gibt es etwas, was Sie aus Ihrer Zeit in England vermissen? Hünemeier: Na klar, insbesondere die guten Freunde, die ich dort gefunden habe. Es war eine schöne Zeit und man blickt schon mit etwas Wehmut zurück. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch in Brighton. Was haben Sie demgegenüber in England am meisten vermisst? Hünemeier: Vor allem meine beiden Kinder. Sie waren zwar oft in Brighton. Aber jetzt bin ich froh, dass ich wieder den normalen Alltag mit ihnen verbringen kann. Sie zur Schule bringen, aufräumen, zusammen essen. Halt ganz banale Dinge, die mir in Brighton unheimlich gefehlt haben. Ich bin auch daher glücklich, wieder in der Heimat zu sein. Und was ist in der Heimat nun sportlich drin? Hünemeier: Wir wollen erfolgreichen und attraktiven Fußball spielen. Zielsetzungen sind in dieser 2. Liga schwierig. Das hat die vergangene Saison gezeigt, in der es enorm eng zuging. Aber die Jungs sind gierig und lernwillig. Ich bin guter Dinge, dass wir eine gute Rolle spielen können.

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