Ein Quartett in Feierlaune: (v. l.) Rebekka Haase, Gina Lückenkemper, Lisa Marie Kwayie und Tatjana Pinto feiern auf der blauen Bahn des Berliner Olympiastadions ihren dritten Platz in der 4 x 100-Meter-Staffel. - © Getty Images
Ein Quartett in Feierlaune: (v. l.) Rebekka Haase, Gina Lückenkemper, Lisa Marie Kwayie und Tatjana Pinto feiern auf der blauen Bahn des Berliner Olympiastadions ihren dritten Platz in der 4 x 100-Meter-Staffel. | © Getty Images

Paderborn Tatjana Pinto sichert sich mit der Staffel die Bronzemedaille

Leichtathletik: Für Tatjana Pinto gehen in dieser Sommersaison bei weitem nicht alle Wünsche in Erfüllung. Doch bei den Europameisterschaften in Berlin gibt es immerhin ein Happy-End

Frank Beineke

Paderborn. Im Jahr 2018 schien für Tatjana Pinto enorm viel drin zu sein. Im Februar kletterte sie mit 7,06 Sekunden über 60 Meter auf Rang drei der Ewigen deutschen Bestenliste. Bereits Anfang Juni legte die 26-jährige Sprinterin vom LC Paderborn die 100 Meter ohne Windunterstützung in 11,11 Sekunden zurück. Zuvor hatte Pinto in 22,84 Sekunden bereits leicht und locker eine persönliche 200-Meter-Bestzeit erzielt. Ihr Trainer Thomas Prange hätte wohl viel Geld darauf gesetzt, dass seine Athletin in diesem Sommer erstmals bei regulären Windbedingungen die Elf-Sekunden-Marke unterbietet. Doch Verletzungsprobleme machten Pinto einen Strich durch die Rechnung. Die ganz großen Ziele wurden verfehlt. Immerhin gab es am Sonntagabend bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin ein kleines Happy-End: Tatjana Pinto sicherte sich mit der deutschen 4 x 100-Meter-Staffel die Bronzemedaille. Starke Vorstellung an Position drei Es war zugleich ihr letztes Rennen in diesem Jahr. Und es war ein gelungener Abschluss einer durchwachsenen Saison. "Ich habe den Lauf genossen. Im Stadion war es unglaublich laut und geil. Es hat sehr viel Spaß gemacht", bilanziert Paderborns Sportlerin des Jahres, die an Position drei eine starke Vorstellung gezeigt hatte. Am Ende stand hinter Großbritannien (41,88 Sekunden) und den Niederlanden (42,15) der dritte Platz zu Buche. Und die Bronze-Medaille wurde zusammen mit ihren Staffelkolleginnen Lisa Marie Kwayie, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase auch gebührend gefeiert. "Ich hatte zwar gehofft, dass die Mädels die Niederlande schlagen können. Aber es war eine wirklich starke Leistung", kommentiert LC-Trainer Thomas Prange ein extrem schnelles Staffelrennen, in dem selbst die viertplatzierten Schweizerinnen (42,30 Sekunden) eine Weltklasse-Zeit erzielten. Somit hätte das deutsche Quartett wie schon bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio und der WM 2017 in London auch schnell auf dem vierten Rang landen können. "Insofern kann man nur sagen: Alles gut", betont Prange und ist doch ein wenig traurig, dass Tatjana Pinto in diesem Sommer nicht ihr wahres Können zeigen konnte. Hauptgrund waren die Probleme am Sitzbeinhöcker, die sich auch bei der EM bemerkbar machten. So musste Pinto vor ihrem Staffel-Einsatz sogar Schmerzmittel schlucken. "Eine Zehntelsekunde ist zwar immer drin. Und die wäre auch im Einzelrennen drin gewesen. Aber letztlich war nicht viel mehr machbar", bedauert der Paderborner Erfolgscoach und fügt an: "Natürlich hatten wir uns vor der Saison mehr erhofft. Doch es muss auch alles passen, damit diese Hoffnungen in Erfüllung gehen." Saison vorzeitig beendet Nun aber ist die Saison der Paderborner Vorzeigesprinterin vorzeitig beendet. Pinto verzichtet auch aufs ISTAF in Berlin. "Alles andere macht keinen Sinn", sagt Prange. Entscheidend sei, die Probleme mit dem Sitzbeinhöcker in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig sollen die Planungen für die Saison 2019 vorangetrieben werden, die einen ziemlich späten Saisonhöhepunkt zu bieten haben. Die Weltmeisterschaften in Katar steigen nämlich vom 28. September bis 6. Oktober. Nicht nur deshalb könnten im Training neue Wege eingeschlagen werden. Denkbar wäre laut Prange beispielsweise ein längerer Aufenthalt auf Jamaika, wo Pinto in diesem Frühjahr lediglich zwei Wochen lang trainiert hatte. Denn trotz all der Erfolge, die die 26-Jährige auch 2018 gefeiert hat, gibt es noch viel Luft nach oben. "Tatjana hat für mich immer noch das größte Potenzial", urteilt Thomas Prange und hofft, dass es 2019 endlich abgerufen werden kann.

realisiert durch evolver group