Aufgabe erfüllt: Dortmunds aus Rödinghausen stammender Rechtsverteidiger Pascal Stenzel (r.) konzentrierte sich gegen den SV Rödinghausen ganz auf die Defensivarbeit. Hier lässt er Stefan Langemann nicht an den Ball kommen. - © Tim Osing
Aufgabe erfüllt: Dortmunds aus Rödinghausen stammender Rechtsverteidiger Pascal Stenzel (r.) konzentrierte sich gegen den SV Rödinghausen ganz auf die Defensivarbeit. Hier lässt er Stefan Langemann nicht an den Ball kommen. | © Tim Osing

Dortmund Wiedersehen mit einem Grenzgänger

Fußball-Regionalliga: Beim Spiel des SV Rödinghausen bei Borussia Dortmund II steht ein gebürtiger Rödinghausener auf dem Platz. Allerdings nicht im grünen Trikot

Dortmund. Wenn Rödinghausens Trainer Mario Ermisch über Unterschiede zwischen den Fußball-Regionalligisten spricht, kommt er schnell zum Thema "Profis" und "Halb-Profis". RW Essen oder Alemannia Aachen zum Beispiel sind die Profi-Teams, deren Spieler in der Regel keiner weiteren beruflichen Tätigkeit nachgehen und sich in der Woche voll auf den Fußball konzentrieren können. Beim SV Rödinghausen sind die Kicker dagegen nur Halb-Profis, Fußball ist der Nebenjob zum Studium oder einer anderen Arbeit. Ermisch nutzt dies gerne einmal als Einstufung seines Teams, das unter kleineren Bedingungen so viel rausholt.

Es ist in dieser vierten Liga nicht immer ganz klar, wo nun die Grenze zum Profitum verläuft und wie professionell eine Mannschaft aufgestellt ist. Am vergangenen Samstag aber war die Grenze zwischen Amateuren und Profis deutlich zu erkennen. Hinter der Osttribüne des "Signal Iduna Parks", wie das Dortmunder Stadion seit 2005 heißt, kommen die Mannschaftsbusse an und fahren wieder ab, von dort gelangen die Journalisten zu ihren Plätzen und die Spieler in die Kabine. Dort, wo Moritz Leitner nach dem Schlusspfiff mit seiner weißen Mercedes-Limousine davon brauste, war die Schnittstelle zwischen Profis und Amateuren zu erkennen. In die eine Richtung ging es zum Stadioninneren des über 80.000 Plätze fassenden Signal Iduna Parks. In die andere Richtung ging es zum Viertligaspiel. Ins Stadion "Rote Erde", in dem Borussia Dortmund II seine Heimspiele austrägt.

Wenn manche Traditionsmannschaften Profis sind und andere kleinere Klubs wie Rödinghausen Halb-Profis, wie sind dann die zweiten Mannschaften der Bundesligisten einzuordnen? Einige haben Profi-Verträge, haben vielleicht sogar Bundesliga- oder Zweitligaerfahrung. Andere kommen gerade aus der A-Jugend und sind auf dem Sprung, quasi "Fast-Profis".

Während der ehemalige U-21-Nationalspieler Leitner abfuhr, trotteten die Rödinghausener enttäuscht Richtung Mannschaftsbus. "Wenn wir hier einen Punkt geholt hätten, hätte niemand gemeckert", meinte SVR-Kapitän Sören Siek nach der 0:2-Niederlage. Anschließend lobte er einen der Fast-Profis: Pascal Stenzel. "Man hat schon gemerkt, dass er da hinten rechts ab und an mit den Profis spielt".

"Er da hinten rechts" gehört seit dieser Saison zum festen Stamm der "kleinen" Borussen, trainiert aber unter der Woche mit dem Bundesliga-Team von Coach Thomas Tuchel und stand bereits in der Bundesliga und in der Europa League im Kader. "Es ist natürlich immer wieder ein Highlight, in die großen Stadien zu kommen", genießt Stenzel seine Gastspiele bei den Profis.

Aber auch den Auftritt gegen den SVR dürfte Stenzel genossen haben. Defensiv lieferte er ein ordentliches Spiel, offensiv blieb er wie der Rest der Mannschaft harmlos. "Das war aber heute auch gar nicht meine Aufgabe", so Stenzel. An der Seitenlinie geriet er mit Rödinghausens Trainer Mario Ermisch ins unfreiwillige Gespräch. "Er hat mich gefragt, ob ich auch ohne Foul spielen könne", meinte Stenzel hinterher. "Er ist nur mit Fouls aufgefallen, anders konnte er Marius Bülter gar nicht stoppen", so Ermisch nach der Pressekonferenz. Und Ermisch hatte nicht ganz unrecht, ein ums andere Mal wurde Stenzel vom Schiedsrichter Kevin Domnick zurückgepfiffen.

Dass sich Ermisch aber überhaupt so für den BVB-Rechtsverteidiger interessierte, lag auch an dessen persönlicher Geschichte: Stenzel war der einzige gebürtige Rödinghausener auf dem Platz. Bis zur U 10 kickte er für die JSG Rödinghausen/Bruchmühlen, über die Stationen Arminia Bielefeld und VfL Osnabrück kam er zur Borussia. Für Rödinghausens Spieler und Trainer war der 19-Jährige also kein Unbekannter. Seine Bielefelder Zeit sorgte zudem dafür, dass Stenzel nicht mit seinem eigenen Trikot in die Kabine lief, er hatte es gegen Jan Schönwälders Torwarttrikot getauscht. "Wir kennen uns noch von früher und schreiben ab und zu", meinte Stenzel, der seinen Vertrag bei den Gelb-Schwarzen gerade erst bis 2019 verlängert hat.

Schönwälder, der fünf Jahre älter ist als Stenzel, war kurz darauf mit dem schwarz-gelben Jersey schon wieder aus der Kabine gekommen und lehnte in der hinteren Bustür. "Während meines Torwarttrainings bei Arminia Bielefeld haben die Kleinen immer auf dem Platz daneben gespielt, er ist ein guter Junge. Vielleicht sehen wir ihn ja mal da vorne", nickte "Schöni" zum Rasen des Signal Iduna Parks herüber. Zur anderen Seite der Profi-Grenze.

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