Gütersloh

Der "Ich-bin-zufrieden"-Sieger

Leichtathletik: Murat Bozduman von der LG Burg Wiedenbrück war beim Gütersloher Pfingstlauf als Erster im 10-Kilometer-Ziel. Und wie immer sagte er diesen ersten Satz

Wolfgang Temme
11.06.2019 | 11.06.2019, 07:00
Spaßläufer: Schon auf den ersten Metern sah man Murat Bozduman (Nr. 82) an, dass er zehn Kilometer später mit guter Laune ins Ziel des Pfingstlaufes kommen würde. Der Gütersloher Georg Eckert (Nr. 187) scheint sich schon auf den 2. Platz zu konzentrieren. - © Henrik Martinschledde
Spaßläufer: Schon auf den ersten Metern sah man Murat Bozduman (Nr. 82) an, dass er zehn Kilometer später mit guter Laune ins Ziel des Pfingstlaufes kommen würde. Der Gütersloher Georg Eckert (Nr. 187) scheint sich schon auf den 2. Platz zu konzentrieren. | © Henrik Martinschledde

Gütersloh. Murat Bozduman hat schon viele Volksläufe gewonnen, vielleicht mehr als jeder andere im Kreis Gütersloh. Gezählt hat der Vielstarter von der LG Burg Wiedenbrück seine Siege nicht. Er weiß nur: "Ich habe zu Hause mehr als hundert Pokale stehen."

Gestern kam ein weiterer hinzu. Der 35-Jährige triumphierte beim 51. Gütersloher Pfingstlauf - sein sechster Sieg bei dieser Veranstaltung. Und nachdem er die 10 Kilometer in 37:14 Minuten und wie immer in einer kurzen, schwarzen Tight absolviert hatte, ließ auch sein zweites Markenzeichen nicht lange auf sich warten: "Ich bin zufrieden", sagt Bozduman stets als ersten Satz im Ziel-Interview. Der durchweg freundliche junge Mann sagt diese drei Worte sogar unabhängig von seiner Zeit und der Platzierung. Im Vorjahr sagte er sie als Gewinner nach 35:39 Minuten, und am Pfingstsamstag sagte er sie beim

Citylauf in Oelde, bei dem er mit 35:34 Minuten Zehnter geworden war. Und er sagte sie auch vor Jahren, nachdem er in 33:23 Minuten sein bisher schnellstes 10-Kilometer-Rennen bestritten hatte.

»Wichtig ist, dass es Spaß macht«

Zur gestrigen Zufriedenheit trug bei, dass die sonnige Schwüle auf die Zeiten drückte. "Ich habe schon vor dem Start gemerkt, dass es heute nicht so schnell wird", erklärte Bozduman. Er bestritt das ganze Rennen quasi im Alleingang und konzentrierte sich darauf, den Sieg relativ locker nach Hause zu laufen. "Die Zeit ist okay", urteilte er, wohlwissend, dass es die langsamste Siegerzeit seit dem Umzug des Pfingstlaufs von Friedrichsdorf ins Sportzentrum Ost im Jahr 2002 war. Obwohl er ein äußerst bescheidener Mensch ist ("Das muss aber nicht alles in die Zeitung"), lässt sich Murat Bozduman die Leistung nicht schlechtreden: "Die Zeit, die ich gelaufen bin, laufen viele Menschen niemals." Stimmt.

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51. Gütersloher Pfingstlauf-Meeting

Um das zu schaffen trainiert er fünf Mal pro Woche. Der frühere Fußballer und Kampfsportler, der 1983 in Rheda-Wiedenbrück als ältester von drei Söhnen türkischer Eltern geboren wurde, kommt dabei auf 70 bis 80 Kilometer. Viel mehr ist nicht drin, denn als Lagerist muss er auch körperlich hart arbeiten: "Das ist mit dem Training oft nur schwer zu vereinbaren, aber Arbeit geht vor." Und obwohl er das Laufen als Hobby sieht ("Wichtig ist, dass es Spaß macht") hat Bozduman natürlich Ehrgeiz. Und er spürt "ein stolzes Gefühl, wenn man gewinnt." Bei seinem nächsten Lauf muss er darauf wahrscheinlich verzichten, denn am Samstag bei der Nacht von Borgholzhausen wird die Konkurrenz stärker sein als in Gütersloh. Aber auch dort wird Murat Bozduman im Ziel sagen: "Ich bin zufrieden."

Nicola Sommerfeld ist von ihrem Sieg überrascht

Hinter Murat Bozduman sicherten sich zwei weitere heimische Läufer die nächsten Treppchenplätze im „Zehner". Georg Eckert von der DJK Gütersloh beendete das Rennen nach einem fulminanten Endspurt auf der Rundbahn im Sportzentrum Ost mit einem Jubelsprung über die Ziellinie. Mit seiner Zeit von 37:44 Minuten war der 32-jährige Spexarder auch deswegen zufrieden, weil er tags zuvor noch einen 30 Kilometer langen Trainingslauf absolviert hatte. Auch Eckerts Restprogramm am Pfingstmontag hatte es in sich: „Gleich noch zehn Kilometer auslaufen, dann etwas essen und ein kleines Nickerchen – und dann ’ne Runde Rennrad fahren."

Gregor Glomm (LG Burg Wiedenbrück) folgte als M45-Sieger mit 38:15 Minuten auf dem dritten Platz. Nach seiner Rückkehr nach Gütersloh feierte der ehemalige Sieger Thomas Himpel (DJK) als Sechster in 39:46 Minuten sein Pfingstlauf-Comeback. Rang sieben ging an den vereinslosen Gütersloher Detlef Clever, der mit 40:03 Minuten die Altersklasse M50 gewann.

Schnellste Frau war Nicola Sommerfeld. Die 48-Jährige von der „Sternchentruppe" von Laufspaß Sende war nach 44:14 Minuten von ihrem Sieg überrascht: „Ich wusste überhaupt nicht, an welcher Stelle ich lag." Sommerfeld, die in Schloß Holte wohnt, aber bei der Stadt Gütersloh arbeitet, war das Rennen wegen der sommerlichen Temperaturen vorsichtig angegangen. An der Versorgungsstation nach fünf Kilometer hatte sie sogar im Stehen getrunken („Sonst verschlucke ich mich") und auch dadurch neue Kraft getankt. Trotzdem kam sie recht nahe an ihre persönliche Bestzeit von 43:16 Minuten heran.