Kinder wie die Zeit vergeht: Steffi Böhnisch und Axel Berg in der Sandgrube der Seidensticker-Halle. So mancher Sportler wurde hier wieder fit gemacht, als die beiden Physiotherapeuten in der Praxis im Keller der Arena tätig waren. - © Andreas Zobe
Kinder wie die Zeit vergeht: Steffi Böhnisch und Axel Berg in der Sandgrube der Seidensticker-Halle. So mancher Sportler wurde hier wieder fit gemacht, als die beiden Physiotherapeuten in der Praxis im Keller der Arena tätig waren. | © Andreas Zobe

Bielefeld Steffi Böhnisch und Axel Berg sind Bielefelds wohl bekannteste Handball-Physios

Handball-Umschau: Einst waren sie gemeinsam in den Katakomben der Seidensticker Halle tätig

Gregor Winkler

Bielefeld. Dieser Keller ist legendär. Dreieinhalb fensterlose Räume in den Katakomben der Seidensticker-Halle schrieben 17 Jahre lang Bielefelder Sportgeschichte. Und die, die dort arbeiteten ebenfalls. Das geflügelte Wort lautete: "Ich gehe zu Axel." Axel Berg war Pächter der Physiotherapie. Und seine bewährteste Mitarbeiterin: Steffi Böhnisch. »Hier saßen Weltmeister neben Kreisligaspielern« "Hier saßen Weltmeister neben Kreisligaspielern", erinnert sich Berg. Da werden sich ein paar nette Geschichten abgespielt haben. Ein paar davon? Böhnisch und Berg haben Stoff für ein ganzes Buch. Fünf Jahre lang war Steffi Böhnisch dienstlich an der Seite des Mannes, den alle nur "den Druiden" nennen - ein Spitzname, der dem 53-Jährigen überhaupt nicht gefällt: "Den haben mir die Jöllenbecker um Thorsten Winter mal verpasst. Wahrscheinlich weil es hier immer so nach den Räucherstäbchen roch." "Dafür war ich ?die Hexe?" erinnert sich Böhnisch. Auch nicht schmeichelhaft. Dabei taten die beiden ihren Kunden nur Gutes und das ganz ohne Zauberei: Ob verspannter Rücken oder die Kreuzband-Reha - im Keller waren Sportler aus ganz OWL in den besten Händen. Berg begann im Jahr 1993. Er kündigte seinen Job im Krankenhaus und zog in die Räume der damals noch nagelneuen Arena an der Werner-Bock-Straße. "Im Mai habe ich angefangen, aber den Pachtvertrag bekam ich erst im September", erinnert er sich. Mutig! Etwas weniger Mumm brauchte Böhnisch zwei Jahre später, als sie den damals schon stadtbekannten Berg auf einer NW-Sportlerparty nach einem dreimonatigen Praktikum fragte. Die Zusage kam prompt Steffi blieb nach Ende ihrer Ausbildung für fünf Jahre. Vor allem Handballer saßen auf den Bänken der Physio-Praxis, aber die Physios saßen auch auf den Bänken der Handballer. Dabei kommt Berg auf gar nicht so viele Einsätze, wie man meint. 42 Mal betreute er die TSG Altenhagen-Heepen. Vor seinem diesjährigen Gastspiel zuletzt im Jahr 1994. "Ich kam mit Vitomir Arsenijevic nicht klar", gibt Berg zu. Der Coach ließ entgegen Bergs Rat einen Spieler weiter trainieren. Erst als dieser sich daraufhin richtig verletzt hatte, durfte Berg ran. Auch Böhnisch, die den Großteil ihrer Dienstjahre beim TuS 97 verbracht hat, war drei Jahre auf der TSG-Bank im Einsatz. Als sie nach Augustdorf wechseln wollte, bekniete man sie, zu bleiben, um sie nur vier Wochen später zu entlassen. Das nahm sie zurecht übel, sprach 18 Jahre lang kein Wort mit Martin Räber und verließ auch ihren Arbeitsplatz. Im Jahr 2000 machte sie sich selbstständig. Irgendwann im Jahr 1998 müssen Böhnisch und Berg sogar mal gemeinsam das TSG-Team betreut haben, denn als der Klub im Februar Wolfgang Herz verpflichtete, sprang Berg seinem alten Freund noch einmal für zwei Monate zur Seite. "Jetzt versteh ich auch, warum du seit den 90er-Jahren auf jedem Mannschaftsfoto mit drauf bist", lästert Böhnisch. "Ich war eben immer in der Halle präsent", entgegnet Berg grinsend. Apropos Wolfgang Herz: Auf dessen Geburtstagsfeier treffen sich die "Kellerkinder" von einst in jedem Jahr wieder. Steffi Böhnisch, die vor dem TuS 97 und der TSG auch Fußballteams in Halle und Bielefeld betreute, will nach 25 Jahren das Tape an den Nagel hängen. Die eigene Praxis der 44-Jährigen läuft längst gut. "Aber ich wusste am Anfang immer, dass ich zu Axel zurückkommen konnte", sagt sie. Dabei hatte sie nie einen Arbeitsvertrag bei Berg. "Echt nicht? Na ja, Vertrag kommt ja auch von vertragen. Und das haben wir uns immer", sagt Berg. Ihr Keller war legendär, und Steffi Böhnisch und Axel Berg sind es mit ihren zahlreichen Geschichten in der Bielefelder Sportszene irgendwie auch.

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