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 Italiens Jorginho (l) und Italiens Leonardo Bonucci feiern nach dem Spiel mit dem Pokal. - © picture alliance/dpa
 Italiens Jorginho (l) und Italiens Leonardo Bonucci feiern nach dem Spiel mit dem Pokal. | © picture alliance/dpa
EM-Finale

"Unerträgliche Schmerzen": England trauert nach Elfmeterschießen

Die englischen Jahre des Fußball-Leidens gehen weiter. Die Auswahl von Gareth Southgate verliert das EM-Finale gegen Italien im Elfmeterschießen.

12.07.2021 | Stand 12.07.2021, 06:00 Uhr |

London (dpa). Gareth Southgate ging sofort zum untröstlichen Bukayo Saka. Der 19-Jährige kämpfte nach seinem entscheidenden Fehlschuss im Elfmeter-Drama von Wembley im Arm seines Trainers lange mit den Tränen. „Natürlich ist es herzzerreißend für die Spieler", sagte Southgate spät am Abend, nachdem der englische Traum vom ersten großen Fußball-Titel seit 55 Jahren durch das 2:3 im Elfmeterschießen gegen Italien auf bitterste Art und Weise geendet war. „Es ist nicht ihre Schuld", betonte Southgate.

Saka vergab als letzter Schütze, vor ihm der Noch-Dortmunder Jadon Sancho (21) und Marcus Rashford (23), die beide allein für das Elfmeterschießen eingewechselt worden waren. Alle drei waren nach der Entscheidung kaum aufzurichten. „Niemand ist auf sich alleine gestellt. Wir gewinnen und verlieren als Team", sagte Southgate, der die Schuld auf sich nahm: „Das ist meine Entscheidung, nicht die der Spieler. Wir haben die besten Schützen ausgewählt, die auf dem Feld standen." Er, sagte der 50-Jährige, sei der, dem die Schuld zu geben sei.

In Deutschland kam die Wahl der Schützen nicht gut an. „Die Auswahl war nicht besonders glücklich von Southgate. Mich stört so ein bisschen die Balance zwischen Erfahrung und Jugendlichkeit", sagte Ex-Nationalspieler Michael Ballack bei Magenta TV. Nach Kapitän Harry Kane (27) und Abwehrchef Harry Maguire (28), die beide trafen, hatten drei der jüngsten Engländer ihre Versuche vergeben. „Sehr fahrlässig" fand Rio-Weltmeister Per Mertesacker die Auswahl im ZDF.

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In der Kabine war es still, berichtete Southgate. Der britische Prinz William, der zuvor auf der Ehrentribüne seinen Sohn George getröstet hatte, kam kurz zu den Spielern. „Er hat ihnen gedankt für ihren Einsatz", sagte Southgate und ergänzte zur Stimmung: „Sie können sich vorstellen, wie es dort aussieht."

"Nicht schon wieder!"

Die englischen Zeitungen schwankten spät am Sonntagabend zwischen riesiger Enttäuschung und Stolz. „Unerträgliche Schmerzen - die heldenhaften Three Lions verlieren im Elfmeterschießen", schrieb der Mirror. „Nicht schon wieder! Ein mutiges England verliert im herzzerreißenden EM-Finale im Elfmeterschießen gegen Italien", meinte der „Daily Star".

Im Wembley-Stadion weinten viele Fans. Zugleich bestand die Befürchtung, dass einige Anhänger ihre Wut in der Stadt oder auf dem Heimweg explodieren lassen. Schon vor dem Anpfiff hatte es in London und unmittelbar am Stadion mehrere hässliche Szenen gegeben.

Zu Southgate und den Spielern drang das zunächst nicht vor. „Wir wollten ihnen noch eine Nacht schenken und die größte Party aller Zeiten", sagte Southgate, der während des Turniers in England zum Helden geworden war. Vor 25 Jahren, im EM-Halbfinale ebenfalls in Wembley gegen Deutschland, war er es gewesen, der den entscheidenden Elfmeter vergeben hatte.

"Geschichte geschrieben"

Mit Saka konnte er deshalb wohl ganz besonderes fühlen. „Er ist ein super Junge", sagte Southgate über den 19-Jährigen. „Er hat ein unglaubliches Turnier gespielt, er wird ein Star werden. Wir müssen da sein, um ihn zu unterstützen und ihm zu helfen. Aber ich bin sicher, er wird auch von außen eine Menge Liebe bekommen."

Der Ex-Profi betonte, wie stolz er auf seine Spieler sei. „Sie haben Geschichte geschrieben, mehrere Male im Turnier", sagte Southgate. „Sie haben alles gegeben, was sie konnten. Nicht nur heute Nacht, sondern das gesamte Turnier. Sie sollten ihren Kopf oben halten. Sie haben dem Land unglaubliche Momente beschert."

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