Bielefeld Vesper: Arminia für Bielefeld fast so wichtig wie der Dom für Köln

INTERVIEW: Ex-Minister warb bei seiner Partei für einen städtischen Kredit

Vesper wirbt

für Arminia - © ARMINIA 2
Vesper wirbt
für Arminia | © ARMINIA 2

Bielefeld. Er ist einer der bekanntesten Bielefelder: Michael Vesper, ehemaliger NRW-Vize-Ministerpräsident und Bauminister, jetzt Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, großer Arminia-Fan und Mitglied der Grünen. Mittwochabend diskutierte er mit seinen Parteifreunden über die Frage: Städtische Hilfe für Arminia: Ja oder Nein? Seine Antwort ist eindeutig. Redakteur Ansgar Mönter sprach mit Michael Vesper, der extra aus Frankfurt anreiste, um seine Parteifreunde von seiner Sicht zu überzeugen.

Herr Vesper, warum werben Sie bei Ihrer Partei für einen städtischen Kredit für Arminia?
MICHAEL VESPER: Arminia ist eines der wichtigsten Markenzeichen Bielefelds und Ostwestfalens, ein positiver Faktor, mit dem sich viele identifizieren. Arminia ist für Bielefeld fast so wichtig wie der Dom für Köln.

Ist das nicht zu viel der Ehre?
VESPER: Ich bin, beruflich bedingt, viel unterwegs. Überall kennt man Bielefeld, dessen Existenz von manchen ja bezweifelt wird, vor allem wegen Arminia.

Michael Vesper. - © FOTO: RICHARD ROSICKA
Michael Vesper. | © FOTO: RICHARD ROSICKA

Die Situation ist äußerst schwierig: Städtisches Geld für einen Fußballverein zu einer Zeit, in der viele andere kommunale Leistungen gekürzt werden müssen.
VESPER: Es wäre ein Missverständnis zu glauben, dass ein Lizenzentzug oder gar die Insolvenz von Arminia für die Stadt kostenlos wäre. Wenn der Verein jetzt pleite geht, ist das für Stadt und Region auch finanziell ein Riesenverlust. Bei einem Kredit zu marktüblichen Konditionen besteht immerhin die Möglichkeit zu profitieren: Das Geld wird zurückgezahlt und all’ die positiven Effekte durch Arminia bleiben bestehen.

Dazu muss die Existenz längerfristig gesichert sein. Auch sportlich darf es nicht abwärts gehen. Viele zweifeln daran.
VESPER: Nach dem, was geschehen ist, ist das sogar verständlich. In der Vergangenheit sind große Fehler gemacht worden, das ist unbestritten. Aber jetzt hat der Verein neue Strukturen geschaffen, und die Wirtschaft ist erkennbar mit im Boot - auch wenn ich da noch Luft nach oben sehe. Es hilft nichts: Wir müssen nach vorn schauen und die Voraussetzungen für den Erfolg schaffen.

Sie sind also sowohl finanziell also auch sportlich zuversichtlich?
VESPER: Die neue Führung verdient Vertrauen. Sie muss den Verein neu aufstellen. Ganz wichtig für mich ist die Jugendarbeit, damit mehr Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in den Profikader integriert werden können. Das schafft einerseits eine starke Identifikation und macht andererseits weniger abhängig vom Transfermarkt.

Schön und gut. Aber das Sparprogramm ist ein schwerwiegendes Argument gegen einen Kredit.
VESPER: Nüchtern betrachtet hat das eine mit dem anderen wenig zu tun. Arminia ist nicht nur ein Fußballverein, sondern auch Wirtschaftskraft und Arbeitgeber und leistet darüber hinaus, etwa mit dem Arminis-Projekt, auch soziale Arbeit. Nichts bringt ganz unterschiedliche Menschen in Bielefeld und OWL so zusammen wie der DSC. Arminia ist in Bielefeld wichtiges Gesprächsthema noch vor dem Wetter. In guten Zeiten ist sie eine Klammer, die Studenten mit Arbeitern und Angestellten und Managern vereint. Wir sollten nicht so borniert sein, die Leidenschaft so vieler Menschen zu ignorieren.

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