Schwick tritt ab und kommt zurück

Arminia-Mitglieder finden keinen neuen Präsidenten - und wählen den alten

Bielefeld (red). Am Montagmorgen hatte er sein Büro in der Geschäftsstelle geräumt, am Dienstag kann er es wieder einrichten: Nach einer äußerst turbulenten Jahreshauptversammlung bleibt Hans-Hermann Schwick Präsident von Arminia Bielefeld. Er will jetzt Gespräche mit der Wirtschaft aufnehmen und schnellstmöglich dafür sorgen, dass der Vertrag mit einem Trainer für die Zweitligamannschaft unter Dach und Fach gebracht wird. Wie es genau zu seinem Comeback an der Klubspitze gekommen war, wusste der 61-Jährige am Ende der Versammlung um 1.26 Uhr auch nicht so genau. Obwohl vieles noch im Dunkeln bleibt, ist die Chronologie des Abends reif für Hollywood. Dirk Obermann, Präsidentschafts-Kandidat der Oppositionsgruppe "Kritische Arminen" hat die erste Überraschung parat, als er ans Rednerpult tritt: Man habe sich auf einen Kompromiss mit der Gruppe um den anderen Kandidaten Klaus Daudel geeinigt, lässt er die verdutzten Mitglieder - ziemlich zerknirscht - wissen. Obermann ist zu diesem Zeitpunkt als Präsident raus, Daudel der neue Chef und das Vorstands-Team gemischt aus beiden Lagern.Obermann: "Halte mich für den besseren Präsidenten" In der Aussprache nach der Vorstellungsrunde der Kandidaten wird aber bald deutlich, dass sich viele Mitglieder mit dem plötzlich gefundenen Konsens-Team überrumpelt fühlen. Sie hatten sich auf eine Entscheidung zwischen Obermann und Daudel eingestellt. Daudel bekommt bei seinem Auftritt immer wieder "Buh"-Rufe zu hören, er wirkte fade auf die Mitglieder. So gibt es im Saal Oberwasser für Obermann. Er erkennt die Situation und stellt schließlich unter lautem Jubel fest, dass er "seine Kandidatur noch nicht zurückgezogen" habe und sagt sogar: "Ich halte mich für den besseren Präsidenten". Kurz danach genehmigt Versammlungsleiter Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes und Arminia-Mitglied, allen rund 2.300 Mitgliedern eine 30-minütige Pause. Danach ist wieder alles auf den Kopf gestellt. Am Ende der Auszeit verkündet Vesper das Konsens-Team II: Daudel tritt nicht mehr an, Obermann auch nicht, dafür soll Hans-Hermann Schwick für zwei Jahre übernehmen."Für diesen Pöbel trete ich nicht mehr an" Auch der eigentlich zurückgetretene Andreas Mamerow rückt für die Finanzen wieder in den Vorstand. Neuer Vize soll weiter Frank Kottmann, Vorstandsmitglied eines IT-Unternehmens, werden. Komplettiert wird das Überraschungs-Team des Abends durch Jochen Willmann, wie Kottmann von den kritischen Arminen, und Albrecht Lämmchen, der sich seit 2002 im Vorstand um die Belange der Abteilungen kümmert. Schüco-Sprecher Thomas Lauritzen und Steuerberater Norbert Leopoldseder stehen nicht mehr zur Wahl. Daudel verlässt den Saal und schimpfte genervt gegenüber Radio Bielefeld: "Für diesen Pöbel trete ich nicht mehr an. Das tue ich mir nicht an." Dann wird es noch einmal hitzig, als die Versammlung mit knapper Mehrheit entscheidet, über den neuen Vorstand im Block und nicht einzeln abzustimmen. Einige Zeit später liegt das knappe Wahlergebnis vor: 904:865 Stimmen für Schwicks neues Team. Das Resultat ist Ausdruck einer gespaltenen Mitgliederschaft. Obermann hat wohl - so lassen sich zumindest Aussagen von Frank Kottmann gegenüber nw-news.de deuten - aus der Wirtschaft eindeutige Signale empfangen, dass der Klub unter seiner Präsidentschaft nicht die gleiche finanzielle Unterstützung erfahren würde, wie unter einem anderen Boss.Für's Kuriositäten-Kabinett Nach der Wahl hallen schnell Pfiffe von enttäuschten Mitgliedern, die sich einen deutlicheren Neuanfang gewünscht hätten, durch die Halle. Und doch schreitet der Hans-Hermann Schwick entschlossen zum Podium: er beschwört die Einheit des Klubs und sagt deutlich, dass er die Wahl annimmt. Damit ist der Abend zu Ende, die Handlungsfähigkeit des Vorstands gesichert und die Arminia-Geschichte um eine Kuriosität reicher: jetzt hat der Klub einen zurückgetretenen Präsidenten, der sein eigener Nachfolger wurde.

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