Fehlentscheidung: Schiedsrichter Sascha Stegemann zeigt Julian Börner die Rote Karte. Zu Unrecht, weil Christian Beck (Nr. 11) zuvor im Abseits stand. - © Wolfgang Rudolf
Fehlentscheidung: Schiedsrichter Sascha Stegemann zeigt Julian Börner die Rote Karte. Zu Unrecht, weil Christian Beck (Nr. 11) zuvor im Abseits stand. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Arminia - Magdeburg: Viel zu viele Fehler - nicht nur vom Schiedsrichter

Bielefeld. Uwe Neuhaus ist 59 Jahre alt, er hat als Spieler und Trainer eine Menge erlebt. Auch schon mal eine Schiedsrichterleistung wie die am Sonntag? Auf diese Frage mochte der erfahrene Fußball-Lehrer nach der 1:3-Niederlage von Arminia Bielefeld gegen den 1. FC Magdeburg lieber nicht konkret antworten. „Ich kann ja nicht so sprechen, wie ich denke", sagte Neuhaus – und ordnete die Vorstellung von Sascha Stegemann und seinen Assistenten Steffen Brütting und Johannes Huber damit ausreichend deutlich ein. Gleich zwei der drei gegnerischen Treffer gingen Fehlentscheidungen der Unparteiischen voraus. Bevor DSC-Kapitän Julian Börner Magdeburgs Felix Lohkemper regelwidrig bremste, standen der FCM-Angreifer und Passgeber Christian Beck im Abseits. Stegemann hätte weder Börner die Rote Karte zeigen noch auf Freistoß entscheiden dürfen. Mit derlei Fragen beschäftigte sich Timo Perthel nicht. Er verwandelte stattdessen in der 33. Minute den ruhenden Ball, indem er Stefan Ortega mit einem 18-Meter-Schuss ins Torwarteck verlud. "Ein ganz bitteres Los" „Ein ganz bitteres Los, das wir da verarbeiten mussten", kommentierte Neuhaus die Szene, der auch sein Magdeburger Kollege Michael Oenning „richtunggebenden" Charakter für den weiteren Verlauf der Begegnung zuschrieb. Neuhaus reagierte, indem er Innenverteidiger Stephan Salger auf die Börner-Position beorderte und für ihn Mittelfeldspieler Patrick Weihrauch vom Feld nahm. Die Hoffnung, mit hohen, weiten Bällen auf den nun auf sich allein gestellten Fabian Klos und schnellem Nachrücken zum Erfolg zu kommen, erhielt durch das zweite Gegentor unmittelbar vor der Pause einen Dämpfer. Gegen zu hoch verteidigende Bielefelder schickte Jan Kirchhoff seinen Kollegen Lohkemper los, der den Konter frei vor Ortega zum 2:0 abschloss – der Schlusspunkt einer aus DSC-Sicht völlig verkorksten ersten Hälfte. Verkorkst allerdings längst nicht nur wegen der Schiedsrichterleistung. Arminia selbst zeigte bis zur Pause alles andere als eine gute Vorstellung. Es fehlte im Aufbau an Tempo und Genauigkeit, gerade im zentralen Mittelfeld, wo Ex-Bayern-Profi Kirchhoff nicht nur aufgrund seiner Körpergröße von 1,95 Metern auffällig agierte, gingen zu viele Bälle und Zweikämpfe verloren. „Eine ganz schlechte erste Halbzeit von uns", befand auch Fabian Klos. Der Stürmer selbst sorgte gut 20 Minuten vor dem Ende für neue Zuversicht, als er ein Hartherz-Zuspiel zum Anschlusstreffer nutzte. Doch mit dem 3:1, das Philip Türpitz nach einem Foul von Salger an Niemeyer per Strafstoß erzielte, war Arminias Hoffnung dahin. Zum Zweikampf im 16-Meter-Raum hätte es aber nicht mehr kommen dürfen, weil Kirchhoff zuvor Manuel Prietl gefoult hatte. "Wir müssen die Fehler bei uns suchen" Auch das übersahen Stegemann und seine Kollegen. Als Assistent Brütting es in der Schlussphase mehrfach versäumte, bei Magdeburger Abseitsstellungen die Fahne zu heben, flüchteten sich manche Arminen in Galgenhumor. Auch Neuhaus. Zugleich war Arminias Trainer aber diese Erkenntnis wichtig: „Auch wenn die Fehlentscheidungen das Spiel sehr beeinflusst haben: Wir müssen die Fehler bei uns suchen. Wir müssen versuchen, gerade zu Hause einen anderen Fußball zu spielen. Viel temporeicher, viel zielstrebiger. Da haben wir noch eine Menge zu tun."

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