Hngt sich rein, Neuzugang Nils Seufert im Trainingslager in Zell am See. - © Christian Weische
Hngt sich rein, Neuzugang Nils Seufert im Trainingslager in Zell am See. | © Christian Weische

Zell am See Nils Seufert - ein Youngster mit spezieller Erfahrung

Jüngster Neuzugang: Nils Seufert ist erst 21, hat in Kaiserslautern aber schon einiges mitgemacht

Philipp Kreutzer

Zell am See. Er hat gerade mal 20 Spiele in der 2. Bundesliga absolviert. Und trotzdem verfügt Nils Seufert schon über Erfahrungen, die andere in ihrer gesamten Karriere nicht machen. "Die erste Profisaison stellt man sich eigentlich etwas ruhiger vor", sagt der 21-Jährige rückblickend, als er sich im Arminia-Trainingslager in Zell am See Zeit für ein Gespräch nimmt. Seufert ist in der vergangenen Spielzeit abgestiegen. Kann ja jedem mal passieren. Aber wenn das wie in seinem Fall mit dem 1. FC Kaiserslautern passiert und es dazu noch in die 3. Liga hinabgeht, ist das schon speziell. Der FCK ist schließlich einer der erfolg- und traditionsreichsten Vereine Deutschlands. Im Oktober 2017, als viele Kaiserslautern bereits als Absteiger abgestempelt hatten und Trainer Norbert Meier schon entlassen war, verhalf dessen Nachfolger Jeff Strasser Seufert zum ersten Zweitliga-Einsatz. Seitdem übernahm er in dieser schwierigen Lage regelmäßig Verantwortung auf der Sechser-Position. Der Zusammenbruch des Seufert-Förderers Jeff Strasser Wirtschaftlicher und damit sportlicher Niedergang, zugleich aber weiterhin eine riesige, aus den Erfolgen der Vergangenheit gespeiste Erwartungshaltung des Umfelds: In dieser kniffligen Gemengelage beim FCK kam Seufert erstaunlich gut zurecht. Dem Anschein nach jedenfalls. Heute gibt er zu: "Ich war sehr nervös. Als es zum Beispiel in Darmstadt um alles ging, hatte ich schon vor dem Anpfiff gefühlt einen Puls von 200." Apropos Darmstadt: Das dortige Auswärtsspiel des 1. FC Kaiserslautern wurde abgebrochen, weil Seuferts Förderer ins Krankenhaus gebracht werden musste. Der Verdacht auf eine Herzattacke bestätigte sich bei Strasser glücklicherweise nicht. Auf diese Erfahrung hätte auch Nils Seufert sehr gern verzichtet. Zugleich hat dieses unschöne Erlebnis den Youngster reifen lassen. Und so bekommt Arminia einen ablösefreien Spieler, der trotz seines jungen Alters schon einiges mitgemacht hat. Seufert hat einen Vertrag bis 2021 unterschrieben, ist mit Freundin Besarta nach Bad Salzuflen gezogen und möchte nun weiter lernen. Dass Jeff Saibene den DSC trainiert, ist für ihn von entscheidender Bedeutung. "Es macht ihm Spaß, mit jungen Spielern zu arbeiten, und ich merke jetzt schon, wie wichtig es ihm ist, uns weiterzubringen." Die kleinen, aber wichtigen Hinweise und Korrekturen des Trainers, etwa zur richtigen Ballannahme, nimmt Seufert wissbegierig auf. »Wenn ich den Ball nicht habe, habe ich keine gute Laune« Das teilweise harte Training in Österreich steckt er bisher gut weg. Daheim in Käfertal, dem Mannheimer Stadtteil, in dem seine Eltern leben, hat er sich auf dem Sportplatz und im Wald in Form gebracht. Seufert ist laufstark, und er fordert im Training wie im Spiel in zentraler Position immer wieder den Ball. "Wenn ich den Ball nicht habe, habe ich keine gute Laune", sagt er und lacht. Selbstbewusstsein demonstriert er auch bei der Formulierung seines Ziels für die bevorstehende Saison: "Ich möchte am liebsten direkt in die Startelf." Seufert will schnellstmöglich in der Schüco-Arena auflaufen. Genau dort, wo er Ende April mit dem FCK abstieg, soll nun für ihn ein neuer, positiver Abschnitt beginnen. Ruhig geht es zwar auch auf und rund um die Alm bekanntlich eher selten zu. Aber ein bisschen weniger Aufregung als zuletzt in Kaiserslautern darf es für Seufert künftig doch gern sein.

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