Zwei Kapitäne an Bord: Arminias Physiotherapeut und Osteopath Michael Schweika (rechts) ist frischgebackener Pilot. In der vergangenen Woche nahm er Julian Börner mit auf einen Rundflug über Bielefeld mit Start und Landung in Senne. - © Privat
Zwei Kapitäne an Bord: Arminias Physiotherapeut und Osteopath Michael Schweika (rechts) ist frischgebackener Pilot. In der vergangenen Woche nahm er Julian Börner mit auf einen Rundflug über Bielefeld mit Start und Landung in Senne. | © Privat

„Du bist frei, du schwebst“ - manchmal hebt Julian Börner ab

Philipp Kreutzer

Zell am See. Julian Börner ist ein bodenständiger Typ, hebt aber trotzdem gern mal ab. Arminias Kapitän verrät, was er im Trainingslager vermisst und genießt und wofür er seinen Eltern bis heute sehr dankbar ist. Herr Börner, Sie sind seit Anfang der Woche mit der Mannschaft im Trainingslager. Wen und was vermissen Sie am meisten? Julian Börner: Meine Tochter Emma, die 13 Monate alt ist. Es tut schon weh, sie zehn Tage nicht zu sehen. Meine Frau Kristina vermisse ich auch. Und die Gartenarbeit. Rasenmähen, gießen, sowas. Ich bin gern draußen und habe einen grünen Daumen. Den habe ich von meinem Vater. Gibt es umgekehrt etwas, das Sie sehr genießen, wenn Sie im Trainingslager sind? Börner: Wir haben hier ein wunderschönes Hotel, hier ist alles vom Allerfeinsten. Ich kann sehr gut abschalten und mich auf das Wesentliche konzentrieren: Fußball. Ich muss nicht einkaufen gehen und den Haushalt machen und kann anders als zu Hause, wo Emma früh aufwacht, länger als bis sechs Uhr schlafen (lacht). Sie kommen wie Fabian Klos, Ihr Stellvertreter als Kapitän, diesmal sogar in den Genuss eines Einzelzimmers . . . Börner: Das stimmt. Nachdem uns mein bisheriger Zimmerkollege Christoph Hemlein und Florian Dick, der immer ein Einzelzimmer hatte, Richtung Kaiserslautern verlassen haben, hat mir unser Co-Trainer Sebastian Hille, der für die Einteilung zuständig ist, das angeboten. Und das ist schön. Auch wenn ich gern quatsche und mich austausche, tut es mir richtig gut, etwas für mich zu sein. Ich bin sehr happy. Sprechen Sie eigentlich in der Mannschaft über die Privilegien, die Sie als Profifußballer genießen? Zum Beispiel, in einem solchen Hotel abzusteigen? Börner: Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht. und dass wir so hausen dürfen wie jetzt hier in Zell am See, ist auch nicht selbstverständlich. Das ist auf jeden Fall Thema in der Mannschaft. Einige der Neuzugänge sind ziemlich erstaunt darüber, welche Möglichkeiten der Verein uns hier bietet. Werden Sie die Mannschaft eigentlich auch in der nächsten Saison als Kapitän anführen? Börner: Ich denke, das wird sich erst in zwei oder drei Wochen entscheiden. Vor einem Jahr war das auch erst eine Woche vor dem ersten Punktspiel. Wie der Trainer es macht, ob er alles belässt wie es ist, wählen lässt oder bestimmt, das weiß ich nicht. Fabian und ich wollen auf jeden Fall weiter Verantwortung übernehmen. Ob als Kapitäne oder nicht, ist zweitrangig. Arminias Physiotherapeut Michael Schweika hat kürzlich den Pilotenschein gemacht und Sie gleich mal mit auf einen Rundflug über Bielefeld genommen. Wann wollen Sie selbst am Steuer sitzen? Börner: Das Fliegen reizt mich sehr. Du bist frei, du schwebst. Es ist faszinierend. Wir sind eine Viertelstunde geflogen, auch über die Schüco-Arena. Demnächst wollen wir noch länger fliegen. Aber dazu gehören auch andere Personen. Meine Frau hat Angst um mich. Wenn sie Sorgen hat, wenn ich das Haus Richtung Flugplatz verlasse, steige ich nicht mit einem guten Gefühl in den Flieger. Deshalb habe ich den Schein erst mal hinten angestellt. Sie gehören zu den Fußballprofis ohne Tätowierung – und damit zu einer Minderheit. Mögen Sie Tattoos nicht? Börner: Ich werde mein Leben lang Tattoo-frei bleiben. Mit 13 oder 14 wollte ich eines auf der Wade haben. Meine Eltern haben es verboten. Heute bin ich ihnen dafür so dermaßen dankbar. Anderen kann es stehen, aber ich brauche es nicht. Ist nicht mein Ding. Sie sind ja gebürtiger Weimaraner ... Börner: Moment, ich bin Weimarer. Weimaraner ist eine Hunderasse (lacht). Danke, gut zu wissen. Fühlen Sie sich denn inzwischen als echter Bielefelder? Börner: Wir sind in Bielefeld absolut heimisch, fühlen uns pudelwohl und haben viele Freundschaften geschlossen. Emma ist in Bielefeld geboren, schon deshalb werde ich die Stadt genauso wie Weimar, wo ich geboren und aufgewachsen bin und meine Eltern leben, immer im Herzen tragen. Wir wollen Emma in Bielefeld einschulen, und für uns steht fest, dass wir in Bielefeld alt werden wollen. Bedeutet das, dass Sie auch über Ihr aktuelles Vertragsende 2019 hinaus für Arminia spielen möchten? Börner: Mein Berater Tobias Sander ist dazu in ganz engem Austausch mit Samir Arabi (Sport-Geschäftsführer des DSC, die Red.). Im Fußball kann es sehr schnell gehen. In alle Richtungen. Und es ist ein Kindheitstraum von mir, in England zu spielen. Ich glaube aber auch, dass man bei Arminia genau weiß, wie viel es mir bedeutet, für diesen Verein aufzulaufen, noch dazu als Kapitän. Ich kann mir sehr, sehr gut vorstellen, hier langfristig zu verlängern. Aber jetzt wollen wir erst mal eine erfolgreiche Saison spielen.

realisiert durch evolver group