Die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck aus Vlotho (Kreis Herford), hier im Amtsgericht Tiergarten in Berlin. - © picture alliance/dpa
Die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck aus Vlotho (Kreis Herford), hier im Amtsgericht Tiergarten in Berlin. | © picture alliance/dpa

NW Plus Logo Revision gegen Haftstrafe Trotz Urteil: Wieso Holocaustleugnerin Haverbeck weiter frei bleibt

Anfang April wird die Frau aus dem Kreis Herford in Berlin zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Doch sie bleibt frei, weil sie Rechtsmittel einlegt. Ein Vorgehen, das bereits seit Jahren funktioniert.

Lukas Brekenkamp

Bielefeld/Berlin. Die mehrfach vorbestrafte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck bleibt auf freiem Fuß. Gegen ein Urteil zu einer einjährigen Haftstrafe, das das Landgericht Berlin Anfang April gefällt hatte, legte die mittlerweile 93-Jährige Revision ein. Das bestätigte eine Sprecherin der Berliner Gerichte gegenüber nw.de. Wieso die Holocaustleugnerin seit Jahren fast immer einer Haftstrafe entkommen ist.

Ursula Haverbeck aus Vlotho (Kreis Herford) wurde Anfang April wegen Volksverhetzung am Berliner Landgericht verurteilt. Nicht das erste mal. Schon seit 2004 muss sich die deutsche Justiz fast regelmäßig mit ihren Aussagen beschäftigen, in denen sie den millionenfachen Mord an Juden durch Nazis leugnet. Immer wieder legen sie und ihr Anwalt Rechtsmittel ein. Anfang April ging es nun um zwei Fälle der Volksverhetzung: Zum einen soll sie im Jahr 2016 bei einer Veranstaltung in Berlin-Lichtenrade den Holocaust als "eine der größten Lügen der Geschichte" bezeichnet und die Gaskammern von Auschwitz "nicht echt" genannt haben. Hierfür wurde sie bereits 2017 am Amtsgericht Tiergarten zu sechs Monaten Haft verurteilt, legte jedoch Rechtsmittel ein.

Zum anderen ging es bei dem jüngsten Urteil um ein Youtube-Video. In dem Film mit Nicolai N., der unter dem Namen "Volkslehrer" zweifelhaften Ruhm in rechtsextremen Kreisen und der Coronaleugner-Szene genießt, soll die 93-Jährige ebenfalls den Holocaust geleugnet haben. Das Amtsgericht Tiergarten verhängte Ende 2020 - kurz nach Haverbecks Haftentlassung aus der JVA Bielefeld-Brackwede - eine einjährige Haftstrafe. Wieder legte die Holocaustleugnerin, die dem mittlerweile verbotenen rechtsextremen Verein Collegium Humanum in Vlotho vorstand, Rechtsmittel ein.

Beide Berufungsverfahren wurden schließlich zusammengefügt und an vier Verhandlungstagen am Landgericht Berlin verhandelt. Unterstützt wurde Haverbeck dabei von Rechtsextremen, zum Teil auch aus dem Raum Ostwestfalen. Und auch um Vorfeld war die Befürchtung nicht ganz unbegründet, dass der Prozess doch noch hätte platze können: In rechtsextremen Kreisen wurde die Meldung verbreitet, Haverbeck sei wegen ihres hohen Alters nicht reisefähig. Allerdings zeigen Beiträge rechtsextremer Gruppen, dass sie offenbar nur wenige Wochen vor dem Prozess in Berlin einen Vortrag in Thüringen hielt - da schien sie also reisefähig gewesen zu sein.

Zweifel an Verhandlungsfähigkeit gestreut

Jetzt weiterlesen

Schnupper-Abo
1 € / 1. Monat
danach 9,90 € / Monat
  • Einen Monat testen - monatlich kündbar

    danach 9,90 € / Monat
Besondere Konditionen für Zeitungsabonnenten
Herbst-Deal
99 € 69 €
  • Alle Artikel lesen - ein ganzes Jahr mit 30 € Sparvorteil

2-Jahres-Abo
169 €
  • Mehr als 65 € sparen

Bereits Abonnent?

Zum Login

Wir bedanken uns für Ihr Vertrauen in unsere journalistische Arbeit.

Aktuelle Nachrichten, exklusive Berichte und Interviews aus Ostwestfalen-Lippe, Deutschland und der Welt von mehr als 140 Journalisten für Sie recherchiert. Hier finden Sie unsere Digital-Angebote in der Übersicht.

Mehr zum Thema