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Bootsbauer Jens Dannhus in seiner Werft in Hüde am Dümmer. - © Sarah Jonek
Bootsbauer Jens Dannhus in seiner Werft in Hüde am Dümmer. | © Sarah Jonek

Messe "Boot" Wo Segler-Träume wahr werden

Die Bootswerft Fricke und Dannhus am Dümmer baut seit rund 120 Jahren Jachten.

Matthias Bungeroth
13.01.2020 , 17:30 Uhr

Hüde. Sie heißt "Manon" und ist wunderschön. Nicht nur deshalb erfreut sie sich größter Beliebtheit. Sie wird gehegt, gepflegt und förmlich auf Händen getragen. Noch ein paar Streicheleinheiten - und dann ist sie bereit für ihren großen Auftritt in Düsseldorf. Dort wird "Manon" nicht etwa den Laufsteg einer großen Modenschau erobern. Vielmehr werden ihr die Herzen der Segelfreunde in der Messehalle 14 zufliegen. Denn "Manon" ist eine Segeljacht, genauer ein 22er Schärenkreuzer. Wir sind in der Bootswerft Fricke und Dannhus am Dümmer See, dem Segel-Mekka ganz vieler Ostwestfalen und Lipper.

Der Schärenkreuzer "Manon" wird auf der Messe "Boot" in Düsseldorf in Halle 14 auf dem Classic Forum zu sehen sein. - © Sarah Jonek
Der Schärenkreuzer "Manon" wird auf der Messe "Boot" in Düsseldorf in Halle 14 auf dem Classic Forum zu sehen sein. | © Sarah Jonek

"Das Boot haben wir in Schweden aus einer Scheune geholt", erzählt Jens Dannhus, Inhaber der gleichnamigen Werft in Hüde, die seit mehr als 120 Jahren im Familienbesitz ist. Im Auftrag des Eigners, der sich in "Manon" sozusagen unsterblich verliebte und mit dem Kreuzer Regatten fahren möchte, begutachteten die Bootsbauer um Dannhus das schwedische Boot und nahmen es per Anhänger mit in die Werft an den Dümmer. Kein leichtes Unterfangen, denn Manon befand sich in der Stadt Sundsvall, rund 400 Kilometer nördlich von Stockholm.

"Das können nicht mehr viele Betriebe"

Doch die Messebesucher der "Boot" in Düsseldorf, die am Samstag, 18. Januar, ihre Tore öffnet, können sich selbst davon überzeugen, dass "Manon" die Schönheitskur in der Werft bestens bekommen ist. Das Boot wurde von Grund auf restauriert, neu lackiert und erstrahlt nun mit ihrer Außenhaut aus Mahagoni und dem Deck in Teak in vollem Glanz. Von der windschnittigen Silhouette und den in liebevoller Handarbeit erneuerten Aufbauten bis hin zur Pinne gar nicht zu reden. "Das können nicht mehr viele Betriebe in Deutschland", sagt Dannhus und lächelt.

Es herrscht aktuell viel Betrieb in den Hallen der Werft, schließlich ist für die Winterwochen Pause in der Segler-Saison. Dicht an dicht reihen sich die Boote aneinander. Viele von ihnen werden gründlich überholt, Faulstellen im Holz ausgebessert. Es wird gebohrt, gesägt, gefeilt und geschraubt. Eines der Boote, die bei Fricke und Dannhus instand gesetzt werden, hört ausnahmsweise auf einen männlichen Namen, es heißt "Blaubär". Ein anderes trägt den Namen "Bella" und überrascht mit einem violettfarbenen Anstrich.

"Man arbeitet mit unterschiedlichen Stoffen"

Gleich neben "Manon" ist Praktikant Justus Kerner damit beschäftigt, eine Armatur aus Messing mittels Tuch und Reinigungspaste auf Hochglanz zu bringen. Denn auch und gerade die Details müssen bei den Projekten im Hause Fricke und Dannhus passen. "Ich bin auf Berufsfindung", erzählt Kerner. Die Tätigkeit in der Werft findet er "sehr abwechslungsreich". Das sehen auch die festen Mitarbeiter des Betriebs so. "Jedes Boot ist anders. Man arbeitet mit unterschiedlichen Stoffen", erzählt Marcel Meinking. Der 21-Jährige hat im Betrieb eine Ausbildung zum Bootsbauer absolviert und gewährt einen Blick in die Holzvorräte der Werft. Neben Teak, Eiche und Mahagoni ist dort auch Abachi-Holz zu finden. "Das ist sehr leicht, für Decksbalken bestens geeignet", sagt Meinking.

Jens Dannhus hat jeden Tag mit edlen Hölzern zu tun. Hier legt er letzte Hand an das Boot "Manon" an.  
Jens Dannhus hat jeden Tag mit edlen Hölzern zu tun. Hier legt er letzte Hand an das Boot "Manon" an.  

Auch Glasfaser-Verbundstoffe und Metall werden in der Werft verarbeitet. Eine eigenen Lackiererei und eine Schlosserei gehören zum Betrieb. "Bootsbauer können eigentlich alles, aber nichts richtig", lacht Dannhus. Gleich neben dem Schärenkreuzer ist ein ultra-modernes Segelboot in Bearbeitung, es gehört dem Segelclub Bayer Leverkusen, wie der Werftbesitzer erzählt. "Wir haben Beulen im Unterwasserschiff weggemacht", erläutert der Experte. Auch einige andere Ausbesserungen wie die Erneuerung von Beschlägen war nötig. Das erledigen Lehrling Henning Lunsmann und Geselle Philipp Schroth mit Routine.

"Das Wort Fluktuation kennen wir gar nicht"

In der Halle nebenan sind die Bootsbauer Julius Kettler und Hartmut Finke am arbeiten. Kettler (35) ist bereist 15 Jahre im Betrieb, Finke mehr als 40. "Das Wort Fluktuation kennen wir gar nicht", sagt Dannhus. Sein Betrieb profitiert davon. Die Erfahrung der Mitarbeiter ist beträchtlich, alles läuft routiniert und koordiniert ab, während im Hintergrund flotte Musik aus dem Lautsprecher schallt.

Auch vier Boots-Neubauten stehen in diesem Jahr an, neben zahlreichen Restaurierungen. "Das ist viel", so Dannhus. Unter den Neubauten ist auch eine echte Premiere. "Das ist ein Torfkahn", sagt Dannhus, vor einem langen Holzgerippe stehend, dessen abgeflachter Rumpf schon die Umrisse des neuen Bootes erkennen lässt. "Den bauen wir für einen Verein in Osterholz-Scharmbeck." Früher sei mit diesen Booten Torf durch flache Kanäle transportiert worden. Heute drehen damit Touristen ihre Runden.

Praktikant Justus  Kerner ist mit Spaß bei der Arbeit. - © Sarah Jonek
Praktikant Justus  Kerner ist mit Spaß bei der Arbeit. | © Sarah Jonek

So gehen bei Fricke und Dannhus letztlich alle Segler-Träume in Erfüllung. Das gilt auch für die Bootsbauer-Familie selbst, wie zahlreiche Plaketten beweisen, die im Ausstellungsraum an der Wand hängen. Sie erinnern an insgesamt zehn deutsche Meistertitel, die Jens Dannhus und sein Vater bereits höchstpersönlich mit dem Jollenkreuzer 15 qm ersegelt haben. Der Chef ist zufrieden mit der Trophäensammlung: "Wir können die Dinger nicht nur bauen, wir können auch segeln."

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