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Soll im Halbstundentakt ans ICE-Netz angeschlossen werden: Der Bielefelder Hauptbahnhof. Das zumindest sagt das Gutachten zum Deutschlandtakt, den das Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegeben hat.   - © picture alliance / Robert B. Fishman/ecomedia
Soll im Halbstundentakt ans ICE-Netz angeschlossen werden: Der Bielefelder Hauptbahnhof. Das zumindest sagt das Gutachten zum Deutschlandtakt, den das Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegeben hat.   | © picture alliance / Robert B. Fishman/ecomedia

Bielefeld Bahn-Vision: In zwei Stunden von Bielefeld nach Berlin

Der Deutschlandtakt eröffnet nach Einschätzung von Pro Bahn für Ostwestfalen-Lippe gute Perspektiven.

Matthias Bungeroth
19.10.2018 | Stand 20.10.2018, 09:59 Uhr

Bielefeld. Es klingt mehr als ehrgeizig: Per Bahn die Strecke von Bielefeld nach Berlin in zwei Stunden zurückzulegen, das ist eine Vision, die Verkehrsexperten eröffnen. Damit würde sich die Fahrzeit in die Hauptstadt im Vergleich zu heute um etwa eine halbe Stunde verkürzen. Möglich machen würde dies die Umsetzung des Deutschlandtakts bis 2030, den das Bundesverkehrsministerium angestoßen hat. "Das kann unserer Region nur dienen", sagt Rainer Engel, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn in Ostwestfalen-Lippe, auf Anfrage der Neuen Westfälischen. Der Entwurf sei kein Luftschloss, sondern "mit realem Blick auf die Dinge erdacht worden", lobt Engel. Kürzere Fahrzeiten, pünktlichere Züge Federführend in dem Gutachterentwurf ist das Züricher Planungsbüro SMA, das bereits den Entwurf für das Projekt Bahn 2000 in der Schweiz erstellt hat. Dieses wird vom Bundesverkehrsministerium als Vorbild für die Entwicklung des deutschen Bahnsystems angesehen. "Kürzere Fahrzeiten, pünktlichere Züge und ein Ausbau, bei dem Personen- und Güterverkehr zusammenkommen",  das sind - in Engels Worten - die Kernziele des Deutschlandtakts. "Die Fahrzeit soll von Bielefeld nach Hannover auf 31 Minuten gekürzt werden", so Engel zu den Planungen für die ICE-Strecke zwischen Köln und Berlin. Aktuell dauert diese Fahrt 48 Minuten. Jede halbe Stunde soll demnach künftig ein ICE in Bielefeld halten, der auf bis zu 300km/h beschleunigen soll. Neue Trasse ist umstritten Um dieses Ziel erreichen zu können, müsste allerdings auch eine neue Bahntrasse gebaut werden, die im Raum Bad Oeynhausen bislang umstritten ist. "Die Planer haben die Vorstellung, zwischen Bielefeld und Herford auszufädeln und erst bei Stadthagen wieder auf die jetzige Trasse einzufädeln", erläutert Engel. Wo genau in dem betreffenden Abschnitt eine neue Trasse entstehen könnte, ist laut Engel noch unklar. "Am wahrscheinlichsten ist, dass man sich der Autobahn 2 annähert." Unklar ist auch, ob dazu, weiter östlich als bisher geplant, der Bau eines Tunnels durchs Wiehengebirge nötig wäre. Inzwischen schalteten sich auch fünf Bundestagsabgeordnete aus Ostwestfalen-Lippe und aus dem angrenzenden Kreis Schaumburg in die Debatte um einen möglichen Trassenneubau im Großraum Bad Oeynhausen ein. In einem Schreiben an den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann,  stellen sie dazu insgesamt sechs Fragen. So wollen sie unter anderem wissen, ob sich die im Gutachten für den Deutschlandtakt erwähnten 300 km/h auf der Strecke zwischen Bielefeld und Seelze auf den derzeit vorhandenen Trassen realisieren lassen. Das derzeit gültige Schienenausbaugesetz sehe hier eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h vor. Zur im Gutachten vorgeschlagenen Trasse zwischen Bielefeld und Stadthagen nach Hannover fragen die Abgeordneten: "Handelt es sich um von den Gutachtern vorgeschlagene neue Bahntrassen auch zwischen Porta Westfalica und Bielefeld?" Sie wollen zudem wissen, ob über ein entsprechendes Schienenwegeausbaugesetz noch in dieser Legislaturperiode entschieden werden soll.  Zudem fragen die Abgeordneten, ob über etwaige neue Trassen jeweils einzeln entschieden werden soll. Der Brief ist unterschrieben von den Bundestagsabgeordneten Maik Beermann (CDU), Ralph Brinkhaus (CDU),  Achim Post (SPD), Stefan Schwartze (SPD) und Marja-Liisa Völlers (SPD).  IC-Halte in Herford, Bad Oeynhausen und Minden könnten bleiben Engel hält die Arbeit der Schweizer Planer jedoch für durchdacht. Denn der neue Entwurf eröffne die Möglichkeit, dass der Intercity auf der bisherigen Trasse verbleiben könne. "Er hat drei Haltepunkte in Herford, Bad Oeynhausen und Minden zu befahren, so dass sich das wirklich lohnt." Bisher hatte die Bahn mit Plänen für Unruhe in OWL gesorgt, sie wolle den Takt der ICE-Züge verdichten und gleichzeitig IC-Halte in Bad Oeynhausen, Herford und Minden ausdünnen. Mit dem jetzt vorliegenden Gesamtpaket sei "der Abbindung der kleinen Haltepunkte Abhilfe geleistet", so Engel. Für den Nahverkehr ergäben sich neue Möglichkeiten Der Bahnexperte schätzt: "Das kann, wenn die Region mitzieht, in zehn Jahren laufen." Es könne aber auch doppelt so lange dauern. Auch der IC-Haltepunkt Bünde auf der IC-Strecke von Berlin nach Amsterdam stehe weiter im Konzept des Deutschlandtaktes, betont der Bahnexperte. "Die Planer haben erkannt, was unsere Region für ein Potenzial hat", lobt Engel. Es seien "die besten Fachleute eingesetzt" worden. Auch für den Nahverkehr der Bahn in OWL ertgäben sich durch die Umsetzung eines solchen Konzepts neue Möglichkeiten, gibt Engel zu bedenken. "Es könnten mehr durchgehende Nahverkehrszüge eingeplant werden", sagt der Experte. Das sei in dem ersten Entwurf noch nicht vorhanden, aber: "Da kommt noch was." Das wäre auch wünschenswert. Denn erst kürzlich hatte der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe darauf hingewiesen, dass die Fahrgastzahl im Schienennahverkehr auf der Hauptstrecke zwischen 2008 und 2016 um rund 39 Prozent auf bis zu 21.000 Fahrgäste pro Werktag zugenommen habe.

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