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Arbeitete einst in Herford: Der nordrhein-westfälische AfD-Landeschef Markus Pretzell. - © dpa
Arbeitete einst in Herford: Der nordrhein-westfälische AfD-Landeschef Markus Pretzell. | © dpa

Herford/Bielefeld Ehemaliger Chef nennt AfD-Politiker Pretzell unberechenbar

Landesvorsitzender schied nach dauerhaften Differenzen schon nach einem halben Jahr aus 
Herforder Firma wieder aus / Disput um Aufstellung der Landesliste geht weiter

Matthias Bungeroth
11.12.2016 | Stand 11.12.2016, 18:27 Uhr

Bielefeld/Herford. Die Turbulenzen um den AfD-Landesverband NRW und seinen Vorsitzenden Marcus Pretzell reißen nicht ab. Während einige erzkonservative Parteimitglieder Unterschriften für einen Sonderparteitag sammeln, der eine neue Landesliste aufstellen soll, weil die Rechtmäßigkeit der aktuellen Liste noch nicht geklärt ist, spricht nun auch ein ehemaliger Arbeitgeber Pretzells aus Herford. Der 39-jährige IT-Fachmann Paul Z. (Name von der Redaktion geändert) ist Geschäftsführer einer GmbH, die Systemlösungen für die Druckbranche anbietet. In dieser Firma war neben Z. auch Marcus Pretzell Geschäftsführer, und zwar von Ende August 2012 bis Ende Januar 2013. Pretzell, der einst auch in Bielefeld gearbeitet.hatte, und Z. begegneten sich erstmals in einer Herforder Bürogemeinschaft, wo sich auch Z. eingemietet hatte. „Er arbeitete im Stockwerk darüber", sagt Z. im Gespräch mit nw.de. „Wir haben uns seinerzeit gut verstanden", fügt er hinzu. Als er erfahren habe, dass Pretzell aus seiner damaligen Funktion als Immobilienentwickler ausgeschieden sei, habe er Pretzell gefragt, ob er als zweiter Geschäftsführer ins Unternehmen einsteigen wolle. "Von Entscheidungen wusste er nichts mehr" Denn er, Z., habe sich für das Geschäftsmodell des Factoring entschieden, wobei Geschäfte mit Kunden über ein Kreditinstitut abgewickelt werden müssen. „Dabei müssen immer zwei Geschäftsführer tätig sein", so Z. Während sich Pretzell um Personal und Kaufmännisches kümmern wollte, habe er sich auf Marketing und Vertrieb konzentriert. Doch die Zusammenarbeit lief nicht gut, wie Z. berichtet. „Von Entscheidungen, die am Tag zuvor gefällt wurden, wusste Pretzell am Tag danach nichts mehr." Man habe ihn nie einschätzen können. „Er ist halt unberechenbar." Krönung sei der Termin zur Unterzeichnung des Factoring-Vertrages mit dem Kreditinstitut gewesen, bei dem es auch um Haftungsfragen der beiden Geschäftsführer gegangen sei. Bei dem gemeinschaftlich anberaumten Termin habe Pretzell eine Unterschrift seinerzeit plötzlich abgelehnt. „Da sind Klauseln drin, die kann ich nicht vertreten", habe er gesagt. Beim Termin selbst habe er, Z., dazu nichts sagen können, um seinen Kompagnon nicht in Misskredit zu bringen. Doch sei dies natürlich „eine unmögliche Situation" gewesen, die eine Strafzahlung nach sich gezogen habe, die er beglichen habe. Das Fass zum Überlaufen brachte dann die eigentlich schon beiderseits fixierte Einstellung einer neuen Mitarbeiterin, der Pretzell aber den ihr zustehenden Arbeitsvertrag nicht zugeschickt habe. Mitarbeiterin berichtete von Beleidigungen durch Pretzell „Da reifte in mir die Entscheidung: Wir müssen uns trennen", so Z. Diese Meinung habe sich verstärkt, als die Mitarbeiterin ihm an ihrem ersten Arbeitstag von „massiven Beleidigungen" erzählt habe, denen sie seitens Pretzells ausgesetzt gewesen sei. Pretzell habe dann den Gesellschaftervertrag gekündigt, so Z. „Am nächsten Tag hat er weitergemacht. Ich habe ihm gesagt: ,Ich weiß gar nicht, was ich mit dir hier noch machen soll’." Wenn Z. von den Turbulenzen um die AfD-Landeslistenaufstellung in NRW hört, sagt er: „Da spiegelt sich die Verhaltensweise wider, die ich damals kennengelernt habe." Eine Führungsfähigkeit sei bei Pretzell auf keinen Fall gegeben, ist Z. sicher. Er fügt hinzu: „Es ist mir nicht egal, dass jemand, der bisher eine solche Laufbahn hatte, deutsche Politik betreiben darf." Eine Anfrage zu den Vorwürfen von Z. bei der AfD NRW blieb bis  Redaktionsschluss zunächst noch unbeantwortet.

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