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Die Blinkist-Gründer Tobias Balling, Niklas Jansen, Holger Seim und Sebastian Klein (v. l.). - © FOTO: BLINKIST
Die Blinkist-Gründer Tobias Balling, Niklas Jansen, Holger Seim und Sebastian Klein (v. l.). | © FOTO: BLINKIST

Berlin Salzkottener entwickelt eine App für Bücher in Kurzform

"Blinkist" ist eines der erfolgversprechensten Startups

VON STEFAN SCHELP
10.07.2013

Berlin. Ein Buch lesen? Wie langweilig. Ein Sachbuch gar? Noch viel schlimmer. Dafür fehlt die Zeit. Das macht doch heute niemand mehr. Andererseits - schaden kann es ja auch nichts, zu wissen, was Hermann Scherer über "Glückskinder" schreibt. Oder Tim Ferriss zur "4-Tage-Woche" zu sagen hat. Man will ja mitreden, im Job vorankommen, die Mitmenschen beeindrucken. Blinkist hilft seinen Kunden aus diesem Dilemma. "Wir bauen eine Brücke zum Buch", sagt Niklas Jansen.

Der 28-Jährige aus Salzkotten führt mit drei Gleichgesinnten in Berlin eines der erfolgversprechendsten Startups. "Blinkist" ist so etwas wie der heimliche Star in der Gründerszene. Der "Blink", zu deutsch "Augenzwinkern" oder "Wimpernschlag", ist die Geschäftsidee der Wahlberliner. Sie haben eine App entwickelt, mit der sie Sachbücher in kleine Häppchen zerlegen.

Information

Das Angebot

  • Rund 100 Bücher hat Blinkist im Angebot. Hier einige Beispiele:
  • Hermann Scherer: "Glückskinder"
  • Richard David Precht: "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?"
  • Carmine Gallo: "Die Präsentationsgeheimnisse von Steve Jobs"
  • W. Chan Kim: "Der Blaue Ozean als Strategie: Wie man neue Märkte schafft, wo es keine Konkurrenz gibt"
  • Daron Acemoglu: "Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut"
  • Tim Ferriss: "Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben"     

"Wir machen das Lesen mobil", sagt Jansen. Denn gelesen werde heute mehr denn je. Nur eben nicht in gedruckten Büchern, sondern in Apps auf Smartphones und Tablets. Die Blinkist-App präsentiert Buchzusammenfassungen in kleinen Einheiten. Für 4,49 Euro im Monat erhält man als Abonnent immer und überall vollen Zugriff auf alle Zusammenfassungen. Alternativ kann man für 1,79 Euro Zusammenfassungen auch einzeln kaufen.

Ein komplettes Buch in 15 lesen

Jede Einheit ist in zwei bis drei Minuten zu schaffen, für ein komplettes Buch braucht der Nutzer nicht mehr als 15 Minuten. "Die Einheiten sind so kurz, dass der Leser automatisch motiviert wird, sich auch noch das nächste Kapitel vorzunehmen", sagt Jansen.  "Das geht auch, wenn man morgens auf dem Weg zur Arbeit den Bus wechselt." Zu den zehn, zwölf Kernthesen des Buches gibt es auf Blinkist Beispiele. Der studierte Psychologe des Gründerteams hat zudem ein Auge darauf, dass die Inhalte lernpsychologisch optimal aufbereitet werden und es so gegenüber dem Original sogar noch einen Mehrwert gibt.

Natürlich könnte man die Bücher auch in der Wikipedia-Zusammenfassung lesen, sagt Jansen. Eine Konkurrenz sei das aber nicht. "Wikipedia ist meist nicht mehr als ein Klappentext. Man kann dort gute, aber auch sehr schlechte Texte erwischen. Bei uns können sich die Leser auf Qualität verlassen."

Zurzeit hat Blinkist 100 mobil gemachte Bücher im Angebot, jeden Monat kommen zehn weitere hinzu. Für den ständigen Zuwachs sorgt ein Netzwerk von Autoren. Bei Blinkist fest angestellt sind zwei Redakteure, ein Lektorat sorgt für den letzten Schliff. "Für viele unserer Schreiber ist das ein Traumjob. Sie können ihrer Leidenschaft nachgehen und Bücher lesen, dann darüber schreiben und bekommen Geld dafür."

Idee ist schon zu Studienzeiten entstanden

Auch für die Blinkist-Männer ist es der Traumjob. Unterstützt werden sie von der Telekom und deren Startup-Investitionsarm "Hubraum". Die Telekom bietet eine Anschubfinanzierung und die Möglichkeit, Büroräume kostenlos zu nutzen. Dankbar sind die Berliner für diese Möglichkeit, lassen aber zugleich keinen Zweifel daran, dass sie festen Willens sind, nach der Anschubfinanzierung weiter voranzukommen. "Viele andere fangen erst nach dem Start der Förderung an, ihre Idee zu entwickeln. Wir waren da von Anfang an einen Schritt voraus."

Entstanden ist die Idee zu Blinkist schon zu Studienzeiten. Damals schickte einer der späteren Blinkist-Männer seine Buchzusammenfassungen per Mail an die Freunde. Als der Runde schwante, dass das ein Geschäftsmodell sein könnte, befragten sie Hunderte von potenziellen Nutzern, welche Bücher und Themen sie in Angriff nehmen sollten.

Parallel lief die Entwicklung der App, seit drei, vier Jahren treiben sie das Projekt gezielt voran, vor einem Jahr ist daraus ein Unternehmen geworden. Längst verhandelt Blinkist mit einem großen Sachbuchverlag über eine Kooperation, Ende des Jahres sollen auch englische Bücher ins Programm kommen. Und dann muss die App, die bislang nur auf Apple-Systemen läuft, auch noch für alle anderen Smartphones nutzbar gemacht werden. Arbeit und große Ziele gibt es also genügend.

Ganz nebenbei profitiert Niklas Jansen aber auch privat von den Blinkist-Diensten. "Weil ich die Blinkist-Zusammenfassungen lesen kann, habe ich jetzt abends auf dem Sofa auch wieder Zeit für einen richtig guten Roman." Im Moment  ist ein Klassiker angesagt: "Der Steppenwolf" von Hermann Hesse.


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