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Westlotto-Chef Goßner: "Lotto harmloser als Spielhallen"

Debatte über den neuen Glücksspielstaatsvertrag

04.07.2012 | Stand 03.07.2012, 18:38 Uhr

Theodor Goßner
Theodor Goßner
"Lotto ist

harmloser

als Spielhallen" - © INTERVIEW
"Lotto ist
harmloser
als Spielhallen" | © INTERVIEW
Münster. Beim Glücksspiel verbindet der Staat das Nützliche mit dem Angenehmen: Mit Lotterien kassiert allein NRW jährlich dreistellige Millionenbeträge. Doch die Konkurrenz durch – teils illegale – Internetangebote wächst. Staatsfirmen wie Westlotto verbuchen zum Teil Rückgänge. Über den neuen Glücksspielstaatsvertrag, durch den die Karten neu gemischt werden, sprachen Thomas Seim, Carsten Heil und Martin Krause mit Westlotto-Chef Theodor Goßner.

Herr Goßner, wochenlang mussten Sie im Mai und Juni den Gewinner von 3,5 Millionen Euro suchen. Er hatte seinen Gewinn nicht abgeholt. Passiert das öfter?

THEO GOßNER:
Das kommt vor, Lotto kann ja auch anonym gespielt werden. Der Spieler erhält nach dem Spiel eine Quittung und beweist so seine Teilnahme. Das führt manchmal zu skurrilen Geschichten. Vor kurzem hatte eine ausländische Mitbürgerin einen Millionengewinn. Die Quittung, die ein paar Knicke aufwies, hat sie stolz gebügelt und so ziemlich unleserlich gemacht. Mit Hilfe von fast kriminalistischen Methoden ist dann ermittelt worden, dass ihr der Gewinn tatsächlich zusteht.

Seit dem 1. Juli gilt die Novelle des Glücksspielstaatsvertrages. Vorrang soll es haben, den Spieltrieb der Menschen in überwachte Bahnen zu lenken und vor Spielsucht und Kriminalität zu schützen. Ein Trick des Gesetzgebers, um sein Lottomonopol zu schützen?

Information

GAUSELMANN WARNT

* Am 1. Juli trat der "Glücksspieländerungsstaatsvertrag" in Kraft: Er hebt das Sportwettenmonopol für staatliche Anbieter auf. Private Wettveranstalter können sich jetzt um 20 Konzessionen bewerben.

* Die Novelle beendet das Lottoverbot im Internet und liberalisiert die Werbung für Glücksspiele.

*Für Spielautomaten und Spielhallen gibt es schärfere Restriktionen: Die Sperrzeiten werden ausgedehnt, Mehrfachkonzessionen werden verboten (einzelne Spielhallen sollen kleiner werden), die Abstände zwischen Automaten und Spielhallen sollen wachsen.

*Paul Gauselmann, Hersteller von Spielautomaten, Betreiber von Spielhallen und Chef des Automatenindustrieverbandes VDAI, läuft dagegen Sturm: Er sieht die 70.000 Stellen der Branche in Gefahr und droht Regressforderungen in Milliardenhöhe an

GOßNER: Es ist die Frage, wie man Glücksspiel gesellschaftspolitisch bewertet. Das Bundesverfassungsgericht hat einmal festgestellt, dass Glücksspiel grundsätzlich eine sozial unerwünschte Aktivität ist. Allerdings hat es auch konstatiert, dass die Menschen spielen wollen und deshalb nicht einfach Verbote ausgesprochen werden können. Der Staat hat die Aufgabe, Glücksspiel in geordnete Bahnen zu lenken und damit schädliche Auswirkungen soweit wie möglich zu verhindern. Das ist auch die Begründung für das Lottomonopol: Die Befürchtung, wenn ich das Glücksspiel dem freien Markt überlasse, folgt eine Entwicklung, wie sie heute bei den Spielhallen zu sehen ist. Die Spielhallen haben mit harmlosen Spielen wie Kickern und Flippern angefangen. Aber dann sind Geld-Gewinnspielgeräte hinzugekommen. Die Folgen für unsere Jugendlichen, anfällige Spielteilnehmer oder das Stadterscheinungsbild sind für jedermann sichtbar.

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