Poggenpohl bleibt doch in Herford

Verlagerung nach Österreich wurde abgewendet

VON HARTMUT BRAUN
Poggenpohl bleibt 

doch in Herford - © HERFORD
Poggenpohl bleibt
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Herford. Im schwedischen Küchenkonzern Nobia hat es ernsthafte Überlegungen gegeben, die Küchenmarke Poggenpohl nicht mehr in Herford produzieren zu lassen. Aktuell ist eine Verlagerung des Tochterunternehmens (350 Mitarbeiter) jedoch kein Thema mehr. "Ich habe keinen Auftrag in diese Richtung", versichert der neue Geschäftsführer Lars Völkel gegenüber unserer Zeitung.

"Nobia will diesen Standort nicht schließen", fügt der seit 1. September amtierende Nachfolger von Elmar Duffner hinzu. Völkel ergänzt, dass der Nobia-Mutterkonzern an anderer Stelle in Skandinavien sehr wohl Produktionsstandorte aufgibt und weitere überprüft, um seine Strukturen zu verbessern. "Das findet aber nicht für Poggenpohl statt", betont er.

Völkel selbst hatte noch bei seiner Vorstellung auf einer Betriebsversammlung vergangene Woche Gerüchten Nahrung gegeben, indem er eine Standortgarantie für Herford mit der Einschränkung "zum jetzigen Zeitpunkt" versah.

Poggenpohl-Chef Lars Völkel.
Poggenpohl-Chef Lars Völkel.

Zugleich wurde der Weggang fast des gesamten Poggenpohl-Managements damit erklärt, diese Führungskräfte hätten sich gemeinsam mit Geschäftsführer Duffner gegen die Verlagerungspläne stark gemacht, schließlich jedoch für den Standort Herford und die Eigenständigkeit der Marke keine Zukunft mehr gesehen. Sogar ein neuer Produktionsstandort für die Luxusmarke war genannt worden – die österreichische Stadt Wels, wo die Nobia-Tochter EWE-Küchen sitzt.

 Völkel tritt solchen Spekulationen entgegen: Sein einschränkendes "zum jetzigen Zeitpunkt" sei missverstanden worden. Für das Ausscheiden der Führungskräfte gibt es aus seiner Sicht "sehr unterschiedliche Gründe". Und mit den Gerüchten müsse es ein Ende haben. Seine Aufgabe sei es, die Unternehmensstrategie zu überprüfen und die Profitabilität zu steigern. "Wir wollen besser werden bei Poggenpohl (Umsatz: gut 100 Mio. Euro). Wir wollen weiter wachsen. Wir wollen den Standort stärken", sagt Völkel (36), der vom Electrolux-Konzern zu Poggenpohl/Nobia kam – ebenso wie der neue Nobia-Chef Morten Falkenberg und dessen neuer Finanzvorstand.

Nach einer Woche bei Poggenpohl könne er vieles noch nicht beurteilen, gibt Völkel zu bedenken. Doch dann nimmt er doch klar Stellung: Die hier in Herford von ihm vorgefundene Kompetenz vor Ort sei als wesentlicher "Erfolgsfaktor" zu werten. Für Luxusküchen wie Poggenpohl seien hohe handwerkliche Fertigkeiten nötig, die zwar in Herford, aber längst nicht überall verfügbar seien. Neben dem "hohen Maß an Fertigungswissen" führt er in einer ersten Bewertung auch die räumliche Nähe zum vorhandenen Lieferanten-Netzwerk ins Feld .

Nicht zuletzt spricht aus Sicht des Poggenpohl-Chefs das Markenzeichen "Made in Germany" dafür, "an diesem Standort festzuhalten" und eine Verlagerung nicht ins Auge zu fassen. Damit nimmt er Argumente auf, die Duffner oft ins Feld geführt hat. Völkel bestätigt, dass durch Verschiebung zweier Aufträge aus Asien in der Produktion sieben Ausfalltage geplant sind.      

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