Heike Käferle fliegt gern den Doppeldecker "Tigermoth" – natürlich mit Lederkappe und Fliegerbrille. - © FOTO: PRIVAT
Heike Käferle fliegt gern den Doppeldecker "Tigermoth" – natürlich mit Lederkappe und Fliegerbrille. | © FOTO: PRIVAT

Die Geschäftsführerin Heike Käferle will mehr Frauen zum Fliegen bringen

"Ach, Sie sind der Pilot"

VON ANDREA FRÜHAUF

Oerlinghausen/Paderborn. "Fliegen hat mich schon immer fasziniert", sagt Heike Käferle. Ihr Vater war ein leidenschaftlicher Pilot. Doch die Geschäftsführerin des Paderborner Softwareunternehmens Team GmbH kam erst mit Mitte 40 zum Fliegen.

Das Virus befiel die diplomierte Mathematikerin bei einem Schnupperflug mit einem Ultraleichtflugzeug. Heute steht auf dem Segelflugplatz in Oerlinghausen ihre eigene CTSW, die sie sich gemeinsam mit ihrem Mann gekauft hat.

"Sie erinnerte mich an ein kleine dicke Hummel", erzählt sie. Der weiße Flieger mit rundem Glascockpit hat nur eine Spannweite von 9,5 Metern und ist aus Carbonfaser. Der freitragende Hochdecker wirkt federleicht. Vielen Männern komme das Flugzeug nicht "aggressiv genug daher", sagt Käferle mit verschmitztem Lächeln.

Nur 15 Liter Superbenzin pro Stunde "frisst" die Hummel. "Ihren Anflug hört man kaum", schwärmt die Geschäftsführerin, die in ihren Urlauben schon über Dänemark nach Schweden und Norwegen geflogen ist und neben den Lofoten auch den Vulkan Ätna in Sizilien von oben bewundert hat. "Das Fliegen ist so schön. Oben gibt es keine Staus." Die Pilotin nennt einen weiteren Vorteil des Ultraleichtfliegers: Nur 35 Flugstunden braucht es für den Flugschein.

Inzwischen hat Käferle sich ein neues Ziel gesetzt: Sie engagiert sich dafür, dass mehr Frauen Pilotin werden. Der Frauenanteil liege hierzulande im Schnitt bei sieben Prozent. "Sogar die Ingenieurwissenschaften haben noch einen höheren Frauenanteil als die Berufs- und Privatpiloten zusammen", kritisiert die Paderbornerin. Bei den Motor- und Ultraleichtflugzeugen seien es nur 5 Prozent.

Unternehmerinnen und Pilotinnen hätten einiges gemeinsam: "Sie gehören zu einer Spezies, die in unserer Gesellschaft Seltenheitswert besitzt und bewegen sich in einer eher männerdominierten Welt." Beiden fehle es an hinreichend Vorbildern. Sprüche wie "Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass Frauen fliegen, hätte er den Himmel rosa gemacht" machten noch immer die Runde. Und bei Paaren säßen meist die Männer am Steuerknüppel.

Auch sie selbst bekam im Ausland schon Sprüche von Flugplatzmitarbeitern zu hören: "Ach, Sie sind der Pilot." Dabei habe sie doch auf dem Pilotensitz gesessen und ihr Mann auf dem "Beifahrersitz".

Daher organisiert Käferle am nächsten Samstag, 17. Juli, auf dem weltgrößten Segelflugplatz in Oerlinghausen ab 11 Uhr ein bundesweites gemeinsames Treffen des Verbandes deutscher Unternehmerinnen und der Vereinigung Deutscher Pilotinnen (VDP). Frauen sollen die Gelegenheit erhalten, sich den Traum vom Fliegen zu erfüllen und probeweise abzuheben.

Käferle gehört beiden Vereinigungen an: Sie kandidiert beim VDP im September für das Amt der Vizepräsidentin und sie ist Regionalleiterin Paderborn im Verband Deutscher Unternehmerinnen. Somit sei sie in doppelter Hinsicht vertraut mit dem "Minderheitenproblem".
"Frauen können fürs Fliegen eine mindestens genauso große Leidenschaft entwickeln wie Männer", betont die 51-Jährige, die 2003 ihren Flugschein für Ultraleichtflugzeuge machte.

Zur VDP kam sie durch Zufall. Die CTSW kann mehr als 1.200 Kilometer am Stück fliegen. "Aber mehrstündige Flugstrecken sind gerade für Frauen mit kleiner Blase nicht ganz unproblematisch." Wie kommen damit andere Pilotinnen klar?, fragte sie sich. Die Lösung: "Eine dicke Inkontinenz-Windel."

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