0

92,5 Millionen Euro für Lycos-Aktionäre

Internet-Ruine umbenannt in Jubii Europe

VON MARTIN KRAUSE
08.06.2010 | Stand 08.06.2010, 08:48 Uhr
92,5 Millionen Euro für Lycos-Aktionäre - © LYCOS
92,5 Millionen Euro für Lycos-Aktionäre | © LYCOS

Gütersloh. Im Spätherbst 2008 hat Christoph Mohn das Aus für das von ihm gegründete Gütersloher Internetportal Lycos Europe verkündet. Die börsennotierte Firmen-Ruine wird seitdem in ihre Einzelteile zerlegt und häppchenweise verkauft oder geschlossen.

Doch für die letzten Monate hat das Unternehmen noch einmal einen neuen Namen bekommen: Aus der Lycos Europe N.V. (mit Sitz in Haarlem, Niederlande) wurde die Jubii Europe N.V. "Die Lizenz für die Nutzung des alten Namens ist an die amerikanische Lycos Inc. zurückgegeben worden", sagte Jochen Hög in Gütersloh. Die Rechte an dem Namen Jubii seien noch verfügbar gewesen, obwohl die ehemalige Tochterfirma Jubii, ein Portal mit Sitz in Kopenhagen, bereits 2008 verkauft worden war.

Bei der Liquidation von Lycos Europe ist inzwischen fast alles von größerem Wert versilbert worden. Den größten Ertrag brachte der Verkauf der Tochter United Domains an United Internet für 34,1 Millionen Euro. Der Verkauf des Internet-Suchsystems Lycos IQ an Hubert Burda Media spülte immerhin rund 400.000 Euro in die Kasse. Über die Verkaufspreise für das dänische Portal Jubii, das Shopping-Portal Pangora und andere Töchter wurde Stillschweigen vereinbart, wie Jochen Hög sagt. Übrig geblieben sind jetzt nur noch Nebensächlichkeiten wie zum Beispiel Möbel.

Der schwarze Labrador.
Der schwarze Labrador.

Im Ausverkaufsjahr 2009 erzielte Lycos Europe einen Nettogewinn in Höhe von rund 12 Millionen Euro – unter dem Strich war das Jahr damit das zweitbeste der Firmengeschichte.

Lycos Europe hatte beim Börsengang im Jahr 2000 mehr als 770 Millionen Euro eingenommen, rechnerisch war die Firma einst mehr als 5 Milliarden Euro wert. Das investierte Geld ist nicht restlos futsch: Für die Aktionäre hat es bis heute immerhin Kapitalrückzahlungen in einer Gesamthöhe von 92,5 Millionen Euro gegeben. Die Inhaber der 312 Millionen Aktien kassierten Ende 2008 einmal 16,05 Cent je Aktie sowie 11,2 Cent je Aktie im Mai 2009 und 2,4 Cent im Dezember 2009. Nicht ausgeschlossen erscheint, dass es noch einmal einen Nachschlag gibt: Ende 2009 hatte das gescheiterte Internetunternehmen noch rund 40 Millionen Euro in den Kassen. Mangels neuer Zuflüsse geht die Liquidität allerdings rasch zur Neige: Im ersten Quartal 2010 wurden fast 3 Millionen Euro verbrannt.

Jetzt sind es rechnerisch nur noch fünf Vollzeitbeschäftigte, die die letzten juristischen Rückzugsgefechte für Lycos/Jubii führen. Wann genau Vorstandschef Fred Wilsdorf das Licht in der Verwaltung an der Gütersloher Carl-Bertelsmann-Straße löschen wird, steht noch nicht fest, wie Jochen Hög sagt. Es kann nur wenige Monate noch dauern oder auch länger als ein Jahr.

Newsletter abonnieren

Update zum Mittag

Die neuesten Entwicklungen und wichtigsten Hintergründe zum Ausbruch von Covid-19 und Neuigkeiten aus OWL und der Welt.

Wunderbar. Fast geschafft!

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group