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Unternehmensgründer Paul Gauselmann und Armin Gauselmann (hier vor zwei Jahren bei einem Gespräch zum 60-jährigen Firmenbestehen) führen den Konzernvorstand. - © Joern Spreen-Ledebur
Unternehmensgründer Paul Gauselmann und Armin Gauselmann (hier vor zwei Jahren bei einem Gespräch zum 60-jährigen Firmenbestehen) führen den Konzernvorstand. | © Joern Spreen-Ledebur

Glücksspiel Gauselmann setzt verstärkt aufs Ausland

Die Gauselmann-Gruppe wächst allen Schwierigkeiten zum Trotz mit zweistelliger prozentualer Rate. Die Zahl der Mitarbeiter steigt ebenso wie die Investitionen

13.08.2019 | Stand 13.08.2019, 22:08 Uhr

Espelkamp. Die Gauselmann-Gruppe ist 2018 rasant weiter gewachsen. Der Umsatz wuchs um 18,5 Prozent von 2,04 auf 2,41 Milliarden Euro.  Besonders stürmisch entwickelte sich der Konzern im Ausland mit einem Umsatzwachstum um 25 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. "Die Emanzipation vom wichtigen Heimatmarkt Deutschland hat sich weiter fortgesetzt", teilten Vorstandschef  Paul Gauselmann (84) und sein Stellvertreter Armin Gauselmann  (57) gemeinsam mit. Der Auslandsanteil am Umsatz stieg auf 57 Prozent. Das Unternehmen, das mit Produktion und Vertrieb von Spielautomaten, mit dem Betrieb von Spielhallen und Kasinos sowie vor allem im Ausland mit dem Angebot von Sportwetten erfolgreich ist, hat auch seine Belegschaft kräftig aufgestockt: Die Zahl der Mitarbeiter wuchs um 915 auf nun gruppenweit 13.395. Mehr als 7.800 von ihnen sind in Deutschland beschäftigt. Erfolg trotz "immer strengerer Restriktionen" Der Erfolg sei "nicht selbstverständlich", so Konzerngründer Paul Gauselmann und Armin Gauselmann,  der  zweitjüngste seiner vier Söhne. Denn der Markt sei national und international "geprägt von immer strengeren gesetzlichen Restriktionen".  Vor allem in Deutschland habe sich die negative Entwicklung auf dem Spielhallenmarkt fortgesetzt. Die Umsetzung der neuen Spielverordnung und der entsprechenden Landesspielhallengesetze gehe mit einer sinkenden Zahl von Spielstätten und Aufstellplätzen für Automaten einher: "Diese völlig überzogenen Einschränkungen sind unserer Meinung nach unverhältnismäßig", so die Gauselmänner: "So werden Spielgäste ins illegale Internetspiel getrieben." Wie  Paul Gauselmann gegenüber der Neuen Westfälischen  sagte, habe es im Spielhallen-Geschäft empfindliche Einbußen gegeben.  Allein 2018 seien bundesweit 47 Spielhallen geschlossen worden, wobei "Spielhalle" hier im Sinne einer Einzel-Konzession gemeint ist. Die meisten der  295 deutschen Spielotheken  der Gauselmann-Tochter "Merkur"  werden mit mehreren Konzessionen (maximal vier) betrieben. Jetzt werden also Verkleinerungen der Standorte erzwungen. Um die starke Position als Marktführer zu verteidigen, seien 2018 erneut einige Filialen von Mitbewerbern übernommen  worden. Gauselmann mischt auch bei den Spielbanken mit Mehr als ausgeglichen wurden die Probleme aber durch die Erfolge der Bereiche Spielautomaten-Produktion, die Spielbanken-Beteiligungen und das wachsende Sportwetten-Geschäft. Die Spielautomaten-Tochter ADP habe unter anderem deswegen ihren Umsatz kräftig steigern können, weil 2018 verschärfte Auflagen ("TR 5.0") in Kraft getreten sind - und die Spielhallen mussten viele Geräte erneuern oder austauschen. Gauselmanns Spielautomaten seien  inzwischen auch in fast allen der knapp 70 deutschen Spielbanken zu finden, heißt es stolz aus Espelkamp. Bei zehn dieser Spielbanken mischt der Konzern inzwischen selbst als Gesellschafter mit, darunter Spielbanken in Berlin und Rheinland-Pfalz. Drei  Spielbanken in Sachsen-Anhalt gehören  mehrheitlich zu Gauselmann. Die Spielbanken hätten von den verschärften Auflagen für Spielotheken profitiert, so Paul Gauselmann. 2018 steigerte das Unternehmen auch die Investitionen erheblich - und zwar um 35 Prozent auf 309 Millionen Euro. Unter anderem seien mehrere Firmen im Ausland (darunter der größte Sportwetten-Anbieter im Nachbarland Polen) erworben worden, um die Internationalisierung zu forcieren.

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