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So viel Plastikbehälter gibt es nicht in jedem Haushalt, aber fast jeder Haushalt besitzt mindestens eine Dose aus Plastik. - © picture alliance / Orlando Sentinel
So viel Plastikbehälter gibt es nicht in jedem Haushalt, aber fast jeder Haushalt besitzt mindestens eine Dose aus Plastik. | © picture alliance / Orlando Sentinel

Verpackungsmüll Mikroplastik und Weichmacher: Die Gefahr in der Brotdose

Tupperware und andere Plastikbehältnisse setzen bei ihrer Benutzung oft Mikroplastik und Weichmacher frei. Wie gefährlich sind die Stoffe und was sind die Alternativen zur berühmten Butterbrotsdose?

Friderieke Schulz
28.03.2019 | Stand 28.03.2019, 16:33 Uhr

Bielefeld. Wer sein Butterbrot mit zur Arbeit, in die Uni, Schule oder Kita nimmt, hat es häufig in einer Frischhaltedose aus Plastik verstaut. Damit, so glauben viele, tun sie sich und auch der Umwelt etwas Gutes, denn manche Dosen sind lebenslang verwendbar. Doch genau darin liegt der Irrglaube. Die Behältnisse sind nicht nur nicht so ökologisch wie es scheint, sondern können dem menschlichen Körper sogar schaden.

Grund dafür sind gefährliche Mikroplastiken und Weichmacher, die verwendet werden, um die Dose biegsam zu machen. Und auch das Grundmaterial von Tupperware und anderen Frischhalteboxen aus Plastik ist alles andere als unbedenklich. Es ist Erdöl. Aber auch in der Nutzung sind die Dosen unter Umständen alles andere als unbedenklich. Denn aus allen Kunststoffdosen löst sich laut Ökotest etwas heraus. Manche setzen nur in der Mikrowelle Formaldehyd frei, andere verlieren auch in der täglichen Nutzung Mikroplastik.

Je öfter eine Dose verwendet wird, umso mehr Schadstoffen setzt sie frei

"Vor allem bei älteren und etwas porös gewordenen Produkten lösen sich Partikel", sagt Milena Glimbovski. Die Bloggerin und Gründerin vom ersten Unverpackt-Laden in Deutschland hat sich viel mit dem Thema Verpackung beschäftigt. Prinzipiell befürwortet sie die mehrfache Verwendung von Behältnissen - genau darauf zielt schließlich auch das Konzept ihres Ladens ab. Doch die Verwendung der Plastikboxen sieht sie durchaus kritisch. "Durch die Erwärmung in der Mikrowelle oder das Befüllen der Dosen mit fettigen Lebensmitteln lösen sich Weichmacher und Mikroplastik", sagt sie. Zu den Folgen, was genau diese Mikroplastiken im menschlichen Körper auslösen, gibt es noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Dafür fehlt es schlicht an Langzeitstudien. Die Forscher vermuten jedoch, dass Mikroplastik hormonelle Auswirkungen haben könnte.

"Hier kann man aber nicht Tupper mit anderen Plastikbehältnissen vergleichen", sagt Glimbovski und auch anderen Studien belegen deutliche Unterschiede zwischen Herstellern. So sind gerade günstigere Plastikdosen vom Discounter meist von schlechterer Qualität. Ein wichtiges Merkmal, um die Qualität eines jeden Produktes zu prüfen, ist daher der Blick auf die Unterseite: "Wichtig ist, dass das Produkt BPA-frei ist." BPA, ist eine chemische Verbindung, die für die Herstellung von Kunststoffen eine wichtige Rolle spielt. Unter anderem wird es für die Herstellung von Polycarbonat (PC) verwendet - einem der am häufigsten verwendeten Kunststoffe.

Plastikdosen sollten BPA-frei sein

"Keine Bpa-freie Ware ist natürlich nicht so gut, aber ich bin kein Fan vom Wegwerfen. Man sollte das Produkt trotzdem aufbrauchen und erst dann ersetzen, wenn es porös wird", so die Berlinerin. Das sei jedoch nur eine Frage der Zeit, denn die lebenslange Haltbarkeit von Tupperware und anderen Plastikdosen ist ein Mythos, wie Tests der NDR-Sendung Markt belegen. Denn die wenigsten Dosen des Herstellers halten 30 Jahre ohne Risse und Schäden. Dann greift bei Tupperware zwar die Garantie, aber das ist nicht im Sinne von verschwendungsfreiem Leben, wie Glimbovski es befürwortet.

Sie ist dafür eher für Produkte mit einer besseren Ökobilanz: Zum Beispiel Glasbehälter oder Edelstahlboxen: "Bei beidem gibt es keine Sorge vor Weichmachern oder Mikroplastik." Trotzdem, auch das will die Befürworterin von Zero-Waste (dt.: keine Verschwendung) nicht verheimlichen, werden auch die meisten Edelstahlboxen in Indien gefertigt. Wichtig sei daher am Ende immer die Ökobilanz. Dabei spielen Fragen wie "Wie viel Ackerfläche wurde für die Produktion benutzt", "Wie viel Wasser wurde verwendet?", "Wie lange war die Lieferkette?", "Wie viel Müll entstand dabei?" und natürlich: "Wie langlebig ist das Produkt?".

Edelstahl und Glas sind die gesündesten Alternativen

Natürlich schneidet auch Tupperware dabei nicht schlecht ab, jedoch ist dabei auch der Faktor Mikroplastik und Weichmacher außer Acht gelassen. Hinzu kommt die schlechte Recyclingquote des Produktes nach der Verwendung. Doch Tupperware arbeitet daran, versucht das Kult-Produkt, dass zum Pseudonym für Plastikbehälter geworden ist, weiter zu optimieren und die Ökobilanz zunehmend zu verbessern. So werden immer mehr Produkte ohne BPA angeboten.

Die vermeintlich gute und absolut BPA-freie Alternative zum herkömmlichen Plastik, nämlich Bioplastik, schneidet ebenfalls schlecht ab, meint Glimbovski: "Es besteht aus Mais- oder Kartoffelstärke - Lebensmittel, die meiner Meinung nach lieber gegessen werden sollten. Ackerfläche für die Herstellung von Verpackungsmaterial zu verwenden widerstrebt meiner Auffassung einer guten Ökobilanz."

Für die Zero-Waste-Befürworterin stehen Behälter aus Edelstahl oder Glas weit oben. Auch die Wiederverwertung von Schraubgläsern, in denen zuvor Lebensmittel wie Gurken, Erbsen oder Marmelade gekauft wurden, findet sie sinnvoll. "Natürlich ist die Umstellung eine Gewohnheitssache, man sollte sich Zeit dabei lassen und sie ohne Druck machen", so Glimbovski. Dass das generelle Umdenken in der Gesellschaft einsetzt, zeigt der Erfolg der Unverpackt-Läden. Auch dort sieht die Berlinerin eine Vielfalt an Behältnissen unterschiedlichster Art. Auch Tupperware ist dabei, doch die wird zunehmend weniger: "Die Menschen wollen weg von Plastik - auch von den Dosen."

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