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Zeigt das Produktportfolio: Eduard Dörrenberg ist nun seit mehr als 20 Jahren geschäftzsführender Gesellschafter der Dr.-Wolff-Gruppe. Die Karte im Hintergrund zeigt die inzwischen 62 Märkte in aller Welt, auf denen die Bielefelder ihre Produkte verkaufen. - © Wolfgang Rudolf
Zeigt das Produktportfolio: Eduard Dörrenberg ist nun seit mehr als 20 Jahren geschäftzsführender Gesellschafter der Dr.-Wolff-Gruppe. Die Karte im Hintergrund zeigt die inzwischen 62 Märkte in aller Welt, auf denen die Bielefelder ihre Produkte verkaufen. | © Wolfgang Rudolf

Bielefelder Kosmetik- und Pharmaunternehmen Dr. Wolff sucht Digital-Fachleute für weiteren Wachstumsschub

Der Hersteller von Marken wie Alpecin, Plantur, Alcina und Linola hat den Umsatz erstmals über die Marke von 300 Millionen Euro geschraubt. Unternehmenschef Dörrenberg will Digitalisierung forcieren

Martin Krause
22.03.2019 | Stand 22.03.2019, 08:06 Uhr

Bielefeld. Vier Jahre lang war Eduard R. Dörrenberg in Singapur, um das Asien-Geschäft der Bielefelder Dr. Wolff-Gruppe anzuschieben. Im vergangenen Jahr kehrte der geschäftsführende Gesellschafter des Kosmetik- und Pharmaunternehmens zurück, und sein Heimatland sieht er nun mit anderen Augen. Der Sportfan zieht einen Vergleich: So, wie sich die Fußball-Nationalelf auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht habe,  den Wettbewerb unterschätzte und 2018 daher in  der Vorrunde der WM rausflog, so drohe es derzeit auch der Wirtschaft zu ergehen.

Ganz Europa habe in wichtigen Bereichen den Anschluss verloren, und Dörrenberg nennt vor allem die Digitalisierung. Während in Asien digital gepowert werde, beeindrucke Deutschland die Welt mit dem langsamsten Internet und Diskussionen über die digitale Entgiftung. Symbolisch für den Zustand des Landes sei das Verfahren, mit dem in den nächsten Jahren 43 Millionen alte Führerscheine umgetauscht werden sollen: Jeder Bürger müsse dafür ins Amt. "Das kostet uns viele Millionen Stunden- ein Irrsinn", stellt Dörrenberg fest.

Plantur legt 2018 das kräftigste Wachstum hin

Im eigenen Unternehmen (Dr. August Wolff/Dr. Kurt Wolff) will der Unternehmenschef, der die Dr.-Wolff-Gruppe nun seit 1998 führt, die Digitalisierung forcieren. In den  20 Jahren unter seiner Führung ist das Unternehmen kontinuierlich gewachsen, die Marke Alpecin wurde als Männershampoo neu positioniert,  die neuen Marken Vagisan, Plantur und Biorepair  sieht Dörrenberg als Marktführer in ihren Segmenten. Der Umsatz sei 2018 um weitere 4 Prozent auf 309 (Vorjahr 297,5) Millionen Euro gesteigert worden - und habe damit erstmals die Marke von 300 Millionen überschritten.

Besonders stark  - um 15 Prozent - sei 2018 die  Haarpflegemarke Plantur (gegen Haarausfall in den Wechseljahren) gewachsen, nicht zuletzt, weil innovative Produkte eingeführt wurden, die Farb-Verstärkung und Pflege miteinander kombinierten. Auch die gegen vaginale Trockenheit etablierte Pharmamarke Vagisan (plus 5 Prozent) habe sich überdurchschnittlich entwickelt. Die Markenfamilien Alpecin, Linola und Alcina haben ebenfalls leicht zugelegt, so Dörrenberg.

Künftig auch fluoridfreie Zahnpasta Karex für Kinder

Auch das Zahnpflegesegment mit den Marken Biorepair und Karex sei nach einer kurzen Wachstumsschwäche wieder in der Spur: "Der Oral-Care-Markt ist brutal umkämpft", erklärt Dörrenberg und verweist auf den Wettbewerb mit internationalen Großkonzernen wie Procter & Gamble oder Unilever. Doch sein Unternehmen werde sich mit langem Atem durchsetzen, "weil wir überzeugt sind, dass wir die besten Produkte haben". Im laufenden Jahr soll mit Kinder-Karex auch eine fluoridfreie Zahnpasta für die Jüngsten eingeführt werden.

Doch weil der stationäre Einzelhandel schwächelt und selbst Frisörsalons, in denen die Dr.-Wolff-Marke Alcina vertrieben wird, unter sinkenden Kundenfrequenzen  leiden, hält er den Aufbau neuer Vertriebs- und Marketingkanäle für notwendig. "Wir suchen 20 Digitalexperten in Bielefeld", sagt Dörrenberg und kündigt den Aufbau eines eigenen Coworking-Spaces in der Zentrale an.

Dr. Wolff eröffnet Büros in New York und Seoul

Um Talente zu interessieren will er das "employer branding" stärken und Dr. Wolff als Arbeitgeber attraktiver machen. Das Unternehmen soll eine eigene E-Commerce-Struktur entwickeln und seine Produkte verstärkt auch direkt vermarkten ("so wie heute schon in China jede dritte Flasche von uns online verkauft wird"). Und mit Dr. Wolff Venture soll eine eigene Einheit zum Aufbau von Startups gegründet werden.

Die Gewinnung guter Mitarbeiter gehöre zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben, beteuert Dörrenberg. Seit einiger Zeit sei es schwieriger geworden, die passenden Talente zu gewinnen.  Für das Scouting von Mitarbeitern, Beobachtung der Märkte und Vertrieb habe die Dr.-Wolff-Gruppe inzwischen eigene Büros in New York und Seouk (Südkorea) eröffnet.  Die Belegschaft wuchs 2018 von 650 auf nun 675 Mitarbeiter.

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