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Wirtschaft Gaststättenverbände in Ostwestfalen-Lippe stöhnen über Bürokratie

Das Hotel- und Gaststättengewerbe in OWL hat 2018 gut 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. An die Politik stellt es dennoch Forderungen

Max Maschmann
22.01.2019 | Stand 21.01.2019, 22:42 Uhr

Bielefeld. Die Deutschen Hotel- und Gaststättenverbände (DEHOGA) in Ostwestfalen und Lippe fordern eine Entbürokratisierung in der Gastronomie. Sie wollen eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, Anpassungen von Minijobs und ein vereinfachtes Steuersystem. Die Gastronomie-Branche zählt landesweit zu den umsatzstärksten Branchen überhaupt. 16,3 Milliarden Euro erwirtschafteten die Gastronomen allein 2018 in NRW. Zum Vergleich: Die Möbelindustrie ist davon mit Umsätzen von 6,4 Milliarden vergleichsweise weit entfernt. Allein in OWL erwirtschaftete die Branche gut 1,7 Milliarden Euro Umsatz in 4.560 Betrieben mit 45.000 sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitern. An der Spitze der DEHOGA in der Region steht seit Anfang Oktober Regine Tönsing, die vom Präsidium zur Hauptgeschäftsführerin bestellt worden ist. „Meine Aufgabe ist es, die vielen kleinen Stimmen, die wir durch unsere teilnehmenden Betriebe haben, zu einer großen zu formen", sagt Tönsing, die sich in ihrem neuen Umfeld inzwischen gut eingearbeitet fühlt. Das Jahr 2018 ist für die heimische Gastronomie überwiegend positiv verlaufen. Das spiegelt sich in der leichten Zunahme des Umsatzes oder der gestiegenen Zahl von Hotelübernachtungen, die gegenwärtig bei 6,8 Millionen liegt. Auch das Weihnachtsgeschäft ist aus Sicht der Gastronomen erfreulich verlaufen. Gastronomiebetrieben fehlt Personal Unerfreulich dagegen: Das frühe Aus der Fußball-Nationalmannschaft bei der WM hat vielen Gastronomen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Generell wurde der heiße Sommer zwiespältig beurteilt. Biergartenbesitzer haben so ein lohnendes Geschäft gemacht, während Mitbewerber ohne Außengastronomie wenig verdienten. Problematisch findet die DEHOGA auch, dass immer mehr Betriebe ihre Öffnungszeiten oder Konzepte ändern, weil kein Personal vorhanden ist. Manch alt eingesessener Betrieb muss sogar schließen, weil keine Nachfolge für den Gastronomen in Sicht ist. Angesichts von Personalknappheit und hoher Arbeitsbelastung wird es besonders für diese Betriebe schwieriger, die Betriebshygiene zu dokumentieren, erklärt Regine Tönsing. Um diese Betriebe zu entlasten, fordert die DEHOGA den Abbau von Bürokratie. Dafür soll das Arbeitszeitgesetz flexibilisiert werden. Nach Wunsch der DEHOGA sollen Arbeitnehmer ihre Wochenstunden künftig freier aufteilen können – ohne mehr arbeiten zu müssen. "Minijob schleichend entwertet" Verbesserungspotenzial sehen die beiden heimischen Verbände auch bei den Minijobs. „Durch den gestiegenen Stundenlohn ist der Minijob schleichend entwertet worden", sagt Tönsing. Hier fordern die Verbände, dass die Verdienstgrenze von derzeit 450 Euro deutlich heraufgesetzt wird. Nicht zuletzt sehen sie die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze kritisch. Die Wurst zum Mitnehmen an der Metzgertheke wird mit sieben Prozent besteuert. Wer sie aber am Stehtisch vor dem Tresen verzehrt, muss 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. Die Verbände fordern künftig Gleichbehandlung mit sieben Prozent.

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