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Könnten bald alle Straßen in Schweden elektrifiziert sein? Die Regierung arbeitet mit Hochdruck an einem solchen Projekt. - © picture alliance
Könnten bald alle Straßen in Schweden elektrifiziert sein? Die Regierung arbeitet mit Hochdruck an einem solchen Projekt. | © picture alliance

Stockholm In Schweden gibt es eine Straße, die Elektroautos automatisch auflädt

Jetzt kommt die Ladestation direkt zum Auto: In Schweden wird mit einer elektrifizierten Straße experimentiert. Und auch in Deutschland gibt es ähnliche Modellversuche.

Matthias Schwarzer
23.11.2018 | Stand 23.11.2018, 07:34 Uhr

Stockholm. Eines der größten Probleme von Elektroautos ist noch immer die Reichweite. Viele Modelle schaffen gerade mal 200 Kilometer am Stück - selbst bei neuen Wagen der Autohersteller ist nach maximal 400 Kilometern Schluss. Das reicht zwar für den Alltag, ist für Langstrecken aber oftmals ungeeignet. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder solange warten, bis die Autobauer eine Lösung gefunden haben - oder man löst das Problem einfach von der anderen Seite. Nahe der schwedischen Hauptstadt Stockholm passiert genau das. Hier hat im Frühjahr die erste Straße eröffnet, die Autos während der Fahrt automatisch auflädt. In der Praxis funktioniert das so: Fährt ein E-Auto oder E-Truck über die Straße, fährt dieses an der Unterseite einen beweglichen Arm aus. Dieser dockt automatisch unten an die Straße an, auf der sich eine Ladelinie befindet - und koppelt sich auch umgehend ab, sobald man überholen oder abbiegen möchte. Wie das funktioniert, zeigt dieses Video: Emissionsfreier Güterverkehr bis 2030 Besonders interessant: Der ganze Spaß soll bei jedem Wind und Wetter funktionieren. Selbst wenn Schnee auf der Straße liegt, kann das Auto an die Ladestation andocken. Nebenbei soll das Laden auch völlig ungefährlich sein: Der Strom befindet sich nicht direkt an der Oberfläche, sondern einige Zentimeter darunter. Laut Betreiber sei es gefahrlos möglich, "barfuß über die Straße zu laufen". Derzeit handelt es sich bei der Straße nur um eine Teststrecke. Die schwedische Regierung jedoch glaubt fest an die Elektromobilität und will die Straße schon bald erweitern. Pro Kilometer soll die Elektrifizierung rund eine Million Euro kosten - damit wäre das System im Bau sogar 50 mal günstiger als eine Straßenbahnstrecke. Bis 2030 will Schweden fossile Brennstoffe durch das Projekt um 70 Prozent reduzieren. Schweden ist nicht das einzige Land, das mit ladenden Straßen experimentiert. Ähnliche Projekte gibt es auch in Frankreich, Holland, Australien und China. Und auch Deutschland forscht zum Thema - jedoch mit anderer Herangehensweise. Der Stichwort heißt hier: Oberleitung. Siemens und Scania testen in Deutschland Die A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt wird derzeit zum "eHighway" umgebaut. Ab 2019 sollen hier Elektro-Lastwagen mit Strom versorgt werden. Dafür werden 231 Masten mit Strom errichtet, die die Fahrzeuge von oben laden können. Auch hier dockt ein Arm, der an der oberen Seite des Lastwagens angebracht ist, automatisch an die Ladeleitung an. Der Test soll zeigen, ob es sich langfristig rentiert, die deutschen Straßen zu elektrifizieren. Das Bundesumweltministerium sieht darin die Lösung, den Güterverkehr auf den Straßen in Zukunft umweltfreundlicher zu gestalten - für Autos ist das Projekt derzeit nicht gedacht. Für die Erprobung werden Hybrid-Lkw eingesetzt, die auf der Teststrecke den Strom aus der Oberleitung nutzen und für den weiteren Weg von einem Dieselmotor angetrieben werden. Umgesetzt wird das Projekt vom Unternehmen Siemens, das jahrelange Erfahrung mit der Technik im Bahnverkehr hat sowie dem Lkw-Hersteller Scania. Geplant sind noch zwei weitere Teststrecken in Deutschland: auf der Autobahn 1 bei Lübeck und auf einer Bundesstraße in Baden-Württemberg.

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