Wer die gängigen Umgangsformen im Beruf beherrscht, wirkt automatisch sicherer, sagen Experten. - © picture alliance / PhotoAlto
Wer die gängigen Umgangsformen im Beruf beherrscht, wirkt automatisch sicherer, sagen Experten. | © picture alliance / PhotoAlto

Bielefeld Business-Etikette: Die richtigen Umgangsformen im Büro

Experten aus der Region geben Tipps

Bielefeld. Viele Betriebe bemängeln die Umgangsformen von Jugendlichen. Bei der Arbeit, im Vorstellungsgespräch und beim Umgang mit dem Chef herrscht ein anderer Ton als beim Treffen mit den Freunden oder daheim auf dem Sofa. Was gilt es zu beachten? Fragen und Antworten zum Thema Business-Etikette:

Disziplin

Inge Wolff, Vorsitzende des Arbeitskreises Umgangformen International in Bielefeld, beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Umgangsformen. "Das Wort Disziplin" verwendet sie so gut wie nie. Besonders wichtig im Umgang sind nämlich  Eigenschaften wie Respekt, Wertschätzung und Achtung, sagt Wolff.

Inge Wolff ist die Vorsitzende des Arbeitskreises Umgangsformen International in Bielefeld. - © Inge Wolff
Inge Wolff ist die Vorsitzende des Arbeitskreises Umgangsformen International in Bielefeld. | © Inge Wolff

Starre Regeln gibt es kaum. Aber es gibt nach wie vor gängige Gepflogenheiten. Zum Gruß die Hand zu geben, ist zum Beispiel das Vorrecht des Vorgesetzten. Dasselbe gilt für das Sie und das Du. Auch hierbei entscheidet der nächste Vorgesetzte, welche Form gewählt wird.

Erster Eindruck

Ein souveränes Auftreten ist sehr wichtig, sagt Birte Steinkamp, Zertifizierte Trainerin für Business-Etikette aus Lübbecke. Auch für Berufsstarter. Ordentliche Kleidung, Blickkontakt und eine gerade Haltung können in den ersten Sekunden eines Gesprächs bereits für einen guten Eindruck sorgen.

Händedruck

Es ist wichtig, dass man beim Händedruck fest steht und nicht in Bewegung ist, sagt Steinkamp. Blickkontakt gehört dazu. "Der Händedruck darf ruhig drei Sekunden dauern und sollte fest und bestimmt sein", sagt Steinkamp. Das drückt Souveränität und Selbstbewusstsein aus. Weder sollte zu fest zugedrückt, noch die andere Hand zu lasch angefasst werden. Und: "Die andere Hand nicht wild schütteln."

Small Talk

Bei einem Vorstellungsgespräch sollte die einladende Seite mit dem Small Talk beginnen, sagt Wolff. Somit bestimmt sie auch das Thema. Für andere Gelegenheiten gilt: Es gibt Tabuthemen. Dazu gehören neben Fragen nach Geld auch Politik, Tod, Krankheit und Religion. Vorsicht auch mit persönlichen Wertungen zu bestimmten Themen. Sie könnten für andere positive Themen ins Negative zerren. Auch das Wetter kann ein Tabuthema sein. Es hilft nur beim Einstieg oder wenn es zum Beispiel bei der Anreise zu einem Termin eine Rolle spielt. Was bleibt? Tagesaktuelle Ereignisse. Auch das Thema des Meetings oder des Seminars taugt für den Small Talk.

Birte Steinkamp ist zertifizierte Trainerin für Business-Etikette. - © Tanja Meuthen Copertino / AWAKENbeauty
Birte Steinkamp ist zertifizierte Trainerin für Business-Etikette. | © Tanja Meuthen Copertino / AWAKENbeauty


Pünktlichkeit

Besonders zum Vorstellungsgespräch sollte man keineswegs zu spät kommen, rät Wolff. Es kann hilfreich sein, kurzfristig noch einmal die Wege für die Anfahrt zu checken und sicherzugehen, dass es zum Beispiel wegen Baustellen nicht zu Verzögerungen kommt. Fünf Minuten vorher sollten Bewerber da sein. Handelt es sich um einen großen Betrieb, könnte der Weg vom Pförtner zum Gesprächsraum länger sein. Das sollten Bewerber beachten, sagt Wolff.

Digitale Ansprache

Weil die Distanz in einer E-Mail-Kommunikation besonders hoch ist, sollten Formulierungen besonders höflich sein, sagt Steinkamp. Eine seriöse E-Mail Adresse, die den vollständigen Namen enthält, ist wichtig.

Dresscode

Das hängt von der Branche ab. Durchsichtige Kleidung, zu viel Haut oder gar Löcher in der Bluse gehen aber gar nicht, sagt Steinkamp. Ein Tipp von ihr: Ein Kragen wirkt immer etwas seriöser.

Häufige Fehler

Unsicherheit oder Selbstüberschätzung - beides ist besonders Berufsstartern nicht zu empfehlen, sagt Steinkamp. Unsicherheit führt unter Umständen zu einem schlechten Gespräch und dazu, dass der Bewerber keinen Blickkontakt hält. Übertriebene Coolness dagegen kann schnell unsympatisch wirken. Wolff stellt immer häufiger fest, dass sich die Menschen bei der Nutzung von Du oder Sie unsicher sind. Unsicher sind viele auch beim Vorstellen eines anderen, so Wolff. Wer wem zuerst vorgestellt wird, ist abhängig von den Hierarchiestufen: Der Chef hat das Recht, den Namen zuerst zu erfahren.

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