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Trennen sich: VW muss Wolfgang Jüttemeiers Tiguan zurücknehmen. So will es das Landgericht Paderborn. Foto: Marc Köppelmann - © www.sportpictures.de
Trennen sich: VW muss Wolfgang Jüttemeiers Tiguan zurücknehmen. So will es das Landgericht Paderborn. Foto: Marc Köppelmann | © www.sportpictures.de

Wirtschaft Klage: Kunde siegt über VW

Landgericht Paderborn: Die Wolfsburger müssen einen Diesel-Tiguan zurücknehmen. Wolfgang Jüttemeier aus Geseke fühlt sich betrogen

Jutta Steinmetz
08.04.2017 | Stand 07.04.2017, 21:51 Uhr

Paderborn. Dass VW vorsätzlich seine Kunden täuschte, als bei Dieselfahrzeugen mit einer Spezialsoftware auf dem Prüfstand für gute Abgaswerte gesorgt wurde, schreibt das Landgericht Paderborn dem Konzern ins Stammbuch. Die 2. Zivilkammer gab der Klage eines Autofahrers aus Geseke statt. Die Wolfsburger müssen seinen Tiguan zurücknehmen. Doch bis das Urteil umgesetzt wird und Wolfgang Jüttemeier die ihm zugesprochenen 24.127 Euro – das ist der Kaufpreis des Tiguan abzüglich der finanziell bewerteten rund 53.000 Kilometer Laufleistung – auf seinem Konto verbuchen darf, wird es noch lange dauern. So lag es für den Vorsitzenden Richter Lambert Löer auf der Hand, dass VW die Entscheidung in der nächsten Instanz überprüfen lassen wird. Schließlich haben bereits andere Gerichte gleichermaßen entschieden, Rechtskraft erlangte bislang keines der Urteile. Zuvor hatte der treue Volkswagenkunde Jüttemeier seinem Ärger Luft gemacht. „Ich fühle mich betrogen.“ Schließlich habe VW den Tiguan als „saubersten Diesel, den es gibt“ beworben, erinnerte sich der Geseker. Und doch hatte er ein offenes Ohr für die Anregung des Vorsitzenden Richters, sich mit dem Konzern zu einigen. „Ich wünsche mir mein Fahrzeug – aber in sauberer Ausführung.“ Ein Vergleich indes scheiterte. Schließlich verlangt VW in einem solchen Fall, dass die Anwälte eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben. „Das mache ich nicht“, konstatierte Marco Rogert, dessen Kanzlei die Interessen einer Vielzahl von VW-Kunden vertritt. Zudem mochte weder ein entscheidungsbefugtes Mitglied des Konzerns noch ein entsprechend beauftragter Interessenvertreter an der Verhandlung teilnehmen. Die Wolfsburger entsandten einen unterbeauftragten Anwalt ohne Entscheidungsbefugnis. „Das hat mit moderner Konfliktlösung nichts zu tun“, kritisierte Richter Löer. Kundenschelte von VW gab es trotzdem. Autokäufer, die wie Jüttemeier die kostenlosen Software-Updates verweigerten und auf eine Rücknahme klagten, machten einen „überzogenen Anspruch geltend, der auf dem Vergleichswege durchgesetzt werden soll“, sagte Hendric Labonté, der für VW auf der Seite der Beklagten saß. Az.: 2 O 118/16

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