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Jürgen Budde (links) und Indus-Vorstandsvorsitzender Jürgen Abrumeit - © FOTO: REIMAR OTT
Jürgen Budde (links) und Indus-Vorstandsvorsitzender Jürgen Abrumeit | © FOTO: REIMAR OTT

Bielefeld Indus schnappt sich erneut Mittelständler

Beteiligungsgesellschaft übernimmt Mehrheit von Rolko / Budde seit vergangenem Jahr im Portfolio

VON WILFRIED MASSMANN
17.04.2014 | Stand 16.04.2014, 16:35 Uhr

Bielefeld. Die Beteiligungsgesellschaft Indus Holding AG hat als 41. Unternehmen die Firma Rolko Kohlgrüber GmbH aus Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) in ihr Portfolio aufgenommen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamts, übernimmt Indus drei Viertel der Gesellschafteranteile des Familienunternehmens, das nach eigenen Angaben zu den führenden Anbietern von Rehabilitationszubehör und Industriegüterartikeln gehört.

Wie Jürgen Abromeit (53), Vorstandsvorsitzender der 1985 gegründeten Beteiligungsgesellschaft gegenüber dieser Zeitung betonte, wird "nur in Hidden Champions des Mittelstandes" investiert. "Erfahrung, Entscheidungsbereitschaft, Kompetenz und Engagement zählen zu den besonderen Stärken dieser Unternehmen und ihrer Mitarbeiter." In vielen Fällen, so auch bei Rolko, oder dem im vorigem Jahr mehrheitlich übernommenen Bielefelder Förderanlagen-Spezialisten Budde, hält die Muttergesellschaft 75 Prozent an Produktionsfirmen, die oft als Privatunternehmen gegründet und geführt werden.

Die Indus-Führung sieht ihre AG als Mittelstandsholding im deutschsprachigen In- und Ausland. Ausdrücklich als Beteiligungsgesellschaft, nicht als Fonds oder als Privat Equity (Außerbörsliches Eigenkapital). Problembetriebe, die hochgepäppelt und gewinnbringend weiter verkauft werden, stehen nicht auf der Einkaufsliste, Start-ups werden auch nicht übernommen.

Häufig sind Führungs- und Generationsfragen, aber auch der Wunsch   nach einem starken Partner für die Zukunft, Grund für Mittelständler, sich der Beteiligungsfirma anzuvertrauen. Vermehrt sind auch  Ausgliederungen aus Konzernen gefragt. Die Umsatzzielgrößen der Tochterfirmen liegen zwischen 20 und 100 Millionen Euro.

Diplom-Kaufmann Jürgen Budde (57) suchte gemeinsam mit seinem Bruder und Mitgesellschafter nach einem Weg in die Firmenzukunft. Seit 2013 ist er allein noch mit 25 Prozent bei Indus Mitgesellschafter und versichert: "Wir haben den Schritt noch nicht einen Moment lang bereut." Der Förderanlagen-Spezialist sieht seine Firma weiter als guten Arbeitgeber, der auch  langfristig zum Standort steht. Und er ist zufrieden darüber, "dass wir heute bankenunabhängig sind".

Die Unternehmen betreiben weiterhin ihr operatives Geschäft in eigener Verantwortung. Forschung, Produktion, Marketing oder Vertrieb bleiben in ihren Händen. Die Führungsgesellschaft übernimmt Beratungs- und Coachingsfunktion gegenüber der lokalen Geschäftsführung. Vorstandschef Abromeit: "Da kämpft aber kein Betrieb mehr um seine Finanzierung, um Steuern oder Bilanzierung - da kümmern wir uns drum." Alle Tochterunternehmen, versichert er, sind schuldenfrei.

Das "Geschäftsmodell Mittelstands-Holding" von Indus im deutschsprachigen In- und Ausland hat sich gut entwickelt. Mit rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz und einer jährlich angestrebten EBIT-Marge von mehr als zehn Prozent sind AG-Führung und Aktionäre recht zufrieden. Größter Einzelaktionär mit knapp 20 Prozent ist die Versicherungskammer Bayern. Die übrigen Werte sind im Streubesitz. Die Indus-Eigenkapitalquote liegt bei fast 40 Prozent. Vorstandsvorsitzender der Führungsgesellschaft war bis Mitte 2012 zehn Jahre lang der Bielefelder Banker Helmut Ruwisch (67).

Die Beteiligungsgesellschaft, die börsennotiert im F-Dax gehandelt wird, investiert strategisch in vier "industrielle Megatrends": Medizin- und Gesundheitstechnik, Verkehrstechnik / Infrastruktur / Logistik, Automatisierungs-, Mess- und Regeltechnik sowie Energie- und Umwelttechnik. Neben Budde (Bielefeld) und Rolko (Borgholzhausen) liegen folgende Indus-Tochterunternehmen in der Region: Obuk Haustürfüllungen (Oelde), Remko Klima- und Wärmetechnik (Lage), Kieback und Schäfer (beide Osnabrück) und GSR Ventiltechnik (Vlotho).

Indus-Vorstandsvorsitzender Abromeit unterstreicht: "Unser Ziel ist es, einen Querschnitt der in der Zukunft relevanten Industriebranchen abzubilden."

Information
Export in 40 Länder

Die Rolko Kohlgrüber GmbH zählt nach Firmenangaben zu den führenden Anbietern von Rehabilitationszubehör und Industriegüterartikeln. Das weltweit agierende Unternehmen mit Standorten in Europa und China vertreibt seine Produkte in mehr als 40 Ländern. Die Geschichte des heute in Borgholzhausen ansässigen Unternehmens begann in den 1960er Jahren mit dem Vertrieb von Rädern und Rollern für Industrie und Handel. In den 80er Jahren verlagerte sich das Geschäft auf ein eigenständiges Fertigungs- und Handelsunternehmen.

1990 gründeten Willi Kohlgrüber und Sohn Achim das Familienunternehmen Rolko Kohlgrüber. 1998 folgte ein Tochterunternehmen in Dänemark, 2000 eine Firma in den Niederlanden und 2006 ein Werk in China.

2013 erzielte Rolko mit mehr als 150 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro. Der Umsatzschwerpunkt liegt in Deutschland und dem angrenzenden Ausland. Unter den größten zehn Kunden finden sich Originalausrüstungshersteller für Rehabilitationsmittel und Sanitätshausketten. Wichtig ist auch das Ersatzteilgeschäft, für das in Borgholzhausen ein Zentrallager mit rund 13.000 Artikeln geführt wird.

Nach Übernahme von Rolko durch die Indus AG mit 75 Prozent der Geschäftsanteile scheidet Firmengründer Willi Kohlgrüber aus dem Unternehmen aus. Sein Sohn Achim bleibt als Geschäftsführer tätig. Er hält weiterhin 25 Prozent der Anteile. ,,Rolko wird Teil einer starken Gruppe und bleibt doch eigenständig", erklärt Kohlgrüber. (ass)

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