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Pakete und Päckchen: 2018 sind 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel in Deutschland zurückgesandt worden. - © picture alliance
Pakete und Päckchen: 2018 sind 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel in Deutschland zurückgesandt worden. | © picture alliance

Umwelt Verpackungsmüll: Zalando startet Versuch mit Paketen

Der Online-Versandhändler plant einen Test für eine wiederverwertbare Verpackung. Auch Amazon will mehr in den Umweltschutz investieren. Doch der Erfolg der Offensiven ist vor allem vom Verhalten der Verbraucher abhängig

22.05.2019 | Stand 22.05.2019, 14:43 Uhr

Berlin (dpa/nw). Der Online-Versandhändler Zalando will den Versand seiner Pakete nachhaltiger machen. Das Unternehmen plant einen Pilotversuch für eine wiederverwertbare Verpackung. "Der Kunde kann den Karton oder die Versandtasche an uns zurücksenden und wir können ihn dann erneut nutzen", erklärt Uwe Streiber, Verpackungsmanagement-Teamleiter bei Zalando, der Rheinischen Post. Bei dem Projekt gilt laut Streiber: "Je häufiger, desto besser für die Umwelt." Der Test soll in der zweiten Jahreshälfte in mehreren Ländern starten. Um die Umweltbelastungen durch den immer stärker werdenden Online-Handel zusätzlich zu reduzieren, will Zalando ab Juni zudem Beauty-Produkte in Papier- statt Plastikverpackungen verschicken. In der zweiten Jahreshälfte soll es darüber hinaus Tests geben, wie sich Plastik vermeiden lässt. "Wir wollen eine bessere Lösung als die Polybeutel finden, in denen die Kleidung heute in der Regel eingeschweißt ist", sagt Melanie Hultsch, die sich bei Zalando um das Thema Nachhaltigkeit kümmert der Rheinischen Post. "Retournierte Artikel verpacken wir selbst wieder in Polybeutel - das ist der Hebel, an dem wir ansetzen können, indem wir zum Beispiel Papieralternativen ausprobieren oder wie schon jetzt recycelte Kunststoffe verwenden." Bei Zalando entfallen 13 Prozent der CO2-Emissionen auf den Bereich der Verpackung. In Deutschland wird jedes sechste Paket zurückgeschickt Der Online-Handel wächst seit Jahren. Allein im vergangenen Jahr haben die Online-Kunden in Deutschland 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel zurückgeschickt. Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bamberg haben herausgefunden, dass die Deutschen im Durchschnitt jedes sechste Paket wieder zurückschicken. "Damit entstehen Gesamtkosten in Höhe von schätzungsweise 5,46 Milliarden Euro, die einerseits die Kunden durch höhere Marktpreise tragen, andererseits die Margen der E-Commerce-Händler belasten", erklärt Björn Asdecker von der Forschungsgruppe Retourenmanagement. Zudem belasten die Retouren das Klima. "So viel wie täglich 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau oder 238.000 Tonnen CO2 im vergangenen Jahr", ergänzt Asdecker. Die im Markt üblicherweise eingeräumte Widerrufsfrist von 28 Tagen liege weit über den gesetzlich vorgeschriebenen 14 Tagen. Auch Amazon will mehr für den Umweltschutz tun Der Internet-Versandhandel hat nach Angaben des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland 2018 Waren für 65,1 Milliarden Euro verkauft. Im laufenden Jahr rechnet der Verband mit elf Prozent Zuwachs auf 72 Milliarden. Neben Zalando hat auch der US-Versandhändler Amazon angekündigt, mehr für den Umweltschutz zu tun. Das Unternehmen hat im Februar das Projekt Shipment Zero ins Leben gerufen. Bis 2030 soll die Hälfte aller Bestellungen klimaneutral versendet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, will Amazon unter anderem in Elektroautos, wiederverwendbare Verpackungen und erneuerbare Energien investieren. Auch die Zulieferer sollen in die Bemühungen einbezogen werden. Als langfristiges Ziel hat Amazon zudem angegeben, zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umsteigen zu wollen. Beim Transport sollen in Zukunft keine Treibhausgase mehr verursacht werden oder die Emissionen werden durch Klimaschutzmaßnahmen an anderer Stelle kompensiert.

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