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Ganz entspannt: Abgeschieden in der Natur zu campen, ist die Idee hinter der neuen Plattform.  - © SEBASTIAN-SERVAN SIEGBERT
Ganz entspannt: Abgeschieden in der Natur zu campen, ist die Idee hinter der neuen Plattform.  | © SEBASTIAN-SERVAN SIEGBERT

Startup-Gründung Campingplatz buchen leicht gemacht

Camping boomt auch in Corona-Zeiten: Wildes Campen kann in Deutschland mitunter mehrere Tausend Euro Bußgeld nach sich ziehen. Das Bielefelder Start-up-Unternehmen VanSite bietet nun eine legale Alternative an, um abgeschiedene Ort zu finden.

Niklas Tüns
30.09.2020 | Stand 08.10.2020, 16:45 Uhr

Die Idee entstand am Mensa-Tisch der Uni: Maximilian Buschmeyer und Sebastian Siegbert unterhielten sich über Camping, eine bei den beiden Studenten beliebte Freizeitaktivität. Natur und Abgeschiedenheit fernab größerer Campingplätze wollten sie erleben. Doch wie findet man solche Orte in Deutschland, ohne dass man illegal wild campt? Es braucht eine passende Plattform dafür, fanden die Studenten. Gemeinsam mit Carolin König und Alexander Herbst haben sie VanSite gegründet, das Internetportal ist in diesem Sommer an den Start gegangen.

Campingplatz buchen auf vansite.eu

Reisende können einen Platz für ihr Wohnmobil, ihren Bulli oder einfach nur für ein Zelt auf vansite.eu buchen. Etwa 80 Grundstückseigentümer, die ihre Privatflächen anbieten, haben sich bislang auf der Plattform registriert. Bauernhöfe, Flugplätze und Wiesen – zum Beispiel eine in Delbrück – gehören zu den angebotenen Orten.

Wichtig ist den Gründern des Start-ups, dass die Camper während ihrer Reise die Ruhe genießen können. „Unser Ziel ist es, die Natur in den Vordergrund zu stellen", sagt Maximilian Buschmeyer. „Ein Parkplatz in der Stadt passt nicht zu unserer Vorstellung." Buschmeyer selbst war in der Vergangenheit für drei Monate zum Surfen in Neuseeland unterwegs. Dabei sei er mit einem Bulli unabhängig gewesen. „Dieses individuelle Reisen hat uns in Deutschland gefehlt", meint der Paderborner Student. „Natürlich gibt es hier Campingplätze, aber wir möchten nicht mit 300 anderen Campern Wagen an Wagen urlauben."

Camping ist beliebt bei Studenten

Auf eigene Faust einen Stellplatz in der Natur zu finden, gestaltet sich schwierig. NRW-weit ist das Campieren und Zelten im Wald verboten, teilt beispielsweise das Umweltamt des Kreises Paderborn mit. Im Kreisgebiet, wie in den meisten Kreisen, sei das Campen zudem in geschützten Landschaftsbereichen untersagt. Doch auch außerhalb von Schutzgebieten seien Regelungen zu beachten, so das Umweltamt. Das Bundesnaturschutzgesetz verbiete die Störung und Beeinträchtigung von wildlebenden Tieren. Wildcamping kann – je nach Bundesland – bis zu mehrere Tausend Euro Bußgeld nach sich ziehen.

„Erlaubt ist, die Fahrtüchtigkeit wiederherzustellen, wenn man zum Beispiel übermüdet ist", erläutert Buschmeyer eine rechtliche Regelung. Dies sei jedoch eine Grauzone. VanSite biete eine legale Alternative, „bei der man nicht im Hinterkopf haben muss, dass die Polizei kommen könnte", sagt er.

Bis zu drei Reisegruppen dürfen in Nordrhein-Westfalen auf einem Privatgelände campen, ab vier Stellplätzen gelte es als Campingplatz. Kern des Konzepts sei aber ohnehin, dass die Anbieter im Normalfall nur einen Platz vergeben. Sie können selber entscheiden, wen sie empfangen möchten, und im Anschluss ihre Gäste bewerten. VanSite bittet den künftigen Reisenden, sich an die Community-Regeln zu halten. Am wichtigsten, so steht es auf der Internetseite, sei es, die Stellflächen mindestens so sauber zu verlassen, wie die Camper sie vorgefunden haben.

Camping-Startup erhält finanzielle Unterstützung

In der Preisgestaltung sind die Anbieter frei. „15 Euro halten wir für einen fairen Preis", nennt Buschmeyer die Empfehlung seitens der Gründer. Die Übernachtungskosten hingen letztlich auch davon ab, ob den Reisenden eine Toilette zur Verfügung steht oder sie eine eigene nutzen müssen. 20 Prozent des Geldes gehen an das Start-up sowie an Paypal als Bezahldienstleister.

Finanzielle Förderung erhalten die VanSite-Betreiber seit März dank des Gründerstipendiums NRW. Buschmeyer: „Damit sind wir ein Jahr versorgt." Unterstützt werden sie zudem durch die „Garage 33", dem Innovationsquartier der Universität Paderborn. Hier haben sie auch ein Büro bezogen. Alle vier Gründer befinden sich derzeit noch in ihrem Studium an der Paderborner Uni. „Mein Fokus liegt aber nun darauf, das Unternehmen weiterzubringen. Die Masterarbeit kann auch warten", erklärt Maximilian Buschmeyer, der Wirtschaftsingenieurwesen studiert.

Gerade die Akquise nehme viel Zeit in Anspruch. „In der Region machen wir auch mal persönliche Besuche bei den Anbietern", berichtet Buschmeyer. Als Fallschirmspringer besitze er ein Netzwerk mit Kontakten zu Flugplätzen, auf denen der Lärm gerade an Werktagen überschaubar sei. Über Tourismuszentralen und Landwirtschaftsverbänden suchen die Gründer Kontakt zu Ferienhöfen.

Zunächst konzentriert sich das Quartett auf Deutschland. „Wir haben hier wunderschöne Ecken, die einem gar nicht bewusst sind", sagt Buschmeyer. Diese Ecken bei einer individuellen Rundreise zu entdecken, soll mit VanSite demnächst auch möglich sein. Genau so, wie es in der Mensa erdacht wurde.

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