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Umsatzeinbrüche: Die Corona-Krise bremst auch die Hersteller von Robotern.  - © Julian Stratenschulte/dpa
Umsatzeinbrüche: Die Corona-Krise bremst auch die Hersteller von Robotern.  | © Julian Stratenschulte/dpa

Maschinenbau Große Effizienzpotenziale

Weltmarktführer-Studie: 69 Prozent der deutschen Maschinenbauer verfügen über Effizienzreserven. Der Neustart nach Corona soll als strategische Chance genutzt werden.

12.08.2020 | Stand 11.08.2020, 15:51 Uhr

Obwohl der deutsche Maschinen- und Anlagenbau schon vor der Corona-Krise mit einem weltweiten Konjunktureinbruch, Handelskonflikten und strukturellen Problemen in der Automobilindustrie zu kämpfen hatte, wurden in vielen Unternehmen Effizienzpotenziale liegengelassen.

Wie eine noch kurz vor dem Lockdown von der Staufen AG durchgeführte Umfrage unter rund 90 weltmarktführenden Maschinen- und Anlagenbauern aus Deutschland, von denen auch Unternehmen aus Ostwestfalen-Lippe kommen, zeigt, verfügten zum Zeitpunkt des Pandemie-Ausbruchs gut zwei Drittel der Unternehmen nach eigener Einschätzung über erhebliche Effizienzreserven. Im Zuge des Wiederanlaufs der deutschen Industrie gilt es, diese nun schnell zu heben.

„Wie unsere Studie weiter zeigt, räumen selbst unter den Weltmarktführen mehr als 50 Prozent der Unternehmen ein, trotz der seit langem angespannten Lage im Maschinenbau in den vergangenen Jahren ’Speck angesetzt’ zu haben", erläutert Björn Falk, der bei der Unternehmensberatung Staufen als Branchenmanager den Maschinenbau-Sektor verantwortet.

SCHWERE PLANBARKEIT DER INVESTITIONEN
„Die Gründe für die unterlassenen Effizienzmaßnahmen sind den befragten Unternehmen aber durchaus bewusst. So haben beispielsweise fast drei Viertel der Unternehmen (71 Prozent) Probleme mit der Planbarkeit ihrer Investitionen, da sich das Rad wirtschaftlicher, technologischer sowie politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen immer schneller dreht."

Trotzdem fühlten sich viele der Unternehmen – zumindest bis zum Covid-19-Ausbruch – gut für die Zukunft gerüstet. So gab eine Mehrheit der Unternehmen an, dass sich bei ihnen in den vergangenen drei Jahren besonders die Unternehmenskultur (in 77 Prozent der Unternehmen), die Innovationsstrategie (73 Prozent) sowie die Produktpalette (64 Prozent) stark bzw. sehr stark den neuen Rahmenbedingungen angepasst haben. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen veränderten sogar ihr Geschäftsmodell.

Auch die Reaktionsfähigkeit auf äußere Einflüsse hat sich nach Aussage der befragten Industriemanager verbessert. Trotzdem liegt der Planungshorizont fast aller Unternehmen (94 Prozent) immer noch bei mindestens einem Jahr, bei 21 Prozent sogar bei fünf Jahren.

„Vieles deutet darauf hin, dass ein Großteil der Firmen noch zu träge agiert, und zu wenig agil", hat Maschinenbau-Experte Falk beobachtet. „Zudem bestätigt eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Befragten, dass anstatt weitsichtiger Planung und strategisch verkraftbarer Einsparmaßnahmen in vielen Unternehmen noch immer das Gießkannenprinzip angewendet wird, um das ’cost cutting’ möglichst ’gerecht’ über alle Einheiten zu verteilen. Ein Ansatz, der sich gerade für den Restart nach Corona als strategische Falle entpuppen könnte."

MUT, GEDULD UND WEITSICHT
Hoffnung, dass es am Ende doch nicht so kommen könnte, macht die Tatsache, dass sich die Studienteilnehmer einig sind, dass Krisen immer auch gute Zeiten für notwendige Veränderungen darstellen und Mut, Geduld und vor allem Weitsicht die wichtigen Eigenschaften sind, um erfolgreich aus einem Tief wieder herauszukommen. „Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir, wie es Unternehmen gelungen ist, in eine Position des Agierens anstatt des notgedrungenen Reagierens zu kommen", so Unternehmensberater Falk. „Das schnelle Umsetzen von beschlossenen Maßnahmen und das kurzzyklische Tracking ebendieser bilden die Grundlage für die notwendige Flexibilität in dieser hochdynamischen Zeit. Schnell, überlegt und vorausschauend handeln ist der Schlüssel, um in und vor allem auch nach der Krise erfolgreich zu bleiben." 

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