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Rückgrat des Fußballs, Rückgrat des Sports: das Ehrenamt. - © picture alliance
Rückgrat des Fußballs, Rückgrat des Sports: das Ehrenamt. | © picture alliance

Vereinskultur Engpässe beim Ehrenamt

Der Landessportbund NRW warnt vor einer Überlastung freiwilliger Helfer. Verwaltungsaufgaben schreckten Mitglieder von Sportvereinen häufig ab.

Florian Pfitzner
16.04.2019 | Stand 16.04.2019, 08:11 Uhr

Düsseldorf. Der Präsident des Landessportbundes (LSB) NRW, Walter Schneeloch, sieht Sportvereine zunehmend in Schwierigkeiten, Mitglieder zu gewinnen, die bereit sind, Verantwortung zu tragen. In einem Gespräch mit dieser Redaktion sagte Schneeloch, ehrenamtliche Helfer seien zu häufig mit Verwaltungsaufgaben überfrachtet. „Sie werden überschüttet mit Pflichten, wir müssen sie endlich von diesem Ballast befreien", so der LSB-Präsident. „Sonst wird es schwierig, die Vereine als entscheidende Stabilisatoren unserer Gesellschaft lebendig zu halten." Sportvereine sind auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Der Rückgang freiwilliger Helfer und ehrenamtlicher Funktionsträger gilt als eines ihrer Hauptprobleme. Mittlerweile sieht sich laut dem aktuellen Sportentwicklungsbericht eine steigende Anzahl an Vereinen ihrer Existenz bedroht, weil Kräfte fehlen. Im Jahr 2016 engagierten sich nach der Studie landesweit rund 351.000 Mitglieder langfristig in ihren Sportvereinen, 246.100 Männer und 104.900 Frauen. Nimmt man diejenigen hinzu, die bei Sportfesten oder Renovierungsarbeiten ad hoc einspringen, stehen unterm Strich 1,4 Millionen freiwillige Helfer. "Da winken viele ab" Im Vergleich zu 2013 ging der Wert um rund zehn Prozent zurück. Engpässe zeigten sich gerade im klassischen Ehrenamt, warnte Schneeloch, also bei dauerhaft ausgelegten Aufgaben. „Einzelne Projekte mit zeitlicher Begrenzung lassen sich noch an den Mann oder die Frau bringen", sagte der Sportfunktionär. Von komplexen Tätigkeiten rund um Steuerrecht und Datenschutzgrundverordnung fühlten sich Vereinsmitglieder hingegen oft abgeschreckt. „Bei zu viel Bürokratie winken viele von vorne herein ab." NRW hat nach dem Regierungswechsel 2017 Sportpolitik zur Chefsache gemacht. Die zuständige Staatssekretärin Andrea Milz ist seit eineinhalb Jahren auf „Ehrenamtstour". Die CDU-Politikerin steuert dabei alle 54 Stadt- und Kreissportbünde in NRW an und verschafft sich einen Überblick. Zu den bisherigen Erkenntnissen konnte die Staatskanzlei noch keine aussagekräftigen Antworten geben. Angesprochen auf die Lage der Sportvereine in Großstädten und ländlichen Regionen zitiert sie lediglich den Sportentwicklungsbericht. Grundsätzlich könne man davon ausgehen, hieß es, dass das ehrenamtliche Engagement in ländlichen Regionen stärker ausgeprägt ist als in der Stadt. "Nur so geht es" Schneeloch verlangte eine spürbare Entlastung des Ehrenamts. „Wer sich freiwillig engagiert, sollte sich nur um den Kern des Sports kümmern müssen", sagte der LSB-Präsident. Verwaltungsaufgaben seien bei hauptamtlichem Personal oder auf Kreisebene besser aufgehoben, da verfüge man bereits über die nötigen professionellen Strukturen. Der Landessportbund hat inzwischen selbst die Initiative ergriffen. Er bietet Mitgliedern nordrhein-westfälischer Sportvereine eine kostenlose Ausbildung zum sogenannten Ehrenamtsmanager an. „Durch diese Fortbildung lassen sich Maßnahmen etablieren, um junge Leute zu rekrutieren und somit die Bindung an ein Ehrenamt sicherzustellen", sagte Schneeloch. Er lobte die Vereine, die extra Mitglieder abgestellt haben, um aktiv für das ehrenamtliche Engagement zu werben und Nachwuchs zu gewinnen. „Sie passen sich an, reagieren auf den Wandel", sagte Schneeloch. „Nur so geht es."

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