Die Aktien des Unternehmens werden nicht mehr von allen Banken verkauft: Zentrale der Gerry Weber AG in Halle im Abendrot. - © Nicole Donath, HK
Die Aktien des Unternehmens werden nicht mehr von allen Banken verkauft: Zentrale der Gerry Weber AG in Halle im Abendrot. | © Nicole Donath, HK

Halle Gerry-Weber-Aktien sind "hoch-spekulativ"

Wertpapierhandel: Bei der Commerzbank können private Anleger derzeit keine Gerry-Weber-Aktien kaufen. Andere Institute setzen hingegen vermitteln die Papiere

Halle. Wer als Privatinvestor derzeit Anteile des Modekonzerns Gerry Weber kaufen will, schaut bei einigen Banken in die Röhre. Denn die Aktien gelten durch die Insolvenz in Eigenverwaltung des Unternehmens als Risikopapier: Das eingesetzte Kapital kann vollständig verloren gehen. Die Commerzbank bestätigt, dass ein Privatanleger bei ihnen derzeit keine Gerry-Weber-Aktien kaufen darf. Der Grund: "Anlegerschutz", sagt Andreas Wex, Leiter Kapitalmarktstrategie. Selbst, wenn ein Kunde das Risiko kenne und die Aktien kaufen wolle, könne er es nicht. "Da das Unternehmen insolvent ist, fallen dessen Aktien nach unseren Regeln für Privatanleger automatisch weg." Nur Profis kommen an die Aktien Frei gegeben seien die Papiere lediglich für professionelle Anleger, die bereits nachgewiesen haben, dass sie sich in der Materie besonders gut auskennen. Wann die Aktien wieder kaufbar sind, entscheide sich nach der Stellung des Unternehmens. "Es gibt vorgegebene Kriterien, die unter anderem das Risiko für die Anleger minimieren sollen", so Wex. Und bei einem insolventen Unternehmen sei das Risiko einfach zu hoch. Auch die Verbund-VolksbankOWL verkauft keine Gerry-Weber-Aktien, "weder an Privatinvestoren noch an Großanleger", sagt Prokuristin Sylvia Hackel. Deutsche Bank und Sparkassen vermitteln die Papiere Bei der Deutschen Bank hingegen können Kunden alle Aktien kaufen und verkaufen, sagt ein Mitarbeiter des Unternehmens auf Nachfrage. Auch Privatkunden der Sparkassen können durchaus Aktien des Modekonzerns erwerben. "Privatkunden und auch institutionelle Kunden haben nach wie vor die Möglichkeit, Gerry-Weber-Aktien über uns an Börsen zu ordern", sagt Elmo Spieß, Pressesprecher der Sparkasse Detmold-Paderborn. "Wir setzen auf mündige Anleger" Eine Kaufempfehlung spreche die Sparkasse aber wegen der mit der Insolvenz des Unternehmens verbundenen Unsicherheit nicht aus. Kunden, die eine Aktie des insolventen Unternehmens kaufen, spekulierten auf eine Wertsteigerung, und "wenn die Kunden diese Aktien wollen, vermitteln wir sie ihnen", ergänzt Christoph Kalleschke von der Sparkasse Bielefeld. Und das stehe auch nicht im Widerspruch zum Anlegerschutz, meint Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS). "Wir setzen auf mündige Anleger, die sich vorab gut informieren." Allerdings gebe es auch schutzbedürftige Kunden, die sich nicht ausreichend informieren - hier sei eine gute Beratung wichtig. Aktienkurs stark gefallen Die Gerry Weber International AG ging 1989 an die Börse. Derzeit liegt der Wert einer Aktie bei 51 Cent. Am 16. April im Vorjahr waren es 7,91 Euro. Vor fünf Jahren war eine Aktie gut 38 Euro wert. Bis zum 19. März 2018 war die Aktie im SDAX gelistet. Der Insolvenzantrag folgte am 25. Januar 2019.

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