Mit der ganzen Welt verbunden: Die Funkamateure Matthias Oesterwinter (links) und Dieter Ziehn. - © Dirk-Ulrich Brüggemann
Mit der ganzen Welt verbunden: Die Funkamateure Matthias Oesterwinter (links) und Dieter Ziehn. | © Dirk-Ulrich Brüggemann

Amateurfunk Neuer Satellit für OWL-Funkamateure

Novum: Der Wüstenstaat Katar hat im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2022 einen geostationären künstlichen Trabanten in Umlauf gebracht. Die Funker dürfen die Technik mitnutzen

Bielefeld. Die Begeisterung ist den beiden Funkamateuren Matthias Oesterwinter und Dieter Ziehn vom Bielefelder Ortsverein förmlich ins Gesicht geschrieben. Sie freuen sich stellvertretend für die anderen 1.500 Funkamateure in Ostwestfalen-Lippe über den neuen geostationären Satelliten Katar Oscar-100, der seit Kurzem in 36.000 Kilometern Höhe über der Erde steht. Der Wüstenstaat Katar hat diesen Satelliten im Vorfeld der von ihm auszurichtenden Fußballweltmeisterschaft 2022 ins Weltall geschossen und will ihn für die Fernsehübertragungen der Weltmeisterschaftsspiele und zur Kommunikation nutzen. Und weil der Vize-Premierminister des kleinen Landes selbst begeisterter Funkamateur ist, Rufzeichen A71AU, hat er dafür gesorgt, dass Amateurfunker in aller Welt die 500 Millionen Euro teure Technik mitnutzen dürfen. Dank seiner Position deckt Oscar-100 sogar 70 Prozent der Welt ab Im Gegensatz zu anderen Satelliten, die die Amateurfunker nutzen können, rotiert dieser Satellit, der kurz QO-100 genannt wird, mit der Erde mit, statt um sie zu kreisen. So haben bis zu 100 Funkstationen gleichzeitig die Möglichkeit den QO-100 zu nutzen. Dank seiner Position deckt Oscar-100 sogar 70 Prozent der Welt ab. Nicht erreichbar sind Teile von Nordamerika, Sibirien, Japan und Argentinien. Ältere von den Funkamateuren gebaute Satelliten umkreisen die Erde. So müssen die Funkamateure mit ihren Antennen dem Satelliten beim Überflug von Horizont zu Horizont folgen, wenn sie mit ihren Gesprächspartnern in anderen Teilen der Erde Kontakt aufnehmen wollen. Diesen neuen Satelliten sieht auch der Leiter der Bochumer Sternwarte, Thilo Elsner, als Meilenstein für den nicht-kommerziellen Amateurfunk. Der Astronomie-Experte weiß wovon er redet: Ohne seine ersten Amateurfunk-Erlebnisse als Teenager wäre er nie bei der Bochumer Sternwarte gelandet, deren Leiter er heute ist.Es gehe dabei um einen sehr direkten Umgang mit Nachrichtentechnik. Und um ein tieferes Verständnis der Prozesse, die weltweite Kommunikation möglich machen: „Heute haben wir alle Handys – aber wer versteht denn noch die Hochfrequenz-Technik, die dahinter steckt", sagt Elsner. Früh spielerisch die Grundlagen der Weltraumtechnik vermitteln Das wollen er und viele aktive Funkamateure wie die Bielefelder Oesterwinter und Ziehn ändern, indem sie Interessierten möglichst früh spielerisch die Grundlagen der Weltraumtechnik vermitteln. Genauso sieht es der 75-jährige Dieter Ziehn (DK4QT), der im Bielefelder Ortsverein für die Ausbildung zuständig ist. Er besitzt seit 52 Jahren die Funklizenz, auch seine Ehefrau ist begeisterte Funkamateurin. Weltweit zählen nach Angaben des Deutschen Amateur Radio Clubs rund 2,8 Millionen Menschen zur Gemeinschaft der nicht-kommerziellen Amateurfunker. In Deutschland besitzen knapp 65.000 eine entsprechende Lizenz, Tendenz rückläufig. Sie funken beispielsweise über Kurzwelle, UKW – und ein kleiner Teil auch über Weltraum-Satelliten, wie Stefan Hüpper vom Deutschen Amateur Radio Club berichtet.  „Wer auf der Frequenz funken will, hat nur wenige Minuten Zeit" Bislang galt für sie jedoch die Einschränkung, dass es nur die Erde umlaufende Satelliten für Funkamateure gab: „Wer auf der Frequenz funken will, hat nur wenige Minuten Zeit, bevor er die Antenne wieder neu ausrichten muss", erklärt Hüpper. Mit QO-100 erhalten sie nun neue Möglichkeiten: Der Satellit ist geostationär, bewegt sich mit der Erde und bleibt aus Sicht der Erdenbewohner auf derselben Stelle. Wer Amateurfunker werden möchte, braucht nicht viel Equipment, erklärt Matthias Oesterwinter (DL5QY), der Vorsitzender der 160 Bielefelder Funkamateure ist. „Der finanzielle Aufwand für die Technik liegt unter 500 Euro", erklärt der 60-Jährige. „Etwa 150 Euro müssen für die Funklizenz investiert werden." Wer die Prüfung besteht, bekommt dann das eigene Rufzeichen.

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