Das Nazi-Ufo gibt es im Maßstab 1:72 zu kaufen. - © besserepreise.com
Das Nazi-Ufo gibt es im Maßstab 1:72 zu kaufen. | © besserepreise.com

Bünde/ Hamburg Modellbauer Revell nimmt fiktives Nazi-Ufo für Kinder vom Markt

Kinderschutzbund und das Militärhistorische Museum in Dresden hatten das Produkt kritisiert

Bünde. Nach Kritik an einem seiner Produkte hat Spiel- und Modellbau-Anbieter Revell reagiert. Ein Bausatz, der einem Ufo ähnelt, werde nicht mehr ausgeliefert, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit. Der Kinderschutzbund und das Militärhistorische Museum in Dresden hatten Kritik an dem Produkt geäußert. Es wird in der Produktbeschreibung wie ein Kriegsgerät aus der Zeit des Nazi-Regimes präsentiert, ohne dass dies belegt ist. Stein des Anstoßes ist das Produkt "Flying Saucer Haunebu II", für 49,99 Euro im Spielwarenhandel erhältlich - ein waffenstarrender Rundkörper, gekennzeichnet mit dem Eisernen Kreuz der Luftwaffe des Dritten Reiches, das aus Zwillingsgeschützen auf Fantasieflugzeuge feuert. Laut Kartonaufdruck empfohlen für Kinder ab 12 Jahren. Historisch falscher Text Im Text wird der Eindruck erweckt, es handle sich um ein echtes Kriegsgerät der Nazis mit geradezu übernatürlichen Fähigkeiten: "1934 begannen die Arbeiten an den Rundflugzeugen. Ihr Antrieb und die Neutralisierung der Fliehkräfte im Innenraum erfolgten über Vril-Energiefelder. Flugfähige Exemplare der bis zu 6000 Km/h schnellen Haunebu II starteten Mitte 1943, kamen aber kriegsbedingt nicht über die Erprobungsphase hinaus." Doch diese angebliche Wunderwaffe der Nazis hat es nie gegeben, bestätigt der Historiker Jens Wehner vom Militärhistorischen Museum in Dresden auf Nachfrage von Ndr Info: "Das ist objektiv falsch." Sein Vorwurf: Es sei nicht akzeptabel, dem NS-Regime Fähigkeiten zuzuschreiben, die es nach dem Stand der Wissenschaften nie gegeben habe. Revell hat gegenüber dem Sender einen Fehler eingeräumt, sich dafür entschuldigt und zugesichert, die Verpackungsaufschrift so bald wie möglich zu ändern. „Grundsätzlich geben wir dem Militärhistorischen Museum recht, es handelt sich tatsächlich um ein legendenumwobenes, außergewöhnliches Fluggerät, dessen Existenz und Umsetzbarkeit nicht belegt ist", räumt das Unternehmen ein. „Unser Verpackungstext bringt dies aber leider nicht adäquat zum Ausdruck, wir entschuldigen uns hierfür", hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Zugleich legt Revell Wert auf die Feststellung, dass man sich von jeder Art der Verherrlichung des Nazi-Regimes abgrenze. Eine Ideologisierung oder Verbreitung von Verschwörungstheorien liege dem Unternehmen fern. Nähe zu rechten Verschwörungstheorien Doch die Kritik an Revell ist damit nicht vom Tisch. Der Grund: Wer die Begriffe "Haunebu II" oder Flugscheibe in eine Suchmaschine oder die Maske großer Videoportale eingibt, ist nur wenige Klicks entfernt von Esoterikern oder rechten Verschwörungstheorien. Diese können nach Auskunft des Hamburger Verfassungsschutzes auch in Kreisen der zum Teil als rechtsextrem geltenden Reichsbürger angetroffen werden. Der Deutsche Kinderschutzbund hatte argumentiert, Politik und Weltanschauung hätten nichts im Kinderzimmer zu suchen. "Als Kinderschutzbund lehnen wir grundsätzlich Spielzeug ab, das zu einer Ideologisierung führen kann", so Bundesgeschäftsführerin Cordula Lasner-Tietze im Gespräch mit dem Nachrichtensender NDR Info.

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