Polizei im Großeinsatz

Zehntausende Menschen protestieren in Gießen gegen AfD-Jugendorganisation

Wasserwerfer, blockierte Straßen, Verletzte: Die Gründung der AfD-Jugendorganisation hat in Gießen für einen Ausnahmezustand gesorgt.

Proteste und Demonstrationen in Gießen bei Gründung AfD-Jugendorganisation: Die Polizei war im Großeinsatz. | © IMAGO/5VISION.NEWS

30.11.2025 | 30.11.2025, 07:42

Gießen (dpa). Nach den Protesten Zehntausender Menschen in Gießen gegen die Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) wollen Aktivisten und Polizei am Sonntag Bilanz ziehen. Die Demonstrationen verschiedener Veranstalter verliefen am Samstag nach Angaben der Polizei überwiegend friedlich. An einigen Orten kam es aber zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Polizei.

Der Einsatz mit bis zu 5.000 Beamtinnen und Beamten gleichzeitig zählte zu den größten in Hessen überhaupt. Die Polizei schirmte den AfD-Veranstaltungsort weiträumig ab und löste Straßenblockaden auf. Dabei kamen mehrfach Wasserwerfer zum Einsatz.

Das „Aktionsbündnis widersetzen“ will bei einer Pressekonferenz in Gießen über die Erfahrungen bei den Protesten berichten. Auch weitere Details der Polizei werden erwartet.

Aktionsbündnis spricht von „riesigem Erfolg“

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Massenprotest gegen AfD-Jugend in Gießen

Bereits am Demonstrationstag bezeichnete das Bündnis die Aktionen zivilen Ungehorsams gegen die Gründung der AfD-Jugendorganisation als „riesigen Erfolg“. Rund 15.000 Menschen hätten an Blockaden teilgenommen und Zugänge zu dem Gründungskongress versperrt. Gleichzeitig kritisierte das Bündnis die Polizei und beklagte den Einsatz von Wasserwerfern bei niedrigen Temperaturen sowie von Schlagstöcken und Pfefferspray.

Einige Gruppen hatten Straßen in der Umgebung blockiert, um die Anreise zu dem Gründungskongress mit letztlich etwa 800 Teilnehmern zu verhindern. Teilweise kam es dabei zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Wie viele Festnahmen gab es?

Ein Wasserwerfer steht an einer Absperrung an der Brücke Rodheimer Straße in Gießen. Hier wurden am Samstag Tausende Menschen zur Demo gegen die Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation erwartet. - © Michael Brandt/dpa
Ein Wasserwerfer steht an einer Absperrung an der Brücke Rodheimer Straße in Gießen. Hier wurden am Samstag Tausende Menschen zur Demo gegen die Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation erwartet. | © Michael Brandt/dpa

Mit Stand Samstagabend hatte die Polizei Kenntnis von zehn leicht verletzten Beamten, man habe aber noch keine abschließende Zahl. Zu verletzten Demonstrierenden lagen der Polizei einem Sprecher zufolge zunächst ebenfalls keine gesicherten Zahlen vor.

Das Uniklinikum Gießen-Marburg zählte am Samstagnachmittag etwa 15 Demonstranten, die sich dort behandeln ließen. Offen war auch, wie viele Personen möglicherweise vorläufig festgenommen wurden oder einen Platzverweis erhielten.

Die Polizei hatte ursprünglich mit bis zu 50.000 Protestteilnehmern aus ganz Deutschland gerechnet. Die Polizei zählte mehr als 25.000 Demonstrierende auf den Straßen der Stadt mit ihren rund 92.000 Einwohnern. Das Bündnis „widersetzen“ sprach von über 50.000 Teilnehmern.

Bundespolitiker vor Ort

Die Veranstaltung zur Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation begann wegen der Proteste mit etwa zweistündiger Verspätung - auch die AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla kamen nicht pünktlich an. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Julian Schmidt wurde nach eigenen Angaben auf dem Weg zur Halle geschlagen und erlitt dabei Verletzungen im Gesicht.

29.11.2025, Hessen, Gießen: Jean-Pascal Hohm, Chef der neuen AfD Jugendorganisation «Generation Deutschland», sitzt nach seiner Wahl auf dem Podium. Mehrere Tausend Demonstranten protestierten am Samstag gegen die Neugründung einer AfD-Jugendorganisation. Die als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Vorgängerin „Junge Alternative“ hatte sich durch Selbstbeschluss aufgelöst. Auf der Gründungsveranstaltung in den Hessenhallen sollen auch die beiden Co-Bundesvorsitzenden sprechen. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ - © Andreas Arnold/dpa
29.11.2025, Hessen, Gießen: Jean-Pascal Hohm, Chef der neuen AfD Jugendorganisation «Generation Deutschland», sitzt nach seiner Wahl auf dem Podium. Mehrere Tausend Demonstranten protestierten am Samstag gegen die Neugründung einer AfD-Jugendorganisation. Die als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Vorgängerin „Junge Alternative“ hatte sich durch Selbstbeschluss aufgelöst. Auf der Gründungsveranstaltung in den Hessenhallen sollen auch die beiden Co-Bundesvorsitzenden sprechen. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | © Andreas Arnold/dpa

Die neue AfD-Jugendorganisation wurde am Nachmittag gegründet, erster Vorsitzender der Generation Deutschland (GD) wurde Jean-Pascal Hohm. Im Gegensatz zur vorangegangenen Jungen Alternative soll die GD eng an die AfD angebunden sein. Mitmachen können alle AfD-Mitglieder unter 36 Jahren.