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Nashörner sind auch in Zoos nicht vor Wilderern sicher, die Einrichtungen reagieren mit verstärkten Sicherheitsmassnahmen. - © picture alliance / augenklick/firo Sportphoto
Nashörner sind auch in Zoos nicht vor Wilderern sicher, die Einrichtungen reagieren mit verstärkten Sicherheitsmassnahmen. | © picture alliance / augenklick/firo Sportphoto

Gefahr Angst vor Nashorn-Wilderern: Zoos in Nordrhein-Westfalen rüsten auf

Das Horn von Nashörnern lässt sich für sehr viel Geld verkaufen. Zoos in Nordrhein-Westfalen erhöhen jetzt die Sicherheitsmaßnahmen. Denn skrupellose Wilderer schlagen nicht nur in Afrika zu.

29.06.2017 | Stand 29.06.2017, 19:09 Uhr

Krefeld/Münster (dpa) - Amiri, Jane und die anderen Nashörner im Zoo Münster leben künftig in einem Hochsicherheitstrakt. Schon jetzt wird ihr Gehege zum Teil per Video überwacht. Momentan werde aber über Alarmanlagen und Bewegungsmelder nachgedacht, sagte Stefanie Heeke vom Allwetterzoo Münster, in dem vier Breitmaulnashörner leben der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Die „Westfälischen Nachrichten" haben bereits darüber berichtet. Der Grund für die Sorge: Wilderer gehen nicht mehr nur in Afrika auf Jagd nach den unter Artenschutz stehenden Nashörnern. Sie machen auch vor Zoos in Europa nicht Halt.

Die Zoos in Nordrhein-Westfalen verstärken derzeit die Sicherheit an den Nashorngehegen. „Alle Zoos haben das Thema seit dem Vorfall von Paris auf der Agenda", sagte Julia Kögler vom Verband der Zoologischen Gärten (VDZ) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Im Tierpark Thoiry westlich von Paris hatten Unbekannte im März in einem Nashorngehege ein Tier getötet. Anschließend trennten die Täter das Horn des Tieres ab.

Horn-Pulver für den Schwarzmarkt

Ein thailändischer Zollpolizist inspiziert geschmuggeltes Elfenbein und Nashorn am Flughafen in Bangkok. Die Stoßzähne und Hörner werden auf asiatischen Schwarzmärkten gehandelt. - © picture-alliance / dpa
Ein thailändischer Zollpolizist inspiziert geschmuggeltes Elfenbein und Nashorn am Flughafen in Bangkok. Die Stoßzähne und Hörner werden auf asiatischen Schwarzmärkten gehandelt. | © picture-alliance / dpa

„Das Horn ist auf dem Schwarzmarkt mehrere Zehntausend Euro wert", sagte Stefanie Heeke vom Allwetterzoo Münster, in dem vier Breitmaulnashörner leben. Nach dem Vorfall hatte der Europäische Zooverband (EAZA) alle Zoos in Europa über den Vorfall informiert und geraten, die Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen. In Nordrhein-Westfalen haben nach Angaben des VDZ sechs Zoos Nashörner, bundesweit sind es 19 Zoos.

Dem Horn des Nashorns werden in Teilen Asiens fast magische Kräfte zugeschrieben, erläuterte Heeke. So soll es nicht nur Krebs heilen, sondern auch die Potenz erhöhen. „Bei einigen ist es auch ein Statussymbol, so ein kostbares Horn zu besitzen", erklärte sie.

Aufrüstung der Sicherheitsmassnahmen

Dem Vorfall bei Paris gingen bereits andere voraus: Etwa vier Jahr zuvor sei in einem Museum in Großbritannien ein Horn entwendet worden, berichtete Heeke. „Seitdem hat Münster die Videoüberwachung des Nashorngeheges", sagte sie. Nach dem Ereignis in Paris habe der Zoo erneut Gutachten eingeholt. Nun werde in Richtung Bewegungsmelder und Alarmanlagen gedacht - wie die Sicherheitsmaßnahmen genau aussehen, will sie nicht verraten.

In Deutschland hat es in der Vergangenheit in Naturkundemuseen und Universitätsinstituten bereits mehrere Diebstähle von Hörnern von Nashörnern gegeben. So wurden zum Beispiel 2012 zwei Hörner von Nashörnern im Museum in Offenburg (Ortenaukreis) gestohlen. Davor waren Hörner bereits aus Museen in Bad Säckingen (Kreis Waldshut) und Heidelberg entwendet worden. In Zoos in Deutschland ist soweit bekannt noch nichts geschehen.

Wilderei ist Teil der organisierten Kriminalität

Der Zoo Krefeld, in dem drei Spitzmaulnashörner zu Hause sind, ist zur Sicherheit aber auch bereits aktiv geworden. „Wir haben unsere Sicherheitsvorkehrungen am Nashorn-Gehege deutlich verstärkt", erklärte Petra Schwinn, Sprecherin des Zoos in Krefeld. Denn bei den Diebstählen würden keine Anfänger aktiv: „Das ist organisierte Kriminalität, wo man es mit absoluten Profis zu tun hat", betonte Schwinn. Auch sie will keine Details zu den neuen Sicherheitsvorkehrungen verraten. In dem Zoo sind im Jahr 2015 Goldene Löwenäffchen und Hyazinth-Aras gestohlen worden.

Die Wilderei in Afrika hat nach Angaben des VDZ in den letzten zehn Jahren extrem zugenommen. „Es werden 1300 Nashörnern jährlich in Afrika gewildert", erläuterte Kögler. Jetzt schwappe das Problem nach Europa hinüber. Nashörner stehen weltweit unter Artenschutz.

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