Allein schwimmen zu gehen ist keine gute Idee. - © picture alliance / Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Allein schwimmen zu gehen ist keine gute Idee. | © picture alliance / Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Badesaison Warum es kaum jemand merkt, wenn ein Mensch ertrinkt

"Ertrinken ist eine stille Angelegenheit"

Angela Wiese

Bielefeld. Die Badesaison 2018 ist in vollem Gange und eines ist sicher: In Deutschland werden auch in diesem Jahr wieder Hunderte Menschen ertrinken. Einige von ihnen werden von anderen Badegästen umgeben sein, die von ihrem Todeskampf nichts merken. Warum ist das so? Allein in Nordrhein-Westfalen zählte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im vergangenen Jahr 55 Badetote, deutschlandweit waren es 404. Die meisten von ihnen ertranken in einem Fluss, einem See oder in einem Kanal. Orte, an denen meist mehrere Leute baden. Sogar in einem Freibad kann es gefährlich werden, wie ein aktuelles Beispiel aus Großräschen in Brandenburg zeigt. Dort ertrank im Juni ein sechsjähriges Mädchen im Nichtschwimmerbecken. Der Bielefelder Wolfram Dickel ist seit 1982 bei der DLRG und konnte schon mehreren Menschen das Leben retten. Zum Beispiel als Sanitäter, als ein Badegast auf ein auf dem Grund treibendes Mädchen trat und erst dadurch auf das Kind aufmerksam wurde. Das Kind konnte gerettet werden. Dass es unterging, hatte niemand mitbekommen, erinnert er sich. Die Erklärung dafür kennt Dickel gut. "Ertrinken ist eine stille Angelegenheit", sagt er. Gefahr vor allem in trüben Gewässern Experten unterscheiden zwei Arten des Ertrinkens. Zum einen das, bei dem Menschen untergehen und nicht zwischendurch wieder auftauchen. "Die Personen verschwinden plötzlich aus dem Blickfeld", erklärt Dr. Benno Hartung, der stellvertretende Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf. "Ursache hierfür ist in der Regel ein Intoxikationsgeschehen, vor allem durch Alkohol, weil er die Schutzreflexe beeinträchtigt", erklärt der Mediziner. Auch ein internistischer Vorfall, zum Beispiel ein akuter Herzinfarkt, kann Ursache dafür sein, sagt Dickel. Besonders in Seen, wo das Wasser trübe ist, seien diese Menschen von der Oberfläche aus schwer zu sehen, sagt Dickel. Die andere Variante ist das Ertrinken, bei dem der Betroffene es immer wieder kurz an die Oberfläche schafft. Zum Beispiel, wenn ein Kind, das nicht schwimmen kann, in tiefes Wasser gerät. Das panische Winken und rufen um Hilfe, wie es zum Beispiel in Serien dargestellt wird, gibt es dabei kaum. "Sieht nicht nach Überlebenskampf aus" Wolfgang Dickel beschreibt solche Situationen so: Der Körper hängt tief im Wasser, der Kopf ist tief in den Nacken gelegt, damit das Gesicht zum Luftholen noch etwas über Wasser ist. "Wenn dann noch Wasser in die Lunge gerät, gibt es einen Hustenanfall." Die Kräfte lassen nach, der Körper geht unter. Beim nächsten kurzen Auftauchen ist der Ertrinkende damit beschäftigt, Luft zu holen. Es bleibt also gar keine Zeit und auch keine Kraft fürs Winken und für Hilferufe. Rettungsschwimmer sind auf solche Szenen geschult und können erkennen, wenn jemand droht zu ertrinken. "Für andere Beobachter sieht das nicht unbedingt nach einem Überlebenskampf aus", sagt Dickel. Umso wichtiger sei es , dass Menschen, die im Sommer eine Erfrischung suchen, an von Rettungsschwimmern bewachten Stellen baden. Und noch ein Tipp von Dickel: "Guckt nach Eurem Nächsten, ob es dem noch gut geht."

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